Wenn allgemein anerkannt ist, daß das Denken von Männern und Frauen nicht nur Gemeinsamkeiten hat, sondern auch signifikante Unterschiede zeigt, dann ist die Frage, ob und wie sich diese Unterschiede in der Wissenschaft zeigen, legitim.
Zuerst sei auf
die Gemeinsamkeiten im Denken beider Geschlechter verwiesen, die gern vergessen werden. Doch ohne sie zu kennen, wird es schwierig, die Unterschiede sichtbar zu machen:
oft sind es nur Nuancen innerhalb einer umfassenderen Gemeinsamkeit, in denen sich männliches und weibliches Denken wirklich unterscheidet. Es geht mir im Rahmen dieses Themas auch nicht um die so berühmten Unterschiede in Alltags-Fragen wie die, ob Männer nicht zuhören und Frauen nicht rückwärts einparken können. Ich will
das wissenschaftliche Denken dahingehend untersuchen,
inwieweit sich in ihnen männliche oder weibliche Denkstrukturen erkennen lassen.
Das Problem, das ich bei meiner Analyse herausfand, liegt eigentlich auf einer ganz anderen Ebene als ich zuerst vermutete: Die oft mit den Begriffen "männlich" und "weiblich" unterschiedenen Denkmethoden treten im realen Leben sowohl bei Männer als auch bei Frauen auf! Aus dieser "falschen Einteilung" ergeben sich diverse Mißverständnisse und Vorurteile. Deshalb setze ich diese üblich gewordenen Begriffe, wenn es um das wissenschaftliche Denken geht, in Anführungsstriche:
Im Rahmen meiner Analyse der Denkmethoden in der Physik soll es auch darum gehen, ob und
welchen Einfluß diese sogenannten "männlichen" und "weiblichen" Denkmethoden auf inhaltliche Fragen, Theorien, Denkansätze haben.
Zur besseren Veranschaulichung spreche ich daher statt von männlichen und weiblichen "Denkstrukturen" bzw. "Denkmethoden" lieber von
zwei Denkprinzipien, denen ich die zwei Symbole "Stein" und "Wasser" zuordne.
Was darunter zu verstehen ist, habe ich auf der Seite "
Denkprinzipien" gegenübergestellt.
Anhand dieses Vergleiches wird hoffentlich besser deutlich, daß hier weniger geschlechtsspezifische Denk-Unterschiede gemeint sind als vielmehr historisch gewachsene Begrifflichkeiten hineinspielen.
Der Physikerinnentagung 2007 und der Diskussion zu meinem Vortrag verdanke ich übrigens ganz wesentliche Erkenntnisse darüber, wie kompliziert es ist, diese einfache formale Gegenüberstellung überhaupt zur Diskussion zu stellen.
Es zeigte sich in der Vorbereitung der Texte, daß immer wieder neue Fragen auftraten, neues Wissen einbezogen werden wollte, ständig neue Anregungen ein weiteres Nachdenken erforderlich machten. Daher sind die jetzt ins Netz gestellten Texte
ein erstes Diskussionsangebot, das in einem längeren Zeitraum weiter ergänzt und strukturiert werden muß.