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01. 07. 2009
Grundfragen der Physik,
neu gestellt und beantwortet von einer Frau
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Struktur Atommodell Mathematik
weibl. Philosophie
 
 



"weibliche" Philosophie
als Erweiterung der alten, "männergemachten" Philosophie

Nein, es war nicht die "Sophia", die mich inspirierte, dieses Kapitel in das Thema  "Wissenschaftstheorie" aufzunehmen: es war  die Physikerinnentagung 2007, speziell der Beitrag von Herrn Professor Heinz-Jürgen Schmidt   "Philosophie für Physikerinnen"   (siehe auch DPT 2007).   Warum wohl - so meine Frage, die bei diesem Vortrag auftauchte - will Prof. Schmidt die jungen Physikerinnen vor der Beschäftigung mit der Philosophie warnen? Warum meint er (bzw. zitiert er  jemanden, der meinte), daß Philosophie für Physiker das sei, was die Ornithologie für den Vogel sei? Ist er wirklich besorgt um die Erkenntnisentwicklung der jungen Frauen, will er schlimmes verhüten - oder ist in seinen Augen das Interesse der Physikerinnen für Philosophie etwa gefährlich für etwas ganz anderes - für die heute so   einseitig "männlich- gelehrte" Physik?

Eine Erkenntnis, die ich aus seinem Vortrag auch mitnahm, war die Bestätigung meiner Gegenüberstellung der Selbstdefinition der heutigen "männlichen" Physik über mathematische Methode und der   von mir unter "weiblicher" Physik zusammengefaßten Vorstellungen von Physik, in der die "Philosophie als wichtigste Methode der Betrachtung physikalischer Prozesse" bezeichnet wird (siehe Denkprinzipien).

In der Geschichte  der Physik gibt es einige Frauen und auch Nobelpreisträgerinnen, die Einfluß auf die Entwicklung der Physik genommen haben und in der Physikgeschichte auch erwähnt werden. Es wird schwierig, in der heutigen offiziellen Philosophie-Geschichtsschreibung eine Frau zu finden, die auch nur einen einzigen grundlegenden Gedanken in die Inhalte der Philosophie eingebracht hat. Nach dem Selbstbekenntnis von Philosophen und Philosophiegeschichtschreibern ist Philosophie eine Leistung "großer Männer", spiegelt die Gedanken  ausschließlich der Männer. Das impliziert, daß Philosophie keine oder kaum Frauen-Sache ist.

Haben Frauen wirklich kein Philosophie-Verständnis? Oder - so könnte man versucht sein zu schlußfolgern - ist Philosophie in noch weit stärkerem Maße als die Physik eine "Männerdomaine", zu der der Zugang für Frauen noch wesentlich schwieriger ist als zur Physik? Oder wird hier wieder einmal verschwiegen, was unbequem ist? 

Das wäre also die erste  hier zu stellende Frage:
Gibt es geistige Leistungen von Frauen, die in der heutigen offiziellen Philosophie-Geschichtsschreibung ignoriert werden?


Prof. Schmidt   bestätigte mir, daß die Abgrenzung von Philosophie und Physik heute ein Ausmaß erreicht zu haben scheint, wie es  bereits zwischen Wissenschaft und Theologie  bekannt ist und für das es nur ein  Wort gibt:
Feindschaft:
Keiner darf das Territorium des anderen betreten, sonst "Gnade ihm Gott".

Doch Physikerinnen  haben  trotzdem wohl ein zu großes Interesse an Philosophie, dem muß  man begegnen. Anders kann ich seinen Vortrag nicht interpretieren.

Die zweite Frage muß deshalb so gestellt werden:
Welche  objektiven Gründe gibt es für die Feindschaft zwischen Physik und Philosophie und gibt es Möglichkeiten, diese  Feindschaft zu überwinden?

Die dritte Frage befaßt sich schließlich damit, wie aus weiblicher Sicht Antwort auf philosophische Fragen gegeben werden kann und welche Erkenntnisse sich daraus für die Physik ableiten lassen.

Diese drei Fragen umreißen den von mir für dieses Thema geplanten Inhalt. Schon jetzt kann ich das Ergebnis vorwegehmen:

Die Zusammenfasssung und die Schlußfolgerungen, die sich aus der Beantwortung dieser drei Fragen ergeben, sind:
1. Eine "weibliche" Physik muß über die jetzige Mathematisierung der Physik und  ihre Abgrenzung gegen die Philosophie hinausgehen: sie beinhaltetet wesentlich eine philosophische Interpretation physikalischer Phänomene. D. h. für Physikerinnen ist es - so hoffe ich zumindest - daher besonders interessant, sich auf die Spuren von Frauen auch in der Philosophiegeschichte zu machen.
2. Es ist die Aufgabe der Frauen in Physik und Philosophie, diese von Männern verursachte Teilung wieder aufzuheben.   Das ist keine politische, sondern eine inhaltliche und methodische Herausforderung an das Denken der Physikerinnen und Philosophinnen.
3. Das Ziel, das philosophische Wissen insgesamt, insbesondere aber das Wissen der Frauen stärker in der Physik zu berücksichtigen,  kann vermutlich nur durch eine entsprechende Integration auch in die Lehrpläne der Universitäten  realisiert werden.

Diese drei Aufgaben lassen sich zusammenfassen unter der Überschrift:
Die Einheit von Naturwissenschaft(en) und Geisteswissenschaften.

Allgemeine Gedanken zu diesem Schwerpunkt habe ich im Mai 2009 in der letzten Ausgabe der Zeitschrift "Koryphäe" in einen Artikel veröffentlichen können. Der Text ist zu finden auf der Seite Zukunft hier im Haupt-Thema "Wissenschafts-Theorie":

Wer sich für Philosophinnen in Geschichte und Gegenwart interessiert, dem kann ich noch folgendes empfehlen:
Die verschwiegenen Philosophinnen   
nur ein paar Beispiele
Die folgenden Notizen sind lediglich Beispiele. Damit ist keine Wertung verbunden, daß ich diese Bücher oder Webseiten für besser als andere halte. Sie sind mir lediglich bekannt und ich erwähne sie hier nur, um  überhaupt auf Frauen in der Philosophiegeschichte  aufmerksam zu machen.
 
im WEB
www.philosophinnen.de
Auf dieser Website werden  u. a. mehr als hundert Namen von Philosophinnen aus der Geschichte genannt, teilweise nur im kurzen Überblick, teilweise mit ausführlicheren Informationen zu Leben und Arbeiten.

www.philosophischersalon.de

www.annettte-schlemm.de
Annette Schlemm, Physikerin, die philosophiert, seit sie denken kann:
siehe auch hier auf
dieser Website:
Schlemm, A.    
     
ein altes Buch aus dem 18. Jh.
Das unterlegene Geschlecht
eingeleitet und herausgegeben von Ursula I. Meyer
übersetzt von Petra Altschuh-Riederer
Der hier erstmalig in deutscher Übersetzung vorliegende Text
„Woman not inferior to Man“
stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die Identität der Autorin ist bis heute ungeklärt. Sie selbst nannte sich Sophia, a Person of Quality. Doch der Name der Autorin ist auch gar nicht so entscheidend, wichtig ist, wofür sie kämpfte: für die Anerkennung der Frauen als Geschlecht, das den Männer an Macht, Ehre und Ansehen gleichgestellt sein sollte.
254 Seiten
ein FACH Verlag
17,80 € [D] 30,40 SFr
ISBN 978-3-928089-42-5
Das Buch habe ich nicht selbst gelesen. Ich halte es durchaus für denkbar, daß die Herkunft erfunden ist und es doch ein ganz modernes Buch ist.
in Tabula Rasa, Nr. 15 wird empfohlen:
"Die Philosophinnen"
(2  Bände)
Das wurde wahrlich einmal Zeit! Marit Rullmann zeichnet in ihrem ersten Philosophinnenband über 40 literarische Portraits, der zweite enthält 38 Lebensbilder wissenschaftsphilosophisch wirkender Frauen. Bisher veröffentlichte Werke zur Philosophiegeschichte oder auch philosophische Lexika weisen volitiv entweder gar nicht oder aber nur spärlich hin auf die wissenschaftlichen Arbeiten und Leistungen weiblicher Philosophen - dies gilt bezeichnenderweise für nahezu jeglichen Beitrag von Frauen zur Philosophie seit der Antike. "Die Philosophinnen" wirken als Korrektiv zu dem somit leicht entstehbaren Eindruck, weibliches Philosophieren gäbe es erst seit diesem Jahrhundert, seit sich etwa Hannah Arendt oder Simone de Beauvoir Gehör verschafften.
Marit Rullmann macht es sich zur Aufgabe, den "verschwiegenen Anteil der Frauen am philosophischen Geschäft" aufzuzeigen. Die "vergessenen" Leistungen der Philosophinnen, das entsprechend eindimensionale Bild, das lediglich männliches Wirken in Philosophie, Politik und Wissenschaft innerhalb der Philosophiegeschichte reflektiert, gilt es nicht nur zu kompensieren. Vielmehr erarbeitet das Werk eine spezifisch feministische Philosophie mit der Zielsetzung, beide Geschlechter zu thematisieren. Das Verhältnis der Geschlechter wird zur vorrangigen Frageperspektive der philosophischen Forschung erhoben. Die Philosophinnen amendieren ein zur Polemik tendierendes Verständnis, das Forschen nach einer letzten, umfassenden Klarheit und Wahrheit sei a priori männlich. Die Suche nach Antworten auf philosophischem Terrain wird von jeher von Männern und Frauen gleichermaßen bestritten - wobei allerdings stets mitbedacht werden muß, daß die Entfaltungsmöglichkeiten von Frauen aufgrund der ihr zugedachten Stellung und ihres damit verbundenen Alltags erheblich eingeschränkt waren. "Die Philosophinnen" beenden den gravierenden Ausschluß von Frauen aus der philosophischen Reflexion, längst überkommene, fossile Universalitätsansprüche werden mehr als nur in Frage gestellt und somit die seit Begründung der wissenschaftlichen Philosophie durch Aristoteles systematisierten Axiome revidiert.
siehe www.tabvlarasa.de

Hervorhebungen im Text von mir - B. K.
 
Vertreten sind abendländische Philosophinnen unterschiedlicher Herkunftsländer und verschiedener philosophischer Richtungen. Eingang gefunden haben in das Werk auch solche Denkerinnen, die nicht in erster Linie Philosophinnen waren, sondern z. B. Ärztin wie Dorothea Erxleben oder Physikerin wie Mme du Châtelet oder Laura Bassi. Darüber hinaus werden Denkerinnen vorgestellt, deren Arbeit bisher wenig erforscht ist oder deren wissenschaftlicher Beitrag im philosophischen Diskurs als nicht unumstritten gilt (so etwa Margaret Cavendish oder Cassandra Fedele). Der soziokulturelle Hintergrund der jeweiligen Philosophinnenkarriere wird beleuchtet; eine Einbettung in den historisch situativen Kontext erfolgt mittels knapp gehaltener, dennoch unterhaltsam informativ gestalteter Einleitungskapitel, die dem Rezipienten den thematischen Zugang in Form eines kurzen philosophiegeschichtlichen Wegweisers erleichtern. Die jeweils spezifische Situation der weiblichen Philosophen wird in diesen Eingangskapiteln erörtert. "Die Philosophinnen" bieten dem Leser Sichtweisen an, die nicht grundsätzlich konform gehen mit historischen Traditionen. Die Epoche der Aufklärung bedeutete einen nicht zu leugnenden Fortschritt - für den männlichen Bevölkerungsteil, de facto einen Rückschritt für den weiblichen. Dagegen erfährt man, dass ein Frauenleben im (frühen) Mittelalter mit weitaus mehr Rechten ausgestattet war, als bisher gemeinhin angenommen.
Mit den Philosophinnen liegt endlich ein Werk vor, das weiblichen Denkerinnen einen Platz in der philosophischen Wissenschaftsgeschichte zuteil werden lässt und ihre Kongenialität nicht länger zu vertuschen sucht. Allerdings kann man sich des leisen Verdachts nicht vollends erwehren, Quantität könne ein mögliches Auswahlkriterium dargestellt haben. Insgesamt wäre vertiefende Information innerhalb einzelner Lebensbilder wünschenswert.
Dennoch: Die Philosophinnen verkörpern eine in der Tat interessante Einführungslektüre in Werk und Wirkung philosophisch tätiger Frauen in einer leicht verständlichen, lebendigen wie anschaulichen Darstellungsform. Philosophiegeschichtliche Orientierungskapitel und Philosophinnenportraits werden ergänzt durch ein verständnisförderndes Glossar und ein nach Epochen gegliedertes Literaturverzeichnis. Die Lektüre lohnt sich (nicht nur) für philosophisch Interessierte und bietet hoffentlich neben einigem Dissens- auch anregenden Diskussionsstoff.
Marit Rullmann (Hg.): Philosophinnen.
2 Bde.
Suhrkamp Taschenbuch 2877 / 2878. Erste Auflage 1998
Bd. 1: Von der Antike bis zur Aufklärung
Bd. 2: Von der Romantik bis zur Moderne
(jeweils 19,80 DM)
Miriam-Maleika Müller
 
Ein Mann über den Unterschied der Denkweise von Mann und Frau  - ein Goethe-Zitat
 
 Eduard: ».... Nun danke ich dir, daß du mich freundlich angehört hast; jetzt sprich aber auch recht frei und umständlich und sage mir alles, was du zu sagen hast; ich will dich nicht unterbrechen.«
»Recht gut,« versetzte Charlotte; »so will ich gleich mit einer allgemeinen Bemerkung anfangen. Die Männer denken mehr auf das Einzelne, auf das Gegenwärtige, und das mit Recht, weil sie zu tun, zu wirken berufen sind, die Weiber hingegen mehr auf das, was im Leben zusammenhängt, und das mit gleichem Rechte, weil ihr Schicksal, das Schicksal ihrer Familien an diesen Zusammenhang geknüpft ist und auch gerade dieses Zusammenhängende von ihnen gefordert wird. ...«
aus: Die Wahlverwandschaften
in: Digitale Bibliothek Sonderband: Meisterwerke deutscher Dichter und Denker, S. 11698 (vgl. Goethe-HA Bd. 6, S. 245 ff.)
Hervorhebungen von mir - B. K.
Kommentar
"Ding und Beziehung"
Diese  beiden möglichen Denkweisen - die Betonung der einen oder der anderen Seite - gehören zusammen. Wenn die eine bei Männern bevorzugt wird, die andere bei Frauen, spricht das nicht gegen die eine oder andere Denkweise, sondern dafür, wie wichtig es ist, beide zusammen zu führen zum gegenseitigen Vorteil und Nutzen.
 
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