Brahe, Tycho
(1546 - 1601) |
Tycho Brahe, der Anhänger der Kopernikaschen Lehre war und dessen jahrelangen Beobachtungen wichtigste Grundlage für Johannes Keplers Berechnungen der Planetenbahnen lieferten, studierte im Jahr 1570 kurzzeitig in Wittenberg Naturwissenschaften und wohnte im Jahr 1599 für sechs Monate bei seinem Freund, Professor Johannes Jessenius, im Melanchthonhaus. |
Bruno, Giordano
(1548 - 1600) |
Von Giordano Bruno weiß man heute vor allem, daß er im Jahr 1600 in Rom als Ketzer verbrannt wurde. Zwischen1586 und 1588 hielt er an der Leukorea (das ist der alte Name der Wittenberger Universität) als Privatdozent Vorlesungen zur Logik, Mathematik, Physik und Philosophie. In Wittenberg ließ er z. B. seine Schrift "Über den Fortschritt und die friedliche Erleuchtung der Logik" drucken. Vor der Inquisition berichtete er:
"In Wittenberg fand ich zwei Fraktionen vor, die der Philosophen, die Calvinisten waren, und die der Theologen, die Lutheraner waren ..." |
Chladni, Ernst Florenz
(1756 - 1827) |
Chladnis Klangfiguren sind bis heute überall bekannt. Wer weiß jedoch, daß er am 30. November 1756 in Wittenberg geboren wurde und ab 1812 - nach Studium in Leipzig und jahrelanger Reisetätigkeit - in Wittenberg bzw. in Kemberg, einem kleinen Ort in der Nähe Wittenbergs lebte.
Er schrieb u. a. "Entdeckungen über die Theorie des Klanges" und "Über die Hervorbringung der menschlichen Sprachlaute".
Seine Erkenntnisse werden ganz bestimmt im Projekt "Physik zum Anfassen" eine große Rolle spielen. |
Faust, Johann
(um 1480 - um 1540) |
Der historische Vorläufer des Goetheschen "Faust" hat sich nachweislich in Wittenberg aufgehalten, vermutlich zwischen 1525 und 1532. Dieser Alchimist und Astrologe machte sich hier ziemlich unbeliebt, Melanchthon nannte ihn einen "Aufschneider und Prahlhans". |
Galle, Gottfried
(1812 - 1910) |
Gottfried Galle, der Entdecker des Neptun, war von 1825 bis 1830 Schüler des hiesigen, zur damaligen Zeit sehr berühmten Gymnasiums. |
Reinhold, Erasmus
(1511 - 1553) |
Dieser Mathematiker und Astrom, der in Wittenberg Mathematik-Professor war und heute weitestgehend unbekannt ist, lieferte im Jahr 1551 mit den "Preußischen Tafeln" die mathematische Begründung für die Richtigkeit der Kopernikanischen Lehre. |
Rheticus, Georg Joachim
(1514 - 1574) |
Er studierte bei Melanchthon, dessen Tätigkeit auf naturwissenschaftlichen Gebiet heute fast vergessen ist, und war in Wittenberg Mathematikprofessor. Von 1539 bis 1541 arbeitete er bei Kopernikus. Danach war er in Wittenberg bei den Theologen, auch bei Luther, die das Kopernikaische Weltbild ablehnten, nicht mehr willkommen und übernahm in Leipzig eine Professur. |
Sennert, Daniel
(1572 - 1637) |
Der Mediziner, Chemiker und Philosoph, einer der frühen Vertreter der Atomistik, auf den z. B. der Begriff des "Moleküls" zurückgeht, studierte in Wittenberg, war ab 1601 hier Professor für Anatomie und wegen seiner Veröffentlichungen über "Praktische Medizin" und "Fieberhafte Krankheiten noch 100 Jahre nach seinem Tod an Europas Universitäten hochberühmt. Unter seiner Leitung wurde hier in Wittenberg der erste wissenschaftlich exakt dokumentierte Kaiserschnitt durchgeführt. Sennert starb - wie die Hälfte der Wittenberger in diesem Jahr 1637 - an der Pest. |
Stifel, Michael
(1487 - 1567) |
"Stifel muß sterben, ist noch so jung, so jung." Dieses auch heute noch bekannte Sauflied geht auf diesen Mathematiker zurück, der außerdem Theologe und ein Freund Luthers war. Luther rettete ihn, indem er ihn 1533 nach Wittenberg in Schutzhaft holen ließ. Aufgebrachte Mitbürger wollten den Lochauer Pfarrer (Lochau - heute Annaburg in der Näher Wittenbergs) lynchen, als dessen mathematisch berechneter bzw. vorausgesagter Weltuntergang nicht eintraf.
Daß Stifel auch die Logarithmen entdeckte, ist weniger bekannt. |
Weber, Wilhelm Eduard
(1804 - 1891) |
Er wurde in Wittenberg als Sohn des Wittenberger Theologieprofessors Michael Weber geboren. Die Kriegswirren um 1813 und die anschließende Verlagerung der Wittenberger Universität nach Halle führten auch seine Familie schließlich dorthin. Zusammen mit seinem Bruder Ernst Heinrich schrieb er im Jahr 1825 die berühmte "Wellenlehre", er wurde mit nur 24 Jahren in Leipzig Professor, zuerst für Maschinenbau und ab 1831 auf Betreiben von Carl Friedrich Gauß für Physik. Im Jahre 1833 fertigten beide den ersten funktionstüchtigen elektromagnetischen Telegraphen an.
Sein Geburtshaus in der Schloßstraße trägt offiziell den Namen "Weberhaus". Allerdings ist dort kein Museum und keine Gedenkstätte für Wilhelm Weber zu finden. Das Haus soll in nächster Zeit rekonstruiert werden.
Mein Versuch, dort einen Platz für die "Physik zum Anfassen" zu finden, scheiterte.
In Wittenberg gibt es eine "Sammler- und Interessengemeinschaft historische Nachrichtentechnik - Freundeskreis Wilhelm Weber e. V.".
Die Website des Freundeskreises ist:
http://www.telefonmuseum-wittenberg.de.tl/Startseite--s--Home.htm |
* Die meisten der hier genannten biographischen Angaben habe ich entnommen dem im September 2008 neu erschienenen Buch
WER WAR WO in Wittenberg?
Wissenswertes zu 99 Gedanktafeln
von Elke Strauchenbruch
Herausgeber Dietrich Walther und Wolf D. Hartmann
Drei-Kastanien-Verlag Wittenberg
ISBN 3-933028-80-8
112 Seiten - 7,90 Euro |