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07. 10. 2009
Grundfragen der Physik,
neu gestellt und beantwortet von einer Frau
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Struktur Atommodell Mathematik
Was ist los?
 
 

Lehren und Lernen
Was ist los? - Der Versuch einer Analyse

Auf dieser Seite will ich verschiedene Dokumente vorstellen, die die Probleme in der schulischen Wissensvermittlung in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächern sehr schön veranschaulichen
 
  1. Die Studie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft aus dem Jahr 2006: Physikunterricht ist zum Davonlaufen
  2. Die Tagung in München im März 2009 über "Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem"
  3. Ein Beispiel: die Dissertation über die Auswertungsmethodem im Mathematik-Schulunterricht
PS: Sisyphusarbeit - oder Arbeitsbeschaffungsmaßnahme? - ein kritischer Kommentar

Einen sehr interessanten Einblick in den Stand der Untersuchungen über die Probleme des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts liefern auch viele Themen von Physikerinnentagungen. Eine kleine Auswahl stelle ich auf der Seite Themen DPT  (in Allgemeines » Fremdtexte) vor.
1. Aus der Studie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft aus dem Jahr 2006: Physikunterricht ist zum Davonlaufen
 
„Die Physik zählt bei Schülerinnen und Schülern zu den am wenigsten beliebten Fächern. Nicht selten verlassen die jungen Menschen, die mit einem natürlichen Interesse an Natur und Technik in die Schule kommen, diese eher demotiviert oder gar mit einer Abneigung gegen dieses Fach.“
 
 
Dieses Zitat habe ich einer Studie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG)  mit dem Titel
Thesen für ein modernes Lehramtsstudium im Fach Physik“
vom März 2006 entnommen, die auf der Website dieser Gesellschaft zu finden ist (www.dpg-physik.de).
Ich denke, dieses Zitat sagt genug.
 
2. Die Tagung in München am 12. März 2009
Der "Aktions-Rat"
Die Tagung stand unter dem Motto:
„DEUTSCHLAND HAT ZUKUNFT!
Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem“


Ein "Aktionsrat Bildung"  hatte zu dieser Tagung eingeladen. Dieser Rat ist ein "Expertengremium, das sich im Jahr 2005 auf Anregung   der "vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. konstituiert hat" - wie auf der Webseite www.aktionsrat-bildung.de zu lesen war. Auch der Nicht-Teilnehmer  an dieser Tagung konnte zahlreiche und umfangreiche Materialien  von der Webseite laden.
 
Das Interesse
"Das gemeinsame Interesse liegt vor allem darin, auf Basis der umfassenden Expertisen die gegenwärtige Situation im deutschen Bildungssystem zu bewerten. Dabei sollen insbesondere Brennpunktthemen wie z. B. soziale Selektion, Übergangs- und Durchlässigkeitsdefizite im Bildungsverlauf und Lehrpersonalentwicklung im Zentrum der Diskussion stehen. Die Experten sind sich aufgrund der Reformträgheit der deutschen Bildungspolitik einig, dass mehr als eine Bestandsaufnahme erfolgen muss. So wollen sie aktuelle politische Entscheidungen vor dem Hintergrund empirischer Befunde bewerten und der Politik konkrete Handlungsempfehlungen geben. Nur so können positive Reformbemühungen gefördert werden."
Zitat von der Startseite der genannten Webseite - Hervorhebungen von mir - B. K.
 
Eines der Materialien ist eine 188 Seiten umfangreiche pdf-Datei unter dem Titel:
"Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem"
Jahresgutachten 2009


Die Referenten waren fast ausschließlich Professoren. Frauen waren nicht darunter.

Die nachmittägliche Podiumsdiskussion (mit Frauen im Podium) fand unter folgendem Motto statt:
                  “Dumme Jungen und gescheite Mädchen?“

Das Entsetzen schien umzugehen: waren die Jungen auf einmal die Verlierer des deutschen Bildungssystems? Hatten sich Mädchen ungerechtfertig Bildungsvorteile erschlichen?
Der Flyer zur Tagung brachte das Problem kurz auf diesen Nenner:
 
 
Heute steht die Benachteiligung von Mädchen im Bildungssystem nicht mehr derart im Mittelpunkt wie vor dreißig Jahren. Stattdessen wird immer häufiger die brisante Frage nach einer Benachteiligung der Jungen aufgeworfen. Deshalb untersucht der Aktionsrat Bildung in seinem dritten Jahresgutachten Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem, zeigt dabei auf, in welchen Bildungsphasen von einer Benachteiligung der Jungen gesprochen werden kann und formuliert konkrete Handlungsempfehlungen an die Entscheidungsträger.
 
Kurzer Kommentar zu einer seltsamen Logik
Cato, ein Römer und bekennender Frauenfeind, der vor rund 2000 Jahren lebte, soll über die Frauen gesagt haben:
"Wenn sie uns gleichgestellt sind, sind sie uns überlegen."

Für mich ist an diesem Schwerpunkt vor allem interessant, daß offenbar die soziale Herkunft der Schüler als wesentlich gravierendere Benachteiligungen produzierende Komponente bei diesen Analysen keine Rolle gespielt hat.


Mein Mathematiklehrer hatte zu mir gesagt:
"Jungen sind besser in Mathematik als Mädchen."
Das war ein Problem der Mädchen und nicht der Bildungspolitik in seinen Augen und in den Augen vieler anderer Männer auch.
Nun passiert es, daß Mädchen einmal besser sind als Jungen - und schon geht ein Aufschrei durch die Männerwelt und sie reden von "Benachteiligung" der Jungen in einer Form, als würde sie der früheren Benachteiligung der Mädchen adäquat sein. An einer Stelle wird direkt von "Benachteiligungsängsten" gesprochen.

Offenbar gilt das Gesetz: Jungen sind einfach besser. Wenn sie es nicht sind,   dann sind sie nicht etwa selbst schuld, sondern die Bildungspolitik, die nicht dafür sorgt, daß Jungen die besseren Bedingungen haben.  Nun hat man den Buhmann gefunden: Jungen müssen bessere Leistungen erbringen als Mädchen, wenn sie aufs Gymnasium wollen. Nur so kann man sich erklären, wie es zur "ungerechten Verteilung der Mädchen und Jungen auf weiterführenden Schulen" kommt.
 
noch ein paar Zitate aus der Studie - u. a. darüber, wie  der Ausgleich von Nachteilen jemanden zum "Gewinner"  macht

S. 13:
In der Primarschule (Kapitel 5) sind deutliche Ungleichheiten zwischen Mädchen und Jungen bezüglich der Einschulungsquoten zu verzeichnen: Jungen werden zu größeren Anteilen verspätet eingeschult und besuchen zu geringeren Anteilen die Schule vorzeitig.
Beim Übergang von der Grundschule in den Sekundarbereich (Kapitel 6) wird eine Benachteiligung der Jungen deutlich: Diese müssen für eine Gymnasialempfehlung eine höhere Leistung erbringen als Mädchen. Dies führt zu einer ungerechten Verteilung der Mädchen und Jungen auf weiterführende Schulen. Jungen sind im Gymnasium unterrepräsentiert und in der Hauptschule überrepräsentiert. Hinzu kommt, dass sie zu deutlich höheren Anteilen  sogar ohne jeglichen Schulabschluss die Schule verlassen.
Differenzen im Primar- und im Sekundarbereich lassen sich durch aktuellste empirische Studien (IGLU, TIMSS und PISA) auch in den Leistungen feststellen: in der Kompetenz Lesen zugunsten der Mädchen und in den Kompetenzen Mathematik und Naturwissenschaften zugunsten der Jungen.

S. 19 / 20
Die deutlichsten Anzeichen einer zunehmenden Angleichung der Lebensverläufe von Frauen und Männern zeigen sich im Hinblick auf das Bildungsniveau. Frauen bzw. Mädchen gelten als die Gewinner der Bildungsexpansion der 1960er und 1970er Jahre (vgl. Blossfeld 1985; Henz/Maas 1995; Geißler 2002) und haben im Hinblick auf den Erwerb allgemeiner Bildungszertifikate zu den Männern aufgeschlossen bzw. diese in Teilen sogar überholt. Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht kann dementsprechendin Deutschland nicht mehr als zentrale Kategorie der Bildungsbenachteiligung angesehen werden.

Hervorhebungen von mir - B. K.
Noch ein Kommentar
Ich verstehe den ganzen Zirkus nicht - geht es bei der Bildung wirklich um "Gewinner" und "Verlierer"? Sollte nicht der eigentliche Schwerpunkt sein, bei allen Schülerinnen und Schülern danach zu fragen, ob sie schon optimale Lernbedingungen haben? Warum wird z. B. nicht analysiert, welche verheerenden Folgen für das schulische Ergebnis es hat, wenn Schüler mit Bussen zu weit entfernten Schulen gefahren werden, so daß z. B. der Eltern-Lehrer-Kontakt nur noch unter größerem Aufwand möglich ist, Freizeitgestaltung über kostenlose Arbeitsgemeinschaften an Schulen (Sport, Kunst, Musik, Naturwissenschaften, ...) nicht einmal angedacht werden kann.
Natürlich halte ich es für sinnvoll, geschlechtsspezifische Unterschiede genau zu analysieren, aber nur als eine Komponente von vielen, die Einfluß auf die Leistungen der Schüler und Schülerinnen haben.
Doch angesichts dieser einseitigen Betrachtung der Studie habe  ich den Eindruck, hier wird ein Scheingefecht auf Kosten der Mädchen und der Lehrer und Lehrerinnen geführt.
 
Einige weiterführende Gedanken zu diesem Problem habe ich auf der Seite "Jungen + Mädchen"  festgehalten.
3. Ein Beispiel : die Dissertation über Auswertungsmethoden für den Mathematik-Schulunterricht
Vorgeschichte
Beim Googlen nach dem "Syrakus-Problem" im Jahr 2004 stieß ich auf eine Dissertation aus dem Jahr 2002, die an der Universität Duisburg eingereicht worden war - eine rund 300 Seiten umfassende pdf-Datei.  Ihr Thema  erschreckte mich zutiefst:
Man verzeihe mir, daß ich die genauen Quellen-Angaben nicht veröffentliche.
Das Thema
Leistungsmessung
bei schriftlichen mathematischen Problemlösungen
in Abhängigkeit vom Bewertungsmodell
 
 
und ich begann entsetzt, darin zu lesen.
Soviel habe ich verstanden: mit der klassischen Bewertung, die zwar einfacher und weniger zeitaufwendig ist, läuft der Lehrer Gefahr, den Schüler falsch zu bewerten. Erst wenn er objektive Kriterien zu Rate ziehen kann, diese dann bepunkten kann und damit dem Schüler zeigen kann, daß seine Bewertung objektiv ist, ist den Anforderungen an eine Leistungsmessung bei Problemlösungen im 21. Jahrhundert Genüge getan.
Spaßeshalber möchte ich einen dieser Sätze hier wiedergeben:
 
Zitat 1
Die objektive Bewertung
Im Kapitel 3 ist herausgearbeitet worden, daß Verfahren zur Leistungsmessung von schriftlichen Problemlösungen zunächst sämtlichen Forderungen, welche für die Leistungsbewertung von schriftlichen Lösungen gewöhnlicher Standardaufgaben gelten, ebenfalls gerecht werden müssen. So muß die Bewertung einer Lösung ein objektives Ergebnis liefern welches auch der Schüler selbst verstehen kann. Sie muß Aufschluß über den Stand des Lernprozesses des Schülers geben d.h. seine Stärken und Schwächen deutlich erkennbar machen und sie muß eine Grundlage für die weitere Förderung des Schülers bilden. Schließlich müssen die Bewertungen entsprechender Lösungen mit einander vergleichbar sein.
 
 
Die "Bewertung des Gesamteindrucks" kam in dieser Dissertation sehr schlecht weg - diese hat zwar den Vorteil, nur einen geringen Arbeitsaufwand zu benötigen,  aber gewisse Erfahrungen muß die bewertende Person bei der Anwendung dieser Methode schon mitbringen:
 
Zitat 2
Die subjektive Bewertung
Bei dieser Methode wird zunächst die Schülerlösung zu einem Problem eingehend analysiert. Anschließend verläßt sich der Bewertende dann allein auf seinen persönlichen Gesamteindruck, um dieser Arbeit einen numerischen Wert zuzuweisen. Bei diesem Verfahren wird zu Beginn der Bewertung lediglich entschieden, wie hoch die zu vergebende Maximalpunktzahl sein soll, es werden aber überhaupt keine Kriterien festgelegt. Diese Methode ist sicherlich die einfachste aller Bewertungsmethoden, die nicht nur das Endergebnis sondern den gesamten Lösungsprozeß beurteilen. Denn im Gegensatz zu den beiden zuvor diskutierten Methoden werden hierbei weder Kriterien noch Bewertungsschemata erstellt oder verwendet. Der Bewertende verwendet nicht explizit festgelegte Kriterien die allein auf seiner subjektiven Sicht über die Komponenten des Problemlösens und eventuell auf der Erfahrung basieren, welche er bereits durch die Bewertung anderer Problemlösungen früher erworben hat.
 
Die Kompetenz des Lehrers
Wennalso einem Lehrer unterstellt wird, daß er diese subjektive Bewertungsmethode nicht anwenden kann, weil ihm die Erfahrung fehlt, wenn er dann eine "objektive" Bewertungsmethode nach vorgegebenen Kriterien lernen muß, dann muß doch auch jemand da sein, der kontrolliert, ob der Lehrer diese Kriterien und diese Bewertungsmethode richtig anwendet.
Wieviel Zeit benötig ein Lehrer, solche umfangreichen, arbeitsaufwendigen, genau vorgeschriebenen Beurteilungsmöglichkeiten zu lernen und anzuwenden? Wieviel Zeit bleibt ihm dann noch für das Vermitteln von Wissen und für das Erkennen der individuellen Fähigkeiten und Schwächen der Schüler? Denn mit der Beurteilung einer einzelnen, isolierten Problemlösung nach "objektiven Kriterien" ist doch wohl das Potential des Schülers noch lange nicht erkannt, oder?
 
Meine subjektive, weibliche Sicht
Den "Gesamteindruck" der Leistung eines Schülers subjektiv zu bewerten, das heißt für mich, nicht nur das Papier zu sehen, auf dem der Schüler - ggf. unter  Streß und ggf. sogar, ohne die Fragestellung richtig erfaßt zu haben - aufgeschrieben hat, was ihm zu dem Thema einfällt. Auf dem Papier ist nicht festgehalten - und für die Beurteilung  in der Diktion dieser Dissertation auch nicht verwertbar - das, was der Lehrer aus dem Unterricht, aus früheren Aufgabenstellungen und deren Lösungsversuchen vom Schüler weiß, die Anstrengungen des Schülers, seine Entwicklung über einen längeren Zeitraum usw.
Es wird lediglich eine "atomisierte Bewertung" über ein Einzelereignis abgegeben. Der Lernprozeß als Ganzes in einem längeren Zeitraum wird dabei ganz aus den Augen verloren.

"Gesamteindruck"  - darunter verstehe ich so etwas wie "ganzheitliche Sicht" auf den Schüler, eine typisch weibliche Sichtweise.
Für mich ist das, was da in der Dissertation beschrieben wurde, ein Horror für Schüler und Lehrer! Ganz subjektiv beurteilt!
 
PS: Die Sisyphusarbeit - oder Arbeitsbeschaffungsmaßnahme? - ein kritischer Kommentar
Der Fluch der Götter
Eine Sisyphusarbeit ist laut Duden-Fremdwörterbuch eine "sinnlose Anstrengung, vergebliche, nie ans Ziel führende Arbeit". Sieht man auf die langen Jahre, in denen Analysen immer wieder  gleiche oder ähnliche Probleme mit dem Unterricht in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern feststellten, ohne daß sich auch nur ansatzweise etwas verbessert hätte, könnte man meinen, hier liege eine solche Sisyphusarbeit vor:
Alle Anstrengungen sind vergeblich, die Probleme sind nicht lösbar. Sie sind sozusagen "höhere Gewalt", vielleicht ein Fluch der Götter.
 
perpetuum mobile ?
Doch angesichts der Masse der Analysen, der Vielzahl der Arbeitsstellen, die vom Staat, von Stiftungen oder Unternehmen finanziert werden, halte ich diese ganze Sache für eine einzige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme im akademischen Bereich:
Ähnlich wie die sinnlosen Fortbildungsmaßnahmen der Arbeitslosen eine sehr erfolgreiche Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für diverse Lehrkräfte waren und sind, wird auch hier Aufwand abgerechnet: Wir haben ja soo viel getan, wir haben uns ja sooo große Mühe gegeben - aber leider war bisher alles vergeblich.

Die Analysetätigkeit (die Rolle des Beobachters) ist zum "Selbstläufer" geworden, zum "Perpetuum mobile", das genau so viel Energie produziert, daß es nicht zum Stillstand kommt.
Und so weiter bis in alle Ewigkeit?
mehr über einzelne solcher Sisyphusse bzw. Beobachter   gibt es in Jungen + Mädchen
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