| 3. Ein Beispiel : die Dissertation über Auswertungsmethoden für den Mathematik-Schulunterricht |
| Vorgeschichte |
Beim Googlen nach dem "Syrakus-Problem" im Jahr 2004 stieß ich auf eine Dissertation aus dem Jahr 2002, die an der Universität Duisburg eingereicht worden war - eine rund 300 Seiten umfassende pdf-Datei. Ihr Thema erschreckte mich zutiefst:
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Man verzeihe mir, daß ich die genauen Quellen-Angaben nicht veröffentliche. |
| Das Thema |
Leistungsmessung
bei schriftlichen mathematischen Problemlösungen
in Abhängigkeit vom Bewertungsmodell |
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und ich begann entsetzt, darin zu lesen.
Soviel habe ich verstanden: mit der klassischen Bewertung, die zwar einfacher und weniger zeitaufwendig ist, läuft der Lehrer Gefahr, den Schüler falsch zu bewerten. Erst wenn er objektive Kriterien zu Rate ziehen kann, diese dann bepunkten kann und damit dem Schüler zeigen kann, daß seine Bewertung objektiv ist, ist den Anforderungen an eine Leistungsmessung bei Problemlösungen im 21. Jahrhundert Genüge getan.
Spaßeshalber möchte ich einen dieser Sätze hier wiedergeben: |
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Zitat 1
Die objektive Bewertung
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Im Kapitel 3 ist herausgearbeitet worden, daß
Verfahren zur Leistungsmessung von schriftlichen Problemlösungen zunächst sämtlichen Forderungen,
welche für die Leistungsbewertung von schriftlichen Lösungen gewöhnlicher
Standardaufgaben gelten, ebenfalls gerecht werden müssen. So muß
die Bewertung einer Lösung ein objektives Ergebnis liefern welches auch der Schüler
selbst verstehen kann. Sie muß
Aufschluß
über den Stand des Lernprozesses
des Schülers geben d.h. seine Stärken und Schwächen deutlich erkennbar
machen und sie muß
eine Grundlage für die weitere Förderung des Schülers
bilden. Schließlich müssen die Bewertungen entsprechender Lösungen mit
einander vergleichbar sein. |
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Die "Bewertung des Gesamteindrucks" kam in dieser Dissertation sehr schlecht weg - diese hat zwar den Vorteil, nur einen geringen Arbeitsaufwand zu benötigen, aber gewisse Erfahrungen muß die bewertende Person bei der Anwendung dieser Methode schon mitbringen: |
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Zitat 2
Die subjektive Bewertung |
Bei dieser Methode
wird zunächst die Schülerlösung zu einem Problem eingehend analysiert. Anschließend verläßt sich der Bewertende dann allein auf seinen persönlichen
Gesamteindruck, um dieser Arbeit einen numerischen Wert zuzuweisen. Bei
diesem Verfahren wird zu Beginn der Bewertung lediglich entschieden, wie
hoch die zu vergebende Maximalpunktzahl sein soll, es werden aber überhaupt keine Kriterien festgelegt.
Diese Methode ist sicherlich die einfachste aller Bewertungsmethoden, die
nicht nur das Endergebnis sondern den gesamten Lösungsprozeß
beurteilen.
Denn im Gegensatz zu den beiden zuvor diskutierten Methoden werden hierbei weder Kriterien noch Bewertungsschemata erstellt oder verwendet. Der
Bewertende verwendet nicht explizit festgelegte Kriterien die allein auf seiner subjektiven Sicht über die Komponenten des Problemlösens und eventuell
auf der Erfahrung basieren, welche er bereits durch die Bewertung anderer
Problemlösungen früher erworben hat. |
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| Die Kompetenz des Lehrers |
Wennalso einem Lehrer unterstellt wird, daß er diese subjektive Bewertungsmethode nicht anwenden kann, weil ihm die Erfahrung fehlt, wenn er dann eine "objektive" Bewertungsmethode nach vorgegebenen Kriterien lernen muß, dann muß doch auch jemand da sein, der kontrolliert, ob der Lehrer diese Kriterien und diese Bewertungsmethode richtig anwendet.
Wieviel Zeit benötig ein Lehrer, solche umfangreichen, arbeitsaufwendigen, genau vorgeschriebenen Beurteilungsmöglichkeiten zu lernen und anzuwenden? Wieviel Zeit bleibt ihm dann noch für das Vermitteln von Wissen und für das Erkennen der individuellen Fähigkeiten und Schwächen der Schüler? Denn mit der Beurteilung einer einzelnen, isolierten Problemlösung nach "objektiven Kriterien" ist doch wohl das Potential des Schülers noch lange nicht erkannt, oder? |
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| Meine subjektive, weibliche Sicht |
Den "Gesamteindruck" der Leistung eines Schülers subjektiv zu bewerten, das heißt für mich, nicht nur das Papier zu sehen, auf dem der Schüler - ggf. unter Streß und ggf. sogar, ohne die Fragestellung richtig erfaßt zu haben - aufgeschrieben hat, was ihm zu dem Thema einfällt. Auf dem Papier ist nicht festgehalten - und für die Beurteilung in der Diktion dieser Dissertation auch nicht verwertbar - das, was der Lehrer aus dem Unterricht, aus früheren Aufgabenstellungen und deren Lösungsversuchen vom Schüler weiß, die Anstrengungen des Schülers, seine Entwicklung über einen längeren Zeitraum usw.
Es wird lediglich eine "atomisierte Bewertung" über ein Einzelereignis abgegeben. Der Lernprozeß als Ganzes in einem längeren Zeitraum wird dabei ganz aus den Augen verloren.
"Gesamteindruck" - darunter verstehe ich so etwas wie "ganzheitliche Sicht" auf den Schüler, eine typisch weibliche Sichtweise.
Für mich ist das, was da in der Dissertation beschrieben wurde, ein Horror für Schüler und Lehrer! Ganz subjektiv beurteilt! |
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