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   07. 10. 2009
Grundfragen der Physik,
neu gestellt und beantwortet von einer Frau
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Struktur Atommodell Mathematik
Begriffe
 
 
Begriffe und Begriffsverwirrung
z. B.: Werden Begriffe von Männern und Frauen unterschiedlich gebildet und verwendet?

Die Sprache gehört so sehr zum Denken und Erkennen. Sie ist so sehr Alltag, daß die meisten Menschen über ihre Regeln, ihre Funktionsweise fast nichts wissen und auch kaum darüber nachdenken. Wie kommt es zu bestimmten Worten, Begriffen, Bezeichnungen?
Es geht auf dieser Seite nicht um  eine allgemeine Philosophie der Begriffsbildung, nur um solche Fragen, die unmittelbar für das Verstehen  und die Verwendung physikalischer Begriffe und Definitionen von Bedeutung sind.

Natürlich geht es dabei auch um eine weibliche Sicht auf eine der Grundfragen des Erkennens, des Erkennens mittels Wort und Sprache.


Die folgenden Gedanken stelle ich zur Diskussion.  Das meint: Sollte ich mich bei irgendeiner Aussage irren oder etwas wichtiges nicht erwähnt haben, freue ich mich über Korrekturen und Ergänzungen.

  1. Begriffe, Namen und Definitionen, Verallgemeinerungen und Differenzierungen, Begriffsverwirrungen usw.
  2. Substantive und Verben, allgemein
  3. Wie in der Physik sich bewegendes verdinglicht wird
  4. männliches und weibliches Denken
  5. Kategorie der Art und des Grades - oder die Frage, welche Rolle die dialektische Erkenntnismethode für die Bildung von Begriffen in der Naturwissenschaft spielt
  6. Zeichen und Symbole - Schrift und Bild  (erste Gedanken)
  7. Beispiele für Begriffs-Wirrwarr: das "Atom" , das "Defektelektron"
8. Begriffs-Strukturen: allgemeinere, umfassendere und "übergeordnete" Begriffe
1. Begriffe, Namen und Definitionen, Verallgemeinerungen und Differenzierungen
1. Vergleich verschiedener Sprachen
Es heißt, die Eskimos hätten für Schnee mehr als 30 verschiedene Worte.  Es dürfte einem Deutschen kaum möglich sein, diese dem Eskimo vertrauten Nuancen zu erkennen. Im Russischen bedeutet das Wort "Mir" sowohl Frieden, als auch Erde.  Das Sanskrit besitzt zwischen dem Singular  (der "Ein-Zahl") und dem Plural (der "Viel-Zahl") noch einen "voll ausgebildeten  Dual", eine spezifische Form, die Zweiheit als Einheit zu  denken.
Diese Beispiele lassen bereits erkennen: auf die Fähigkeit zu erkennen haben die Besonderheiten einer Sprache wesentlichen Einfluß. Es steht also zu befürchten und zu hoffen, daß Physiker unterschiedlicher Nationalität über physikalische Grundbegriffe unterschiedlich denken.   
Die Bemerkung über den "Dual" im Sanskrit findet sich noch einmal im Thema "Struktur der Materie", auf der Seite    Vielfalt
2. Namen, Anonymes und Begriffe
Nomen est omen. Anonym bleibt jemand, der unerkannt sein will. Bereits in der Bibel wird die Bedeutung des Namens für das Erkennen einer Sache oder gar Gottes betont: einmal gibt Gott selbst seinen Geschöpfen einen Namen, an anderer Stelle muß Adam das machen. Bannformeln, die  mittels Namensnennung einen Gott oder Geist zum Diener machen, klingen noch im Märchen vom Rumpelstilzchen an. In der biblischen Geschichte, in der Gott sich dem Moses im brennenden Dornbusch zeigt, fragt dieser ihn   im  alten Begriffsverständnis  von Gott nach seinem  Namen. Gott verweigert ihm die Antwort und zeigt ihm, daß er mehr ist als nur eine Person, die namentlich benannt werden kann.

Übrigens sind die verschiedenen Gottbegriffe und Worte für "Gott" ein sehr schönes Beispiel dafür, daß  einmal das gleiche Wort ("Namen") unterschiedlichen  Inhalt ("Begriff") und zum anderen verschiedene Worte den gleichen Begriff meinen.
Weitere Beispiele:
3. Definitionen
Definitionen sind ein ganz besondes wunder Punkt in der Physik.
Licht ist eine elektromagnetische Welle , die ....
Ist damit das Wesen des Lichtes  definiert bzw. erkannt?

An Definitionen ist zu beachten, daß sie immer vom Allgemeinen zum Besonderen gehen:
Ein Apfel ist eine Frucht, die ...
Ein Hund ist ein Tier, das ...

 "Bello ist ein Hund." - das ist keine Definition in diesem Sinne. Dieser Satz setzt voraus, daß es die Definition "Hund" bereits gibt. Andererseits ist die Definition Hund erst möglich im Vergleich vieler Hunde: die Definition enthält das allen Hunden gemeinsame.
Die Definition "Mensch" fragt also danach, was allen Menschen gemeinsam ist, die Definition "Materie" fragt danach, was allen Erscheinungen der realen, der physischen Welt gemeinsam ist. Doch hier streiten sich bereits die Geister, weil einige diesen Begriff an die Teilchenstruktur   und den Begriff der Masse koppeln, andere auch diejenigen Erscheinungen als "materiell" bezeichnen, die nicht teilchenhaft sind: Felder, elektromagnetische Wellen, Kräfte, ...

Es wird spannend sein, die Begriffe der Physik auf ihre Entstehungsgeschichte hin zu untersuchen: wo finden sich wirkliche Definitionen, wo sind Tautologien (sich gegenseitig erklärende Schein-Definitionen) zu finden, wo sind Alltagswörter aus der Anschauung übernommen und die physikalische Definition einfach "vergessen" worden?
Es wird sich zeigen, daß es erschreckend viele Begriffsverwirrungen gibt, Widersprüche, unzulässige Extrapolationen (Begriffsübertragungen) und noch unzulässigere Verallgemeinerungen ...
 
4. Begriffs-Verwirrungen
Eine Statistik untersuchte einmal, wie oft die Deutschen ihre Krawatten bzw. ihre Frauen wechseln. Damit wurden die "Deutschen" auf männliche Menschen festgelegt. Wann mit "die Deutschen" auch Frauen gemeint sind, ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Man muß also immer erst fragen, was gemeint ist, der Begriff wird nicht eindeutig verwendet.

Leider  funktionieren manche Definitionen, Namen und Begriffe in der Physik nach einem  ähnlichen Denkschema - am bekanntesten ist das Denkschema "Welle oder Teilchen".  Viele glauben z. B. immer noch, daß Licht aus Teilchen besteht. Etwas anderes ist es zu formulieren, daß Licht auch "Teilcheneigenschaften" zeigt.

Ein anderes Beispiel findet sich im Begriff des "Unterdrucks": Was unterscheidet ihn vom Sog? Mit der Gegenüberstellung der Begriffe "Unterdruck" und "Überdruck" kann man sicher ein ganz bestimmtes Phänomen deutlich machen:  Der gasförmige Inhalt eines Behälters kann  einen gegenüber der Umgebung höheren Druck haben, d. h. die Behälterwand wird nach außen gedrückt (gesaugt?). Wenn der Luftdruck bzw. der äußere Druck größer ist als der Druck des Gases im Behälter auf die  innere Behälterwand, spricht man lieber vom "Unterdruck" als vom Sog. Die Wand wird in diesem Bild nach innen "gedrückt". Das hat den Vorteil, daß man den unbeliebten Begriff des Soges umgeht. Doch genauso gut könnte man sagen, die Wand wird nach innen "gesaugt".  - Der Begriff "Unterdruck" ist so sehr ins Alltagsdenken übernommen worden, daß es schwer sein wird, diese einseitige Begriffsbildung zu überwinden.
Mehr darüber findet sich auch in Physik > Bewegung > 
Druck + Sog.
5. Erkennen
Zwei  der wichtigsten  Wege der Erkenntnis sind die Verallgemeinerung und die Differenzierung.
Wenn ich zuerst Äpfel und Birnen kennengelernt habe, kann ich sie verallgemeinern zu Früchten. Wenn ich zuerst das Wort "Frucht" kennengelernt habe, kann ich mit der Zeit immer besser differenzieren in Äpfel, Birnen usw.
Kinder bezeichnen zuerst vieles mit dem allgemeinen Begriff "Ding". Das ist ein wunderbares Wort,  nach dem Namen unbekannter Erscheinungen zu fragen:
"Was ist das für ein Ding?" - "Das ist ein Auto." 
"Was macht ein Auto?" - "Es fährt." Ein Auto ist ein "fahrendes Ding".

Bei Begriffen und Definitionen ist daher immer die Ebene zu bedenken, die sie repräsentieren. Das könnte viele Mißverständnisse verhindern.
Ein Auto ist immer ein Fahrzeug, nicht jedes Fahrzeug ist ein Auto.

Auch die Physik hat dieses Problem zu beachten:
Ist Energie eine Form der Materie, dann ist immer noch  nicht gesagt, welche Auffassung von Materie (s. o.) damit gemeint ist. Oder ist sie gar "immateriell"? Muß jede Energie ein "Masseäquivalent" haben, dann ist sie der der Masse untergeordnete Begriff, hat jede Masse ein "Energieäquivalent", dann ist die Masse nur eine Form der Energie und es gibt noch andere Energieformen, die ohne Masse auskommen.
 
6. Die Abstraktion
Fälschlicherweise wird davon ausgegangen, daß Abstrahieren eine hohe Form des Denkens und Erkenntnis ist. Es ist  jedoch nur eine spezifische Form des Verallgemeinerns, das keine wirklich neue Erkenntnis bringen kann.  Abstrahieren vereinfacht nur das Denken. Es reduziert auf die wesentlichen Merkmale  und klammert "unwesentliche" Merkmale der Erscheinungen aus.

Doch wer sagt, daß man beim Abstrahieren bereits die wesentlichen Merkmale erkannt hat? Es könnte sein, daß sich im Nachhinein für unwesentlich gehaltene Merkmale als viel wesentlicher erweisen als ursprünglich angenommen. Dann ist es zu spät - die Begriffe und Namen haben sich verfestigt, mögliches und notwendiges "neues Denken" hat es schwer, anerkannt zu werden. In der Physik  ist dieses Problem natürlich genauso anzutreffen wie außerhalb. Ganz besonders anschaulich wird es bei den Worten "Ordnung" und  "Information" .
 
2. Substantive und  Verben, allgemein  
Am Anfang war das Wort?
"Am Anfang war das Wort." ist biblische Botschaft. 
Goethe macht daraus:
"Am Anfang war die Tat."

Verbindet man beides, erhält man:
"Am Anfang war das Verb."

Das Verb beschreibt die Tat, reflektiert das (eigene) Tun  und macht es so rational  "begreifbar", erkennbar.
Am Rande bemerkt - auch hier wirkt wieder einmal die "Weltformel"  (zwei zu eins machen): aus zwei Auffassungen wurde eine.
erste Beispiele
Verben, sogenannte "Tätigkeitswörter" beschreiben im weitesten Sinne, daß alles, was existiert, agiert, sich in der Zeit verändert.  Die unterschiedlichen Worte bezeichnen die unterschiedlichen Erscheinungen dieses Agierens, dieses Veränderns: z. B. bewegen, handeln, arbeiten, spielen, singen, laufen,  fahren, strahlen, stoßen, schieben, ziehen, heben.

Substantive, sogenannte "Dingwörter" beschreiben im eigentlichen Sinne das, was stabil bleibt in der Zeit, was "erhalten" bleibt. Sie beschreiben "substantielles", etwas, dem eine "Substanz" zugrundeliegt, gegenständliches:  der Tisch,  die Erde, der Mensch, das Auto, der Wasserstrahl, der Wind, der Stoß bzw. Impuls, der Zug, der Sog, der Druck.

Auch die Liebe und die Bewegung bzw. die Geschwindigkeit sind Worte, die als Substantive bzw. "Dingwörter" angesehen werden, obwohl ihnen nicht mehr so direkt eine Substanz bzw. etwas substantielles zugeordnet werden kann .

Doch die Schwierigkeit hat bereits früher begonnen - bzw. anders ausgedrückt: es wurde  schon zuvor schwierig. Was unterscheidet den Druck von der Tätigkeit drücken, den Zug von der Tätigkeit ziehen,  den Stoß vom stoßen, die Bewegung von der Tätigkeit "sich bewegen"?
 
 
Was führt dazu, daß eine Tätigkeit zum Substantiv, zum "Ding" gemacht wird? Welche Auswirkungen  auf mein  Erkennen hat es, wenn ich aus Tätigkeiten beschreibende Wörter Substantive mache?

Ich erkenne - mein Erkennen:  das ist ein solches Beispiel für diesen Erscheinung. Das Erkennen existiert nicht "wirklich" als Subjekt, Ding oder Gegenstand.  Es ist in diesem Sinne nicht an eine Substanz, sondern an eine Tätigkeit gebunden.
   
Nach allem, was ich über diese Fragen weiß, gehe ich davon aus, die Ursache (Ur-Sache - auch ein "Ding"?) dieser Erscheinung der Substantivierung von Tätigkeiten in dem Wunsch zu sehen, etwas "begreifen" zu können, etwas "faßlich", anfaßbar zu machen, um es besser erkennen zu können.
Die Substantivierung war also ein wichtiger erkenntnistheoretischer Forschritt in der Menschheitsgeschichte überhaupt.
Die Kehrseite der Medaille ist, daß inzwischen diese Substantivierung nur noch abstrakt gesehen wird, nicht mehr darüber nachgedacht wird, in der Schule nur eine kurze Erwähnung stattfindet, die nicht ausreicht, alle Konsequenzen, die sich daraus ergeben, zu begreifen.

Selbst der Begriff "Begriff" wird kaum noch an seine Tätigkeit,  etwas zu "begreifen" gekoppelt.  Ein Wort wird erst zum Begriff, wenn ich  verstehe, was es bedeutet. Wenn ich ein Wort nicht verstehe, es trotzdem gebrauche, rede ich nicht in dem Sinne, daß ich meine Gedanken und Erkenntnisse ausdrücke, sondern gebe leere "Worthülsen"  von mir. Selbst wenn ich bestimmte Worte und Begriff verstanden habe, kann ich sie nicht   ohne weiteres anwenden in Rede und Schrift. Ich muß mich immer versichern, ob der Angesprochene meine Worte auch verstehen kann.  Ansonsten ist meine Rede sinnlos.
 In der Wissenschaftssprache hat es sich eingebürgert, für die meisten Menschen möglichst unverständliche Worte zu verwenden: je komplizierter und unverständlicher jemand schreibt oder redet, für um so intelligenter wird er angesehen.
 
Die "männliche" Sprache liebt Substantive, die "weibliche" Sprache liebt Verben.
In der deutschen Sprache ist dieser Trend zur "Substantivierung" in letzter Zeit weiter ausgeprägt worden - mit den noch aufzuzeigenden verheerenen Folgen.

Irgendwo fand ich einmal die Bemerkung, daß die Substantivierung von Verben ein typisches Kennzeichen einseitig-männlicher Sprache sei.   Demgegenüber ist in der "weibliche" Sprache   der Anteil der Verben wesentlich höher.

Die Wissenschaft, speziell die Physik, liebt die Substantivierung von Tätigkeiten. Mit anderen Worten, hier zeigt sich auch in der Wissenschaftssprache eine "Vermännlichung":
siehe z. B. in 3.
3. Wie in der Physik sich bewegendes verdinglicht wird  
1. Materie  oder "materiell"
Im Begriff der Materie kann bereits gestritten werden, ob es wirklich etwas "gegenständliches" ist. Fasse ich alles Sein als statisch auf, nehme ich es als Subjekt, als "Ding" wahr. Fasse ich das Sein als prozeßhaftes "werden und vergehen" auf, verliert das "Ding" seine Basis.
 "Die Materie verschwindet." wunderten sich Wissenschaftler und hielten sich dabei für genial. Doch die Menschen im asiatischen Raum hatten das bereits viel früher erkannt.
siehe auch unten -  7. Heisenberg und die verschwindende Materie
2. Der Wirbel, die Welle usw.
Schon kleine Kinder sind fasziniert, wenn sie einen Wirbel - z. B. beim Ablaufen des Badewassers - sehen. Die Gleichzeitigkeit von Stabilität und Dynamik dürfte hier Auslöser der Faszination sein: Da ist "etwas", aber eigentlich ist es nur "bewegtes Wasser". Man kann es nicht wirklich greifen, doch es ist eine selbständige Einheit, ein irgendwie gegen den Rest des ruhenden Wassers abgegrenzte Besonderheit . Ist dieser Wirbel nun ein "Ding" oder nicht?
Etwas ähnliches passiert mit dem Begriff der Welle. Auch sie wird durch die Substantivierung als "Ding" gesehen. Doch die Welle ist nur  Übertragung einer Schwingung von einem Raumpunkt (Teilchen) auf weitere Raumpunkte (Teilchen).  Der Begriff der "Welle" ist also die Beschreibung einer Bewegung, eines Spezialfalles einer Bewegung. Eine Bewegung  ist jedoch kein "Ding".
Ein "Ding"-Wort wird benutzt, eine Tätigkeit  / Aktion zu beschreiben.
weitere "Ding"-Wörter, die eigentlich eine Tätigkeiten bzw. Vorgänge beschreiben:
Regenbogen,
Fluß,
Wind,
Wettrennen,
Bewegung,
3. Plappern
Wenn also Begriffe, die Tätigkeiten beschreiben, verdinglicht werden und dann unreflektiert genauso wie Begriffe, die "Dinge" beschreiben, verwendet werden, ist eine Begreifen und Verstehen der physischen Sachverhalte nicht mehr möglich. Die Aussagen, die auf dieser Sprachebene  gemacht werden können, erinnern an das Nachplappern eines Papageien.
 
4. weitere Beispiele
Oben erwähnte ich die Verben "stoßen", "ziehen", "heben", "werfen". In der Physik werden daraus - direkt oder abgeleitet - Fachbegriffe wie:
Kraft, Stoß, Zugkraft, Arbeit, Wurf, Impuls und man fragt nach ihrem quantitativen Aspekt - man berechnet ihre "Größe" oder "Stärke".

Ich habe noch absolut keine Ahnung, wie man die in diesen so fest verwurzelten, scheinbar so "objektiven" Begriffen die einseitige "männliche"  Sichtweise  erweitern kann um die entsprechende "weibliche" Begriffsbildung.
 
4. Männliches und weibliches Denken  
Teil und Ganzes  - analytisches und synthetisches Denken
Das "Ganzen"  ist nicht  für sich erkennbar.  Ich kann mich ihm nur schrittweise annähern, indem ich es teile. Einen ganzen Baum erkenne ich erst richtig, wenn ich mir seine Teile (Blätter, Äste,  Blüten, Stamm, Rinde, Wurzeln) ansehe. 
 
Dieser Teil der Erkenntnis, das "analytische Denken" wird allgemein dem "männlichen" Denken zugeordnet.  Das Gegenstück, das "synthetische Denken" wird gern als "weibliches Denken" bezeichnet.
Denn wenn ich die Einzelteile erkannt habe, muß ich diese wieder verbinden, zusammensetzen, aus den Puzzle-Teilen das "ganze" Bild erstellen.
Mit   anderen Worten - beide Denkvorgänge haben zwar ihre Berechtigung und Notwendigkeit, aber erst in Bezug aufeinander, in ihrer Verbindung führen sie zur "Erkenntnis des Ganzen":
das "weibliche" ganzheitliche Denken allein schafft es ohne das "männliche" analytische Denken ebensowenig  wie es das "männliche" Denken allein schafft, das Ganze zu erkennen.
Der Volksmund hat ein hübsches Bild für einseitiges analytisches Denken gefunden:
"Er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht."
gegenseitiges Ergänzen
Hieran wird hoffentlich bereits deutlich, wie ich das in der "Einladung" gemeint habe, daß die Wissenschaft  "nur halb" ist, wenn sie das weibliche Denken, das synthetische bzw. ganzheitliche Denken nicht integriert.
siehe Einladung
5.  Die Kategorie der Art und des Grades  
die Bedeutung des dialektischen Denkens für die Begriffs-Bildung
Diese Überlegungen zum "männlichen" und "weiblichen" Denken berühren erkenntnistheoretische Basisfragen, so daß es sinnvoller ist, erst die zugehörige Erkenntnistheorie darzustellen, ehe ich diese Fragen hier weiter ausführe.
Ich will an dieser Stelle nur diesen einen Gedanken vormerken:
aus dialektischer Sicht (eine eher dem "weiblichen" als dem "männlichen" Denken entsprechende Betrachtungsweise) unterscheidet man bei allen existierenden Dingen nach der Kategorie der Art (Da-Sein oder Nicht-Da-Sein) und der Kategorie des Grades (die graduelle Ausprägung einer Erscheinung, ihr "Werden und Vergehen"). Am einfachsten läßt sich beides anschaulich machen mit den "Farben" schwarz und weiß: sie sind Begriffe in der Kategorie der Art. Demgegenüber ist "grau" die Alltagsbeschreibung für die graduelle Ausprägung von schwarz oder weiß (i.a. in Prozent angegeben). Ähnlich kann man sich den Dichtebegriff als einen Begriff der "Kategorie des Grades" vorstellen: zwischen  der stofflichen Leere und der dichtesten Masse gibt es graduelle Abstufungen an Massen-Konzentration. Bei allen Veränderungen - physikalischer und nichtphysikalischer Art - treten diese Kategorien des Grades auf: Beschleunigungsvorgänge, Erwärmungsvorgänge, vor allem jedoch bei allen Wachstumsprozessen.  Auch Feldstärken und Lichtintensität, selbst die Annäherung an einen Gleichgewichtszustand wird leichter verständlich, wenn man diese Erscheinungen darauf untersucht, ob sie einer Kategorie des Grades entsprechen.

Wenn das Auftreten dieser beiden Kategorien des Seins ganz allgemein, überall und immer, zu beobachten ist, muß ich eigentlich in jeder physikalischen Erscheinung nur noch fragen:
Was  entspricht der Kategorie der Art, was entspricht der Kategorie des Grades?
Dieser erste Abschnitt ist entnommen aus Struktur der Materie > Rutherford
(Abschnitt 7)
Wie das Nicht-Beachten des dialektischen Denkens zu Fehlern und Widersprüchen führt
Als ich begann, die Denkmethoden ausgewählter theoretischer Formulierungen zu analysieren, stellte ich bei vielen von ihnen Einseitigkeiten, Widersprüche und methodische Beschränktheit fest. Viele inhaltliche Probleme ließen sich - das wurde immer deutlicher - auf die verwendete formal-logische Denkmethode zurückführen.  Die andere wissenschaftliche Denkmethode, das "dialektische Denken", hatte ich während des Studiums an der TU Dresden kennengelernt.

In der statischen, formal-logischen Denkmethode (in der bisherigen Physik) wird ausschließlich mit Begriffen aus der Kategorie der  Art gearbeitet, obwohl viele Begriffe bereits  in die Physik eingeführt sind, die in die Kategorie des Grades gehören. Diese werden jedoch behandelt, als gehörten sie der ersten  an. Dadurch sind natürlich dem Begreifen aller Erscheinungen des "Grades" Grenzen gesetzt:
Aus der Unwissenheit um diese Grundkategorien und ihre exakte Verwendung ergeben sich Mißverständnisse, Widersprüche und Fehlinterpretationen.
 
keine Sprünge?
Hier   sei noch ein Beispiel genannt, das die immense Wichtigkeit der "Kategorie des Grades" für das Erkennen der physischen Realität veranschaulichen kann:
Stellen Sie sich eine Überschlagsschaukel vor: im Ausgangszustand ist sie in Ruhe, im Endzustand rotiert sie um ihre Drehachse. Doch in der Zwischen-Phase ist sie weder in Ruhe noch in Rotation, sie ist in einem Übergangszustand, in dem die Rotation "graduell ausgeprägt" ist. Es erfolgt kein Sprung von Ruhe auf Rotation. Wenn man nur die zwei Zustände "Ruhe" und "Rotation"  als Beschreibungsmöglichkeit zuläßt, kann man nicht beschreiben, wie sich der Übergang vollzieht.

Die formal-logische Denkmethode denkt genau  in diesem
"entweder - oder"-Schema:
entweder Ruhe oder Rotation, entweder Teilchen oder Welle,
entweder ja oder nein.    

Die Frage nach den "Sprüngen" in der Natur - eine philosophische "Grundsatzfrage" -   kann folglich nur beantwortet werden, wenn man erst einmal diesen Gedanken der "Kategorie des Grades" verstanden hat.

Dieses Beispiel zeigt nebenbei auch auf, wie man Literatur allein nach den in ihr verwendeten Denkmethoden unterscheiden kann -  meine Erfahrung ist: wo das dialektische Denken fehlt, kann man keine wirklich wichtigen Erkenntnisse erwarten. Doch man sollte nicht ungeduldig sein - mir selbst hat vieles in der "formalen Logik" Gedachte aufgrund eben seiner Widersprüchlichkeiten und Fehlinterpretationen wertvolle Anregungen zum Selbstnachdenken gegeben.
 
Wiederholung ist die Mutter der Weisheit - Verstehen als Begriff der Kategorie des Grades
Auch ein Begriff kann unterschiedlich tief ("graduell") verstanden sein, somit kann ich Begriffe unterschiedlich "scharf" oder "unscharf" verinnerlicht haben. Das ist eine normale Entwicklung des Begreifens insgesamt.  Meine Erkenntnis über das Bezeichnete "verdichtet" sich.
Dieser Erfahrung sollte in der Ausbildung - egal ob Schule oder Universität - stärker Rechnung getragen werden. Meist wird Wissen jedoch nur einmal angeboten - wer ein gutes Gedächtnis hat, speichert die Worte ohne sie zu verstehen und gibt sie bei Bedarf wieder von sich.  Wer mehr Zeit für das Begreifen benötigt, hat Pech gehabt.

Wenn man so will, kann man zwischen "männlichem" und "weiblichem" Lehrstil unterscheiden:

Die Schule funktioniert "männlich", die Weitergabe des Wissens von der Mutter auf die Tochter funktioniert "weiblich":
mit jeder Wiederholung einer bestimmten Hausarbeit - beispielsweise dem Kuchenbacken - prägt sich das Kind einen Teil des neuen Wissens ein, während das alte Wissen gefestigt wird. Das Kind probiert selbst aus, erkennt also von sich aus, wo es etwas noch nicht weiß, und kann aktiv die Fragen stellen: durch diese Form des Lernens wird eine wesentlich höhere Effektivität erreicht als durch die klassische Form des ungefragten Eintrichtersn von Fakten.    Ganz allgemein wird diese Art des Lernprozesses als "learning by doing" bezeichnet.
Das folgende ist kein Witz:
Ein Freund meines Sohnes hat in der Schule Hauswirtschaft als Schulfach gehabt. Als es ans Kochen ging, hat die Lehrerin sich vorn hingestellt, etwas gekocht, die Schüler haben zugesehen und das fertige Essen dann gemeinsam gegessen.
6. Zeichen und Symbole - Schrift und Bild  (erste Gedanken)  
"Obst" und "Frucht"
- oder die Frage, ob man Obst essen kann.

Ich sage: Nein, Obst kann man nicht essen, man kann nur Früchte essen.
Wenn ich "Obst" esse, esse ich einen Apfel oder Weintrauben oder Kirschen. Obst kann ich deshalb nicht essen, weil dieses Wort ein abstraktes Wort ist zur Bezeichnung einer bestimmten Sorte von Früchten. Diese Bezeichnung für bestimmte Früchte ist per Definition festgelegt - der Mensch bestimmt, welche Früchter er "Obst" nennt. "Obst" ist nur ein Wort, ein Abbild, eine Be-Zeichnung, Obst gibt es nicht "wirklich". Worte kann man nicht essen.  Früchte gibt es wirklich.
Wenn ich "Früchte" esse, können das ebenfalls Äpfel oder Weintrauben oder Kirschen sein, aber diese sind auch und gleichzeitig Früchte. So esse ich immer, wenn ich einen Apfel esse, eine Frucht. Ich kann sagen "Ich habe Früchte gegessen." oder "Ich habe Äpfel gegessen". Der zweite Satz steht nicht im Widerspruch zum ersten, er konkretisiert ihn.
Ich hoffe, diese wenigen Sätze schaffen bereits Verwirrung und lösen Nachdenken aus. Denn  hinter dieser scheinbaren Wortklauberei stecken tiefer erkenntnistheoretische Fragen über unsere Fähigkeit, die Wirklichkeit in Worten resp. Theorien resp. mathematischen Formeln abzubilden.
siehe auch in weibl. Wiss. (weibliches Wissenschafts-Verständnis), im Abschnitt 3 der Teil: Erkennen in Wort und Bild
Ein Zeichen ist vereinbart und seine Bedeutung muß gelernt werden
Obst ist ein "Zeichen"-Wort, Frucht ist ein "Symbol"-Wort. Ein Zeichen setzt voraus, daß verschiedene Menschen festgelegt haben, welche Bedeutung  es für sie haben soll: Klopfzeichen, Rauchzeichen, Geheimzeichen, Schriftzeichen, auch mathematische und physikalische Abkürzungen bzw. Formel-Zeichen gehören dazu. Die Bedeutung eines Zeichens muß man lernen.
Es kann sein, daß ein und dasselbe Zeichen für verschiedene Menschen / Kulturen / Zeiten unterschiedliche Bedeutungsinhalte hat.  Wo wir nickend "ja" meinen, meint der Bulgare nickend "nein".  Der geschlossene Ring, von Daumen und Zeigefinger gebildet, heißt fast überall auf der  Welt "OK", nur in Deutschland zeigt man damit etwas anderes an, das durchaus eine Beleidigungsklage nach sich ziehen kann.
 
Symbole sind überall gleich
Demgegenüber  sind Symbole wie z. B. die Spirale und der Uroboros überall auf der Welt gleichermaßen verbreitet und haben auch überall die gleiche Bedeutung. Oft sind Symbole selbsterklärend im Sinne, daß man durch Nachdenken darüber deren Bedeutung erkennen kann bzw. daß man es nach einer Erklärung "verstanden" hat und dann seine Aussage nicht wieder vergessen  kann.
 
wörtliche und übertragene Bedeutung
Noch wichtiger an den Symbolen ist, daß sie i. a.  eine wörtliche und eine übertragene Bedeutung haben.
Die Schlange, die sich in den Schwanz beißt, faszinierte als Kerkulés Traum den Schüler auch, wenn er noch nie vom Uroboros gehört hat.

Nun komme ich auf das Eingangsbeispiel zurück:
Das "Zeichen"-Wort Obst kann nur einfach, einfältig in seiner direkten Bedeutung verwendet werden, das "Symbol"-Wort Frucht kann "im übertragenen Sinne" für viele andere Dinge stehen und so helfen, diese leichter zu begreifen:
Von den Früchten der Pflanzen zur "Leibesfrucht" des Menschen war es nur ein kleiner Schritt, ebenso erschließt sich die Aussage des viel zitierten "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen." auf Anhieb.
 
Die notwendige Mehr-Deutigkeit des Symbols
Notwendigerweise führt die Symbolsprache zur „Mehrdeutigkeit”, da ein Symbol ja gerade dadurch ausgezeichnet ist, daß es auf verschiedenen Ebenen anwendbar ist: als konkreter Begriff für das „Ur-Wort” und als abgeleiteter Begriff für analoge Gegebenheiten.
Über Symbolsprache und ihren Erkenntniswert muß ausführlicher nachgedacht werden.  Es könnte sein, daß in ihr wesentliche Elemente enthalten sind, die für die Weiterentwicklung der Physik von Bedeutung sein könnten.
 
Misschformen
Natürlich gibt es zwischen Symbolen und Zeichen auch Mischformen: die ersten Schrift-Zeichen waren noch Symbole (selbsterklärend, bildhaft, anschaulich), die erst durch Abstraktionen zu Zeichen (ohne fremde Hilfe unverständlich) wurden.
  Die Zahlzeichen für "Eins", "Zwei" und "Drei" sind noch stark an die ursprüngliche symbolhafte Darstellung der Zahlen angelehnt: 1 - ein senkrechter Strich , 2 - zwei waagerechte Striche, die nachlässig-faul mit einem dünnen Strich verbunden sind, ähnlich bei der 3, bei der drei waagerechte Striche verbunden sind.
 
7. Beispiele  für Begriffs-Wirrwarr: das "Atom" und das "Defektelektron"  
Atommodelle in Hülle und Fülle
Der Begriff ist weit verbreitet, doch offenbar versteht jeder etwas anderes darunter. Es gab und gibt eine Vielzahl von Atommodellen, die oft nicht einmal kompatibel sind, geschweige denn sich gegenseitig ergänzen.
Angesichts der Forderung der Wissenschaft nach Eindeutigkeit, Widerspruchsfreiheit und Objektivität sollte man meinen, daß die Einigung auf einen einheitlichen Begriffsinhalt dieses Wortes gar nicht so schwer sein könnte.
Wir sind es gewöhnt, den modernen Begriff des Atoms in der Traditionslinie von Rutherford bis  Quantenphysik zu denken: wir wissen von einer Hülle und einen Kern, von Elektronen und Nukleonen, die wieder in Protonen und Neutronen unterschieden werden. Wie diese "Bausteine" des Atoms dann im einzelnen beschrieben werden, ist relativ gleichgültig: die Vorstellung von Hülle und Kern dürfte das allen gemeinsame und übereinstimmend akzeptierte Bild sein.
siehe hierzu die Ausführungen in Vielfalt
(z. B. der Atombegriff bei A. Bailey) und
Neue Modelle
Die vergessene Geschichte
Begibt man sich jedoch in die Geschichte des Atombegriffs - nicht in den Teil der Geschichte, der heute gelehrt wird, sondern vor allem in den, der heute "vergessen" ist oder als "unwichtig" angesehen  wird - dann erlebt man die spannendsten Überraschungen. Ich bin auf eine solche Fülle von Widersprüchen und Kämpfen für und gegen diesen Begriff gestoßen, daß ich gar nicht alle Beispiele verwenden kann.
 
Die Materie "löst sich auf"
Werner Heisenberg soll gesagt haben, daß die quantentheoretischen Betrachtungen zum "Auflösen der Materie" geführt haben.

Dahinter steckt aus meiner Sicht lediglich das Problem, daß die alten Vorstellungen der Männer von der Materie "sich auflösten", nicht mehr zu den neuen Erkenntnissen paßten. Weil der Begriff "Teilchen" immer sinnloser wurde, die Struktur der Materie zu beschreiben, sie sich Materie aber nicht auch als Kontinuum bzw. als "materiell" denken konnten, mußte gleich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, die Materie "abgeschafft" werden.

Diese Vorgehensweise ist ein sehr hübsches Beispiel  für den heute in der Naturwissenschaft vorherrschenden subjektiven Idealismus.

Läßt man nur den Begriff "Materie" zu und koppelt ihn an die Existenz von Atomen, bleiben die nichtatomaren materiellen Erscheinungen unbeachtet, werden als "immateriell", vielleicht sogar als "irrational", "übersinnlich" usw. bezeichnet. Ein nicht atomar strukturiertes Gravitationsfeld ist genauso "materiell" wie ein Stein, nur daß es nicht selbst aus Atomen besteht. Die Suche nach den "Gravitonen" ist übrigens ein hübsches Beispiel für den Versuch, den Teilchenbegriff zu retten, indem man ihn auf die nicht teilchenhaft strukturierten materiellen Erscheinungen anwendet.
subjektiver Idealismus - eine philosophische Grundrichtung, die nur gelten läßt, was subjektiv erfahren bzw. erkannt wird. Was ich nicht kenne, existiert nicht: Die Welt existiert nur so, wie sie in den Naturgesetzen und physikalischen Theorien beschrieben wird ...
 
Ich schlager daher vor, den physikalischen Materiebegriff noch einmal neu zu hinterfragen und stärker an seine philosophische Basis zu koppeln: dann ist es möglich, alle "materiellen Erscheinungen", alle Erscheinungen der physischen Welt über den Materiebegriff beschreibbar zu machen.  Die Konsequenzen für die Physik wäre natürlich eine Erneuerung der Physik von der Basis, von allen ihren Begrifffen her. Daß man sich davor scheut, ist logisch.
siehe auch in Physik >
Materie
Gibt es das "Defekt-Elektron" ?
Man stellt sich Stromleitung  (elektrischer Strom) zum einen über die Bewegung von Elektronen und   zum anderen über die Bewegung von "Löchern" (Halbleitertechnik) vor: Bei den "Löchern" oder  "Defektelektronen" handelt es sich  eigentlich um Atome, in derem Aufbau ein Elektron fehlt, also um Ionen.   Diese "Fehlstellen" wandern nun durch den Leiter, indem ein Elektron  von seinem Platz in ein " Loch" springt und so ein "Loch" frei macht, in das das nächste Elektron springt. Die Elektronen bewegt  sich in die eine Richtung, das "Loch" in  die entgegengesetzte, falls man von einer "Lochbewegung" reden kann.  Nun verselbständigen sich in den Vorstellungen mancher (!) Leute diese Löcher: wenn sie von "Defektelektronen" reden - oder von "Positronen" zum Beispiel - dann stellen sie sich diese wie die echten Elektronen vor, nur eben mit entgegengesetzter Ladung. Denn sie haben vergessen, daß es keine "freien Defektelektronen" gibt, so wie es "freie Elektronen" gibt.
Dieses Durcheinander in Vorstellung und Begriff passiert leider an verschiedenen Stellen in der Physik, weshalb  ich irgendwann an anderer Stelle auch noch ausführlicher darauf eingehen werde. 
Am Rande:
Natürlich  sind es wirklich nur "manche Leute". Doch hier geht es auch um die Verantwortung des Lehrers (der Lehrerin): WIE wird das Wissen vermittelt? Wie lassen sich solche Denkfehler  vermeiden? - Diese Frage wird in Lehren + lernen   aufgegriffen.
8. Begriffs-Strukturen: allgemeinere, umfassendere und "übergeordnete"  
Der Streit um den Platz der Energie in der Begriffs-Hierarchie,  mit der die Erscheinungen der materiellen Welt beschrieben werden.
Auch der Umgang mit den verschiedenen Begriffsebenen ("männlich" gedacht: Begriffs-Hierarchien) gibt Anlaß zu Mißverständnissen, Fehlinterpretationen und diversen Streitigkeiten.
Am berühmtesten dürfte der Streit zwischen Mach und Planck über die Rangigkeit des Energiebegriffs gewesen sein:
Die heutige Physik betrachtet Energie als nicht zum Materie-Begriff gehörend, auch wenn Einsteins Umrechnungsformel eine Analogie zwischen Masse (! Masse, nicht Materie) und Energie aufzeigt.  Mach und andere gehen davon aus, daß "alles Energie" ist und die massebehafteten Erscheinungen nur ganz bestimmte Erscheinungsformen der Energie.
Vergleicht man diese Energie-Diskussion mit Lenins Materie-Definition, kann man im Prinzip Energie und Materie gleichsetzen. Man kann aber auch sagen, daß der Materie-Begriff im Leninschen Sinne noch umfassender ist als der Energie-Begriff.
Ein weiteres Beispiel für Begriffsebenen biete ich in Harmonie - dort geht es um die Beziehung der Begriffe Ordnung und Harmonie.
Gesetz oder Definition?
Es ist unglaublich, aber den Unterschied zwischen beiden Begriffen beherrschen nicht einmal die Physikprofessoren sicher.
Prof. Schmidt nannte  in seinem Vortrag auf der Physikerinnentagung 2007 die bekannte Newtonsche - ich sage jetzt einmal nur - Gleichung:

                           F = m a   
(Kraft ist gleich dem Produkt aus Masse und Beschleunigung)
als Beispiel für dieses Dilemma: stellt diese Gleichung eine Definiton oder ein Gesetz dar?  Ich glaube, er sagte, diese Gleichung sei eine "Mischung" aus beidem.

Auch bei der  ähnlichen Gleichung
                     v = s / t

ergibt sich die gleiche Frage: Hier ist es jedoch einfacher ersichtlich:
Weg und Zeit sind Meßgrößen, aus denen ich eine Eigenschaft einer Bewegung berechnen kann. Ich messe die Geschwindigkeit nicht, ich berechne sie. Zuvor muß ich jedoch definiert haben, was Geschwindigkeit ist: nämlich Wegstrecke pro Zeiteinheit.

Dieses Beispiel sei hier nur erwähnt.
Am Rande - zum Vergleich:
Nun könnte man auch fragen: Ist das Tier dort ein Pudel oder ein Hund? Oder: Ist ein Hund ein Tier? Vielleicht kann diese Bemerkung das Problem der Begriffshierarchien bzw. Begriffsebenen leichter verständlich machen.

Eine mögliche allgemeinste Antwort findet sich bei Viktor Schauberger - siehe  in Mathematik /   Weltformel
Die Finder
Die Zweckmäßigkeit der Begriffs-Wahl
Es ist nun letztlich jedoch nur eine Frage der Zweckmäßigkeit, des besseren Verstehens, wie man diese drei Begriffe Masse, Energie und Materie in Zusammenhang setzt und voneinander abgrenzt.   Doch eine Einigung darüber ist unabdingbar, wenn man sich in Zukunft  besser verständigen will.  Daß die Gleichsetzung des Materie-Begriffs mit massebehafteten Teilchen zu Wiedersprüchen und Ratlosigkeit führt,  erwähnte ich bereits in Punkt 7.  
 
Der Erkenntnis-Gewinn aus dem Wissen um Begriffs-Ebenen
Wesentlichen Erkenntnisgewinn kann es also rein physikalisch bringen, wenn man sich zuerst einmal mit den allgemeinsten Fragen der Begriffsbildung vertraut macht und innerhalb der Begriffswelt der Physik dann diese Ebenen zu erkennen sucht.
 
Philosophie (Erkenntnistheorie) für PhysikerInnen ist Voraussetzung für das Verstehen der Begriffe und kein Hobby.
Diese ersten Gedanken über Begriffsbildung stelle ich erst einmal so in den Raum. Natürlich sind weiter Ausführungen nötig, diese Fragen allseitig oder wenigstens von verschiedenen Seiten aus zu betrachten. Weitere Betrachtungen werden gegebener Zeit folgen.
Wichtig ist  erst einmal der Anfangsgedanke, daß sich ein Physiker immer auch mit erkenntnistheoretischen Grundfragen der Begriffsbildung befassen muß, auch wenn einige Physikprofessoren das für überflüssig halten und meinen, Philosophie sei für Physiker so wichtig wie die Ornithologie für den Vogel.
 
Eine "weibliche" Physik /Wissenschaftsth./Erkenntnisth./ Begriffe