www.eine-weibliche-physik.de -   Startseite   »  Wiss.-Theorie » Erkenntnis-Theorie » Objektivität
07. 10. 2009
Grundfragen der Physik,
neu gestellt und beantwortet von einer Frau
Startseite Inhalt Neues Fremdtexte Kinder-Spiel Wittenberg
Struktur Atommodell Mathematik
Objektivität
 

Objektivität der Wissenschaft
zwischen Selbstverständnis und Wirklichkeit

In meinen Überlegungen zu einer "männlichen" oder "weiblichen" Sicht auf Wissenschaft stieß ich auch auf das altbekannte "Wissen ist Macht" von Francis Bacon.  Dem stelle ich daher gern eine andere Sicht auf das, was Wissen sein kann, gegenüber: Wissen ist Beziehung.
Dort, wo Wissen(schaft) auch als Teil zwischenmenschlicher Beziehungen (Austausch, gegenseitige Bereicherung des Erkenntnisstandes) gesehen wird, verliert der "Objektivitätsanspruch" an Bedeutung, da es leichter fällt, sich durch Erkenntnisse anderer auch dann bereichert zu fühlen, wenn sie dem eigenen Wissen scheinbar zuwiderlaufen. Gegnerschaften, Machtkämpfe zwischen Wissenschaftlern sind aus dieser Position heraus nicht mehr nötig bzw. nicht mehr sinnvoll.  Wenn es mir um Erweiterung meines Wissens geht, muß ich bei Aufgabe meiner bisherigen Erkenntis zugunsten einer besseren nicht mehr das Gefühl einer Niederlage haben. Im Gegenteil werde ich diese neue Erkenntnis als persönliche Bereicherung, als Erweiterung meines Horizonts erleben.
Doch ich glaube, ehe wir in der Wissenschaft so weit sind, ist noch ein langer Weg zu gehen.

Dieses Thema möchte ich verknüpfen mit der Frage nach dem Wesen des Wissens bzw. der Wissenschaft und stelle dazu zwei Behauptungen gegenüber:
         Wissen ist Macht !
oder  
         Wissen ist Beziehung ?

Diese ersten Gedanken rund um die Objektivität der Wissenschaft stelle ich hiermit zur Diskussion:
Ist sie eher Selbstverständnis und Postulat oder ist sie eine Forderung an die Wissenschaft? 
Wie kann eine "objektive" Wissenschaft von Frauen in Frage gestellt werden - ist das nicht ein Widerspruch in sich?

  1. Läßt die "Objektivität der Wissenschaft" ein " weibliches Wissenschaftsverständnis" zu?
  2. Ein Beispiel für weibliches Wissenschaftsverständnis in der Geschichtswissenschaft:
die Matriarchatsforschung - ein "Geschlechterkrieg" in der Wissenschaft ?
3. Was meint "Objektivität"  überhaupt?
1. Läßt die "Objektivität der Wissenschaft" ein " weibliches Wissenschaftsverständnis" zu?  
 
Unter "Objektivität der Wissenschaft" wird im allgemeinen verstanden, daß die wissenschaftlichen Erkenntnisse unabhängig von subjektiven Besonderheiten wie Geschlecht, Alter, Kulturkreis, Sprache, Traditionen usw. sind.
In diesem Sinne betont ein "weibliches Wissenschaftsverständnis" eine subjektive Besonderheit und steht somit im Widerspruch zur Aussage von der Objektivität der Wissenschaft.   Damit hat nach bisherigem Wissenschaftsverständnis  ein "weibliches Wissenschaftsverständnis" keine wissenschaftliche Basis, keinen Objektivitätsanspruch, keine wissenschaftliche Daseinsberechtigung, ist aus wissenschaftlicher Sicht als "unwissenschaftliche" Polemik oder was auch immer abzulehnen.
 
 
Bisherige - fast nur von Männern gemachte - Wissenschaft gilt ganz allgemein als "objektiv". Die dekretartige Gleichsetzung des in ihr festgeschriebenen "männlich"-einseitigen Denkens mit objektivem  Denken wird nicht  mehr zur Kenntnis genommen.
 
 
Es ist zu befürchten, daß   ein "weibliches Wissenschaftsverständnis", wie  ich es auf dieser Seite vorstellen möchte,   kein Gehör unter Männern finden wird.
Auf dieser Basis - der Gegenüberstellung von Objektivität und weiblicher Sicht - wird es also nicht möglich sein, eine Antwort auf obige Frage zu finden:
Läßt die "Objektivität der Wissenschaft" ein "weibliches Wissenschaftsverständnis" zu?
 
 
Deshalb  gibt es nur einen Weg, diese Frage wissenschaftlich zu beantworten:
Man muß anhand der konkreten Aussagen, die im Rahmen des behaupteten weiblichen Wissenschaftsverständnisses gemacht werden, überprüfen, inwieweit diese Aussagen wissenschaftlich und objektiv sind.

Nur wenn darin ein faktischer oder  ein Denkfehler  zu finden ist, können diese  Darstellungen als "falsch" bzw. "subjektiv" abgelehnt werden. Ansonsten haben sie den gleichen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit wie andere Aussagen auch.
 
 
Anders gesagt: stellen sich   bestimmte Erkenntnisse, wie ich sie auf dieser Website darlege, als wahr, richtig, sachlich und brauchbar heraus,  können sie durchaus als Bereicherung, Ergänzung und Erweiterung bisherigen Wissenschaftsverständnisses aufgefaßt werden und müssen dementsprechend in das wissenschaftstheoretische Grundverständnis aufgenommen werden.  Das gilt auch und gerade dann, wenn sie mit dem herkömmlichen Denkansatz bzw. der herkömmlichen Denkmethode nicht nachvollziehbar sind.
 
2. Geschichtswissenschaft und Matriarchatsforschung  - ein "Geschlechterkrieg" in der Wissenschaft?  
Wie Männer sich weigern, weibliches Wissen zur Kenntnis zu nehmen
In keinem Wissenschaftszweig ist der Kampf zwischen "männlichem" und "weiblichem" Denken so anschaulich zu beobachten wie  in der Geschichtswissenschaft.
Nirgends weigern sich männliche Wissenschaftler so sehr wie auf diesem Gebiet, die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Frauen, die nicht in ihr männliches Denk-Schema passen, zur Kenntnis zu nehmen. Mehr noch, Frauen, die versuchen, ihre Erkenntnisse öffentlich zu machen, werden von ihnen angegriffen oder totgeschwiegen.  Auch hier kann ich nur ein Beispiel für viele nennen:
 
Persönliche Anfeindungen gegen weibliche Wissenschaftler
Heide Göttner-Abendroth, die bekannteste deutsche Matriarchatsforscherin, hat selbst mehrfach bekannt, persönlichen Anfeindungen   aufgrund ihrer wissenschaftlichen Arbeit ausgesetzt gewesen zu sein. Im Jahr 2003 hat sie daher ein Buch herausgegeben, das das Werk einer AutorInnengemeinschaft ist:

         „Die Diskriminierung der Matriarchatsforschung”
          Verlag edition amalia, Bern

In der Erklärung zu diesem Buch heißt es auf ihrer Website:
siehe:
www.goettner-abendroth.de
Die Abwertung weiblichen Wissens in der Wissenschaft
 Die AutorInnen benennen „die Einwände, die gegen die Matriarchatsforschung erhoben werden, und analysieren sie kritisch. Dabei wird sichtbar, dass die "Argumente" der Gegnerschaft höchst unwissenschaftlich vorgetragen werden und inhaltlich keine Substanz haben. Es wird deutlich, dass es nicht um eine sachliche Diskussion, sondern um Abwertung, Diffamierung und Denunziation dieses neuen Wissensgebietes geht. Dabei wird eine Atmosphäre von Hass, Zynismus und Gewaltbereitschaft gegen die MatriarchatsforscherInnen erzeugt. Das Buch versteht sich als die längst fällige Aufklärung dieser allgemeinen Vorgänge.”
 
 
HGA gibt eine Begründung, warum das Wissen um Matriarchate ignoriert wird:
 
 
Das Thema Matriarchat ist in der „auch heute noch patriarchalen Kultur tabu. Denn es greift die herrschenden Grundvorstellungen, Bilder, Denk- und Lebensgewohnheiten grundlegend an.“
siehe S. 12 in
"Für die Musen" - siehe unten
 
Einem sachlichen Wissenschaftler, der Wissenschaft objektiv und unvoreingenommen betreiben möchte, sollten solche Vorwürfe zu denken geben. Zumindest seien diese Fragen gestattet:
Gibt es also Versuche von Frauen, sich in der Wissenschaftsszene (auch wenn es „nur” die historischen Wissenschaften betrifft) zu äußeren, die von Männern bekämpft werden? Was sind die Ursachen? Denken diese Frauen „falsch”, wenn sie eine andere Sicht auf Geschichte haben als viele Männer? Oder wird hier ein Vorurteil von Männern gegenüber Frauen als Wissenschaftler deutlich? Betrifft diese Haltung männlicher Wissenschaftler gegenüber weiblichen Wissenschaftlern nur die Geschichtswissenschaft oder ist sie in anderen Wissenschaftsgebieten auch zu finden? Oder ist Geschichte vielleicht ein ungeeignetes Beispiel, weil diese Wissenschaft nicht ganz so „objektiv” ist wie die Physik und die Mathematik?

Ich formuliere das Problem wieder als Frage:
Gibt es eine geistige Vorherrschaft von Männern in der (Geschichts-) Wissenschaft, die weibliches Wissenschafts-Verständnis unterdrückt hat - oder ist das nur eine Behauptung von Frauen?
 
PS
Immer, wenn ich - egal ob bei Menschen oder im Tierreich - höre, daß da ein männliches   Lebewesen einen Harem "besitzt", denke ich, daß es aus Sicht evolutionsbiologischer Vorteile sinnvoller ist, davon zu sprechen, daß sich in diesem Fall mehrere Weibchen ein geeignetes Männchen teilen. Die bestgeeigneten Gene der Männerwelt  von mehreren Weibchen zu nutzen, das scheint doch sinnvoll zu sein. In diesem Sinne ist die menschliche Monogamie als (historisch-theoretisches) Konstrukt eigentlich wenig vorteilhaft.
3. Was meint "Objektivität" überhaupt?  
Sprachanalyse
Was meint das Wort "Objektivität" überhaupt?
Mit dem Wort "Objektivität" wird in der Wissenschaft und außerhalb der Wissenschaft wohl mehr Schindluder getrieben, als man es sich vorstellen kann.
"Du bist nicht objektiv!"   ist z. B. ein Vorwurf einer Seite in einem Streit. Damit will man gleichzeitig für sich selbst in Anspruch nehmen, "objektiv" zu sein.  Wer einem anderen das vorwirft, handelt oft nach der Methode "Haltet den Dieb."
"Objektiv" zu sein, meint gelegentlich auch, "unparteiisch" zu sein.  Doch sind beide Worte - "objektiv" und "parteiisch" - wirklich gegensätzlich? Wenn ich sehe, daß ein Mann seine Frau schlägt und sage das wahrheitsgemäß als Zeuge  vor  Gericht aus, dann  unterstütze ich die Partei der Frau. Wenn ich die Partei des Mannes unterstützen wollte, müßte ich jedoch lügen. Auch die Wahrheit kann "parteiisch" sein in dem Sinne, daß sie einer Partei nützt und der anderen schadet.

Das Wort "objektiv" beruht auf der Tatsache, daß wir unsere Erkenntnis als erkennendes Subjekt wesentlich aus der Gegenüberstellung  zu einem erkennenbaren Objekt gewinnen. Da jedes Subjekt sehr subjekiv erkennt, gibt es in den Erkenntnissen logischerweise Unterschiede: das müssen nicht einmal Gegensätze sein, schon die Wertung oder Wichtung, die Interpretation einzelner Elemente oder Seiten eines Objektes kann aus Sicht verschiedener Subjekte unterschiedlich sein. Deshalb hat es sich eingebürgert, nur die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Subjekte in ihrer Erkenntnis als "objektiv" zu bezeichnen.  Eng verknüpft mit dieser Reduzierung der  Erkenntnis auf das Übereinstimmende ist die  wissenschaftliche Forderung nach "Wiederholbarkeit", auf die ich an anderer Stelle noch zu sprechen komme.
Solche Vorwürfe können auch in dieser Form auftauchen:
"Du bist subjektiv."
"Du gehst mir Vorurteilen an die Sache." 
"Du bist nicht "sachlich."
Subjektlosigkeit
Bisher geht Wissenschaftsverständnis  davon aus, alle subjektiven Besonderheiten auszuklammern und das allen Subjekten Gemeinsame herauszufinden. In diesem Sinne ist eine Erkenntnis "objektiv", wenn diese von allen gleichermaßen als "wahr" anerkannt wird.
Wie es praktisch damit aussieht, dafür bietet z. B. der Streit zwischen Einsteinanhängern und Einsteinkritikern ein beredtes Beispiel.

Objektivität ist also eher eine Frage der "Vereinbarkeit", der Absprache unter Wissenschaftlern, die das Sagen haben: sie bestimmen, welche Erkenntnisse als  objektiv zu gelten haben.
Damit wird der Begriff selbst zu einer subjektiven Frage, einer Frage, die dem subjektiven Ermessen unterworfen ist.
 
Ein Beispiel
Zugegebenermaßen ist das folgende Beispiel sehr, sehr einfach gewählt:
Wenn ich einen Würfel habe, der auf jeder Seite eine andere Farbe oder ein andere Kennzeichen hat, wird jeder der Beobachter eine andere Aussage darüber machen. Jeder wird überzeugt sein, daß seine Sicht "richtig" und die der anderen "falsch" ist.
Wenn sich alle jedoch einigen, daß "jeder recht hat" und sie dann beginnen, sich zu fragen, warum es zu so unterschiedlichen "subjektiven" Auffassungen kommt, haben sie die Chance, das Wesen des Würfels zu erfassen: seine "Vielseitigkeit" in doppelter Bedeutung.
 
Standpunkte vergleichen
Allgemein gesprochen  bringt ein Streit über verschiedene Sichtweisen die  Erkenntnis nicht voran, nur ein Vergleich der verschiedenen Standpunkte: was kann mir die Sicht des anderen an Erweiterung meines eigenen Wissens bringen?
Das ist eine "typisch weibliche" Art und  Weise, mit anderen Meinungen, Auffassungen, Erkenntnissen umzugehen: sie nicht als Bedrohung des eigenen Wissens ("Wissen ist Macht") zu nehmen, sondern als Bereicherung.
Wenn ich meines Wissens sicher bin, kann es mir durch anderes Wissen nicht bedroht und nicht weggenommen werden.
Auch die Erkenntnis, daß die Erde eine Kugel und keine Scheibe ist, hat die alte Sicht nicht wirklich "bedroht" (die Erde ist ja damit nicht verschwunden), nur den Horizont erweitert.
Objektivitäts-Anspruch ...
 ...  oder  Forderung nach  Objektivität?
Es gibt viele Wissenschaftler und Nichtwissenschaftler, die meinen, weil etwas im Namen der Wissenschaft gesagt wird, sei damit automatisch gesichert, daß das auch "objektiv" sei.

 Viele erheben für sich diesen Objektivitätsanspruch - und sind dann wütend, wenn andere ihre Objektivität in Zweifel ziehen. Jedoch ist logisch einsehbar, daß ein Beweis für Objektivität nicht automatisch aus der Tatsache gewonnen werden, daß ein Wissenschaftler eine Aussage macht oder ein Forschungsergebnis verkündet.

Die andere Seite, die mir aufgefallen ist, ist diese Wut (!), diese Emotionalität, mit der dieser Objektivitätsanspruch verteidigt wird.  Oder hat das damit zu tun, daß sie in ihrem Innersten wissen,  wie es mit ihrem Anspruch bestellt ist?

Nein, die Sache mit der Objektivität der Wissenschaft muß aus ganz anderer Richtung betrachtet werden:
Jeder Wissenschaftler ist verpflichtet, seine Arbeiten nach strengen, objektiven Maßstäben auszurichten und jeden subjektiven bzw. außerwissenschaftlichen Einfluß auf seine Ergebnisse auszuschalten.
Objektivität ist kein Automatismus, sondern eine Forderung an die Wissenschaft. Mit anderen Worten: ehe man eine Arbeit, ein Meßergebnis, eine Theorie überhaupt in die Kategorie "Wissenschaft" einordnen kann, muß diese überprüft werden auf ihre Objektivität!
Der Objektiväts-Anspruch ist vergleichbar mit folgendem Beispiel: Ein Mönch ist ein Mensch, der sich sexueller Vergnügungen mit anderen enthält.   Die Tatsache, daß jemand ein Mönch ist, ist jedoch kein Beweis  dafür. Andersherum wird es exakter: Ein Mönch ist ein Mensch, von dem gefordert wird, zölibatär zu leben.
objektiver Wissenschaftler
Wann ist ein Wissenschaftler objektiv?

Es geht hierbei überhaupt nicht um solche "Wissenschaftler", die ihre Ergebnisse für Geld manipulieren. Das ist ein politisches bzw. moralisches Problem, kein wissenschaftliches. Es geht  hier nur um  die wissenschaftliche Fähigkeit zur Objektivität.

Die wichtigste Objektivitäts-Forderung an einen Wissenschaftler dürfte wohl sein, daß er fähig ist, Theorien und Wahrheiten, Meßergebnisse und wissenschaftliche Aussagen anderer Wissenschaftler auch dann anzuerkennen, wenn diese ihm nicht gefallen.

Umgekehrt gehört zu dieser Forderung natürlich, daß ein Wissenschaftler sich nicht von Aussagen, die ihm gefallen, blenden läßt und sie ggf. weniger sorgfältig prüft als unangenehme Aussagen.

Was soll man nun von Menschen halten, die andere Wissenschaftler anfeinden, nur weil ihnen deren Erkenntnisse nicht gefallen? Im eigentlichen Sinne sind sie doch dann nicht mehr als Wissenschaftler zu bezeichnen, oder?
"Wenn euch ein Ergebnis besonders gut gefällt, dann müß ihr es mit besonders großem Mißtrauen bedenken." war ein Ratschlag von einem meiner Professoren an der TU Dresden, Prof. Knöner. Er meinte, wenn wir selbst nicht sehr sorgfältig prüfen, ob uns ein Fehler unterlaufen sein könnte, dann tun es andere. Und wenn die einen Fehler finden, dann kann das für uns selbst äußerst peinlich werden. 
Vorläufigkeit jeder Theorie
Eine weitere Forderung ist auch, alle Erkenntnisse anderer, auch die von Autoritäten, immer noch einmal selbst zu überprüfen, ob sie "richtig" sind. Auch Autoritäten können irren ode Fehler machen. Deshalb ist die ungeprüfte Übernahme von Fremdwissen immer der Einstieg in Unwissenschaftlichkeit: Hier wird aus Wissenschaft eine Religion, ein Glaube: ein  Glaube an die Unfehlbarkeit eines anderen Wissenschaftlers - schlimmer als der Glaube an die Unfehlbarkeit des Papstes! 
Alle wissenschaftliche Erkenntnis ist immer und unter allen Umständen als "vorläufig" anzusehen: egal, ob es z. B. Einsteins Relativitätstheorien oder die Urknall-Hypothese betrifft, man kann nie wissen, ob es einmal bessere, kompatiblere, einfachere, logischere, verständlichere Theorien geben wird.
Wissenschaftlicher Erkenntnisoptimismus verlangt immer, alle bisherigen Erkenntnisse in Frage stellen zu können.
Ohne dieses "In-Frage-Stellen" als wissenschaftliches Grundprinzip ist Erkenntnisfortschritt nicht zu haben!

Streng wissenschaftlich kann man bei der Urknall-These wirklich nicht von einer "Theorie" sprechen, da zu iher Bestätigung mindestens zwei beobachtete Ereignisse beitragen müßten.
Objektivität ist ...



Ein Gegenvorschlag: Wissenschaftliche Aussagen müssen "allseitig und umfassend" sein.
... also erst einmal zu definieren: wenn schon darüber, was sie ist, unterschiedliche subjektive Auffassungen herrschen, wird es schwierig, auch noch wissenschaftlich "beweisen" zu wollen, was nun objektiv ist und was nicht.
Übrigens gibt es statt dieses Begriffes einen wesentlich besseren, wissenschaftlicheren:
Eine Betrachtung eines physikalischen Phänomens ist dann sozusagen "von allein" objektiv, wenn sie "allseitig" und "umfassend" ist.

An die Stelle des alten, im Grunde jedoch nichtssagenden Ausrufes  "Wissenschaft ist objektiv!"  sollte daher die Frage treten:
"Habe ich bei meiner Erkenntnissuche auch nichts außer acht gelassen? Habe ich alle möglichen Sichtweisen berücksichtigt, alle möglichen Interpretationen auf ihre  Brauchbarkeit überprüft, ist dem, was ich aussage, nach bestem Wissen und Gewissen nichts mehr hinzufügbar?"
 
Objektivitäts-Kriterien
Die Geschichte der Wissenschaft ist voll von Beispielen, wie neue und später anerkannte Erkenntnisse und Theorien in der Zeit ihrer Entstehung ignoriert, verachtet oder bekämpft wurden - wohlgemerkt, das geschah von anderen Wissenschaftlern!

Offenbar hat es die Wissenschaft bis heute noch nicht geschafft, ein Auswahlverfahren zu finden, wie sie neue Erkenntnisse, die mit den alten nicht kompatibel sein müssen, auf ihre Brauchbarkeit und Zukunftsfähigkeit überprüft.

 Man kann es auch so nennen:
Die Fähigkeit zur Objektivität ist eine sich historisch entwickelnde. Immer wieder muß die Wissenschaft sich selbst dahingehend überprüfen, was sie tun kann, ihre Objektivität zu sichern und zu vervollkommnen. Es muß also Objektivitätskriterien geben, die nicht an das subjektive Wissen Einzelner, nicht an Autoritätsmeinungen führender Wissenschaftler und schon gar nicht an  den geistigen Mainstream gebunden sind.
Doch das scheint ein Problem zu sein, das auch heutige Wissenschaft noch nicht gelöst hat.
 
Eine "weibliche" Physik /Wiss.-Th./Erkenntnisth./ Objektivität