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  01. 01. 2010 / 31. 10. 2007
Grundfragen der Physik,
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Fremdtexte
Bailey,  A.
 



Bailey, Alice A.
und die Frage, ab welcher Ebene der Evolution der Materie das Bewußtsein existiert

Alice Baileys Buch "Das Bewußtsein des Atoms"  erwies sich als die Darstellung einer sehr "weibliche" Atomvorstellung. Darüber hinaus spiegelte es die Vorstellungen über das Atom in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts wesentlich detailreicher wider als heutige Darstellungen über die Geschichte der Atommodelle.

  1.     Vorbemerkung - keine Rechtfertigung
  2.  Die Quellen
  3.  Zur Person der Autorin
  4.  Die Übersicht der Themen, auf die ich mich beziehe
  5.  Zu einzelnen Ausführungen von Bailey
5.1.  Das "Unteilbare"
- der erweiterte Atombegriff oder das "Unteilbare" wörtlich genommen
  5.2.  Über die damaligen Atomvorstellungen
  5.3.  Das Atom und die Evolution
  5.4.  Das Atom und die Psyche - die Analogie zum menschlichen "Atom" oder die Frage, ab wann die Materie die Eigenschaft "Bewußtsein" aufweist
5.5.  Kleine Zitate
1. Vorbemerkung:

Eigentlich ist es ziemlich schlimm, daß ich diese Erklärung überhaupt schreiben muß. Es sollte doch einem Wissenschaftler möglich sein, alle ihm sinnvoll erscheinenden Quellen verwenden zu dürfen, ohne dafür in Mißkredit zu geraten. Doch diese Gefahr besteht bei Erwähnung des Namens Alice Bailey.

Auf ihr Buch stieß ich bei einer Internetrecherche zu Atommodellen. Eine Frau, die sich mit dem Atom und - noch spannender - mit dem Bewußtsein des Atoms befaßt, das versprach wichtige Informationen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich ihren Namen noch nie gehört. Auch als ich dann erfuhr, daß sie eigentlich dem theosophisch-esoterischen Bereich zugeordnet wird, weil ihre Hauptarbeiten und Lebensaktivitäten auf diesem Gebiet lagen, hinderte es mich nicht, ihr Buch zu lesen. Dümmer hat es mich nicht gemacht, im Gegenteil: ihre Gedanken  über das Atom waren für mich eine Bereicherung.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle nichts zu meiner Rechtfertigung sagen, sondern nur erinnern, daß der große Physiker Isaak Newton sich sehr intensiv mit dem sogenannten "okkulten Wissen" befaßt hat und als der "letzte große Magier seiner Zeit" galt. Daraus ableiten zu wollen, daß seine wissenschaftlichen Erkenntnisse falsch oder unbrauchbar seien, kann wohl nicht als wissenschaftliche Herangehensweise bezeichnet werden.

Zur Person und zu den Erkenntnissen von A. Bailey kann ich nur sagen: jede(r) prüfe selbst, ob sie ihm bzw. ihr einen Erkenntnisgewinn bringen kann oder nicht - ganz objektiv und vorurteilsfrei.

2. Die Quelle:

Bailey, Alice A.
DAS BEWUSSTSEIN DES ATOMS
Verlag: Association Lucis Trust, Genf
1, rue de Varembé
1211 Genf 20
Titel der englischen Originalausgabe:
THE CONSCIOUSNESS OF THE ATOM
Übersetzt von Erika Classen
und Carola Holenia
Alle Rechte vorbehalten
1. Auflage 1975
2. Auflage 1990
ISBN 2-88289-032X
Copyright by Association Lucis Trust, Genf 1990
Eine erste Ausgabe erschien  vermutlich - wie aus dem Vorwort zu entnehmen ist - im Jahr 1922.

Dieses Buch hatte ich Anfang des Jahre 2006 kostenlos aus dem Internet heruntergeladen:
http://laluni.helloyou.ws/netnews/bkgr/toc.html
Im Dezember 2009 informierte mich ein Besucher meiner Webseite, daß diese Seite nicht mehr existiert.


Das Buch ist untergliedert in ein Vorwort und mehrere Vorträge:

Vorwort
1. Vortrag: Das Feld der Evolution
2. Vortrag: Die Evolution der Substanz
3. Vortrag: Die Evolution der Form oder Gruppenevolution
4. Vortrag: Die Evolution des Menschen, des Denkens
5. Vortrag:Die Evolution des Bewußtseins
6. Vortrag: Das Ziel der Evolution
7. Vortrag: Kosmische Evolution

Ich beziehe mich nur auf die ersten zwei Vorträge, da sie dort die aus historischer, physikalischer und philosophischer Sicht interessanten Gedanken über das Atom äußert. Ihre Bemerkungen zum physischen Atom sind offenbar nicht so von ihr verstanden, daß sie sich hier in die Debatten um die Atomistik einreihen will. Sie nimmt lediglich das physikalische Wissen ihrer Zeit, um es aus psychisch-soziologischer Sicht zu betrachten und über die reine Physik weiter zu führen hin zu der Frage, was denn Bewußtsein sei.

3. Zur Person der Autorin  
 
Alice Ann Bailey  lebte von 1880 bis 1949 in England und den USA.
Die Details ihrer spannenden Biographie können bei Wikipedia eingesehen werden.
Wichtig ist, daß sie glaubte, durch ein höheres Medium, einen Geist, Informationen zu bekommen, die sie in zahlreichen Schriften niederlegte. Das Buch "Das Bewußtsein des Atoms" ist ohne diesen "Meister" entstanden, wie der Wikipedia zu entnehmen ist.
Sie ist stark von Theosophen, insbesondere von Helena Blawatsky beeinflußt.  Wikipedia schreibt "Sie gilt als Vorläuferin der New-Age-Bewegung".   
Das erwähne ich, weil ein Physiker, Fritjof Capra, ebenfalls als Vertreter der New-Age-Bewegung gilt und  seine Erkenntisse - falls überhaupt - entsprechend   abwertend in deutschen Medien   erwähnt werden.
Alice Bailey
siehe Quellen: Abbildungen
   Capra versuchte beispielsweise, europäisches und asiatisches Wissen zu verbinden. - Darüber wird an anderer Stelle  später (Wissenschaftstheorie > Erkenntnistheorie) noch mehr zu sagen sein.
 
4. Die Übersicht der Themen, auf die ich mich beziehe  
 

Alice Bailey und ihr Buch "Das Bewußtsein des Atoms" - eine sehr "weibliche" Atomvorstellung:
In Baileys Atomvorstellungen finden sich im wesentlichen vier Grunderkenntnisse über das Atom:

1. Das Atom, das „Unteilbare”, wörtlich genommen
Neben dem physikalischen Atom als kleinstem Baustein der Materie gibt es auch größere „Unteilbarkeiten”: das menschliche „Atom”, die Erde als ein kosmisches „Atom” ...

2. Materie und Bewußtsein:
Die rein materiell-physikalische Erklärung für die Struktur der Materie genügt nicht, das Wesen der Welt zu erkennen. Es ist auch das Bewußtsein in die Untersuchung der Materie einzubeziehen.

3. Die Analogie von Atom und Individuum ist in vielen Aspekten der Analyse der Eigenschaften des Atoms hilfreich. Andersherum werden die physikalischen Erkenntnisse  bzw. die Lehre über das Atom Basis und Teil weitergehender Erkenntnisse und Wissenschaften und können mit ihrem Erklärungspotential auf den höheren Ebenen durch Analogieschluß die Erkenntnis erleichtern bzw. vereinfachen.

Das ist die Wiederholung der Ausführungen im Thema Struktur >
Vielfalt
unter 3. Atomvorstellungen von  Frauen
4. Die Evolution (Entwicklung, zeitliche Veränderung, dynamische Sicht) ist in die Analyse des Atoms einzubeziehen: kein Atom ist etwas statisches, ewig sich gleichbleibendes.
 
5. Zu einzelnen Ausführungen von Bailey  
5. 1.  Das "Unteilbare" - der erweiterte Atombegriff oder das "Unteilbare" wörtlich genommen
 
Sie nimmt das Atom wörtlich und verwendet es für alle unteilbaren Einheiten, alle Systeme, egal auf welcher Ebene: auf der physischen, psychischen, kosmischen:
- das physikalische Atom der Materie im Sinne des kleinsten, chemisch nicht mehr teilbaren „Bausteins”
- der Mensch als Atom, als Unteilbares, als Ganzes
- die Erde als ein kosmisches „Atom” - es gibt keine „halbe Erde”
- auch das Sonnesystem ist ein „Atom” im Sinne, daß es unteilbar ist
- ebenso unsere Galaxis
- schließlich das kosmische Ganze, das kosmische Atom - oder könnte man es auch „Ur-Ei” „Welten-Ei” nennen?
Sie spricht in diesem Zusammenhang von „Atomen aller Arten”
(Die "fetten" Hervorhebungen sind von mir - B. K.)
 

Das interessanteste an ihrer Sicht auf das Atom ist, daß sich so die Beziehung zwischen alten Mythen, alten Weltbildern und moderner Wissenschaft aufzeigen läßt:
die Wissenschaft forscht, bis sie wieder bei den Erkenntnissen der Alten angekommen ist.

Man kann auch sagen, daß „Atom” für sie nur ein anderer Begriff für „ Einheit” oder „Ganzheit” ist: So sagt sie wörtlich:
„ob es Materieeinheiten wie das Atom des Physikers und Chemikers, oder Bewusstseinseinheiten wie menschliche Wesen sind.”

Das Atom dynamisch gedacht bedeutet, ihm eine Entwicklung zuzugestehen, ein „Ziel” oder eine Tendenz (Das ist pures weibliches Denken - und es ist nicht per se „unwissenschaftlich”. Bei genauerer Betrachtung ihres Gedankenansatzes findet man darin viel nachdenkenswertes.):     

 
 
„Das ist die der Materie selbst innewohnende Vollkommenheit und die Tendenz, die im Atom, im Menschen und in allem was ist, latent vorhanden [22] ist. Diese Interpretation sieht den Evolutionsprozess nicht als das Wirken einer ausserhalb befindlichen Gottheit, die ihre Energie und Weisheit auf eine erwartungsvolle Welt ausgiesst, sondern vielmehr als etwas, das selbst in dieser Welt latent vorhanden ist, denn es liegt verborgen im Kern des Atoms, im Herzen des Menschen selbst, im Planeten und im Sonnensystem. Es ist jenes Etwas, das alles seinem Ziel entgegentreibt und die Kraft, die allmählich aus dem Chaos Ordnung schafft; letzte Vollkommenheit aus der zeitweiligen Unvollkommenheit; Gutes aus scheinbar Bösem; und aus dem Dunkel und Unheil das, was wir eines Tages als schön, wahr und recht erkennen werden. Es ist alles das, was wir in unseren höchsten und besten Augenblicken visionär erschaut und erkannt haben.”
 
 
5.2. Über die damaligen Atom-Vorstellungen schreibt Bailey:
 

„Damals wurde das Atom als eine unteilbare Substanzeinheit angesehen; jetzt wird es als Energiezentrum und elektrische Kraft erkannt. Die Evolution der Substanz führt uns ganz natürlich zur Evolution der Formen oder der Anhäufung von Atomen und dadurch eröffnet sich die interessante Betrachtung von solchen Formen, die sich von rein materiellen unterscheiden ...”

„Lassen Sie [20] uns einen Augenblick überlegen, was mit den Worten «evolutiver Prozess» gemeint ist. Wir gebrauchen dauernd diese Worte und im allgemeinen weiss man, dass «Evolution» ein Entfalten von innen nach aussen bedeutet, also das, was sich aus einem inneren Zentrum her entrollt. Aber es ist wichtig, die Idee klarer zu definieren, um eine deutlichere Vorstellung zu bekommen. Eine der treffendsten Definitionen, die mir untergekommen sind, besagt, dass «Evolution die Entfaltung einer stetig zunehmenden Reaktionsfähigkeit ist». Hier haben wir eine sehr einleuchtende Begriffsbestimmung bei der Betrachtung der Manifestation des Materieaspektes. Sie beinhaltet das Konzept der Schwingung und der Reaktion auf Schwingung, und selbst wenn wir mit der Zeit den Begriff «Materie» aufgeben und stattdessen vielleicht «Kraftzentrum» sagen wollen, bleibt das Konzept doch gültig und die Reaktion des Zentrums auf Stimulierung wird sogar noch genauer [21] erkennbar. Bei Betrachtung des menschlichen Bewusstseins ist genau diese Definition sogar wirklich wertvoll. Sie enthält die Idee einer allmählich zunehmenden Verwirklichung..”

und in ihrem zweiten Vortrag heißt es:
„Wie wir wissen, besteht die Arbeit des Chemikers darin, alle bekannten Substanzen auf ihre allereinfachsten Elemente zurückzuführen, und noch vor kurzem glaubte man dies befriedigend erreicht zu haben. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts bezifferte man die Anzahl der bekannten Elemente auf 70 - 80. Nun wurde aber im Jahre 1898 ein neues Element, das Radium, entdeckt, eine Entdeckung, die das Denken der Welt über Materie und Substanz vollständig revolutionierte. Blättert man die alten Schriften oder Wörterbücher aus dem vorigen Jahrhundert durch, um die Definition des Atoms zu finden, findet man gewöhnlich Newton zitiert: «das Atom ist ein hartes, unteilbares, letztes Partikel», also etwas, das fernere Unterteilung nicht erlaubt. Es wurde als endgültig letztes Atom im Universum anerkannt und von den Gelehrten der Viktorianischen Aera als «Grundstein des Universums» bezeichnet. Man nahm an, so weit wie möglich gegangen zu sein und gefunden zu haben, was aller Manifestation und dem Objektiven überhaupt zugrundeliegt. Aber als das Radium und die anderen radioaktiven Stoffe erkannt worden waren, sah man sich einem völlig neuen Aspekt gegenüber; denn es war klar geworden, dass das als letzte Einheit angenommene Partikel [34] dies keineswegs war. Die Definition des Atoms (nach dem «Standard Dictionary») heisst nun:
«Ein Atom ist ein Kraftzentrum, eine Phase elektrischer Phänomene, ein Energiezentrum, aktiviert durch seine eigene innere Struktur, das Hitze oder Strahlung abgibt.»
Ein Atom sei deshalb (wie Lord Kelvin 1867 annahm) ein «Wirbel-Ring» oder Kraftzentrum und nicht ein Partikel dessen, was wir als berührbare Substanz verstehen. Dieses allerletzte Partikel der Materie ist jetzt erwiesen worden als aus einem positiven Energiekern zusammengesetzt, der wie die Sonne von den Planeten von vielen Elektronen oder negativen Korpuskeln umgeben ist und dadurch das Atom der früheren Wissenschaft in zahllose kleine Körper unterteilt. Die Elemente differieren entsprechend der Zahl und Anordnung dieser negativen Elektronen um ihren positiven Nucleus, und sie rotieren oder bewegen sich um diese zentrale elektrische Ladung, wie unser planetarisches System um die Sonne kreist. Professor Soddy führte in einer seiner letzten Arbeiten aus, dass im Atom ein ganzes solares System zu sehen sei - man erkennt die zentrale Sonne und die Planeten, die ihre Bahnen um diese herum verfolgen.
Es müsste jedem [35] von uns einleuchten, dass ein vollständig neuer Substanzbegriff sich eröffnet, sobald diese Definition des Atoms gründlich durchdacht und studiert wird. Dogmatische Behauptungen sind jedenfalls nicht mehr am Platze, denn inzwischen ist realisiert worden, dass vielleicht die nächste Entdeckung die Tatsache enthüllen könnte, dass die Elektronen selber Welten innerhalb von Welten sind. Eine interessante Spekulation in dieser Richtung findet sich im Buche eines englischen Physikers, in welchem er eröffnet, es würde möglich sein oder werden, das Elektron selbst weiter aufzulösen und zu unterteilen in, was er «Psychonen» nennt. Dies würde in Regionen führen, die dann nicht mehr dem Physischen zugerechnet werden könnten. Das mag heute noch ein Traum sein. Aber die Sache, mit der ich versuchen möchte, mein Denken und das Ihre zu beeindrucken, ist, dass wir kaum wissen, wo wir im wissenschaftlichen Denken stehen, ebenso wenig wie im religiösen und ökonomischen Bereich. Alles macht eine Periode des Übergangs durch; die frühere Sicht, durch die schier alles gesehen wurde, hat sich als falsch oder unzureichend erwiesen und das alte Denken kann sich nicht mehr angemessen artikulieren. Alles, was der Weise heute tun kann, ist, mit seiner Meinung zurückzuhalten, sich aber selbst dessen zu vergewissern, was ihn als Wahrheit anrührt, und sich dann zu bemühen, diesen speziellen Aspekt der Wahrheit zur Synthese zu bringen mit dem, was seine Brüder angenommen haben.
Vom Atom lässt [36] sich demnach sagen, dass es sich in Elektronen auflöst und in Kraft und Energiebegriffen ausgedrückt werden kann. Wenn man also ein Zentrum von Energie oder Aktivität vor sich hat, sieht man sich einem doppelseitigen Konzept gegenüber: einmal ist es das, was Bewegung oder Energie verursacht und dann, was diese mit Energie durchdringt oder aktuiert.”

 
5.3. Das Atom und die Evolution
 
In der Entwicklung der Menschheit (des Kosmos) sieht sie drei Entwicklungsstufen:
a. die Stufe der Atomenergie,
b. die Stufe der Gruppenkohärenz,
c. die Stufe der geeinten oder zur Synthese gebrachten Existenz.”
und sie schreibt über die Stufe der Atomenergie:
 
 
"Die Stufe der Atomenergie betrifft grösstenteils die materielle Seite des Lebens und entspricht der Kindheitsperiode eines Menschen oder einer Rasse. Es ist die Periode der Realitätsbezogenheit, der lebhaften Aktivität, vor allem der Entwicklung durch Handeln, oder der reinen Selbstbezogenheit und des Eigeninteresses. Sie bringt die materialistische Anschauung hervor und führt unweigerlich [25] zu Egozentrik. Denn sie beinhaltet die Erkenntnis des Atoms als ein in sich Abgeschlossenes und erkennt ebenso die menschliche Einheit als ein separates, von allen anderen Einheiten abgetrenntes Leben ohne Beziehung zu den anderen Lebenseinheiten."
 
 
5.4.  Das Atom und die Psyche - die Analogie zum menschlichen "Atom" oder die Frage, ab wann die Materie die Eigenschaft "Bewußtsein" aufweist .
 
Eine Vorbemerkung:
Die Frage, ob ein Atom Bewußtsein habe oder zu Empfindungen fähig sei, führt letztlich jedoch zu der Frage, daß es unmöglich ist, Bewußtsein und Empfindung zu definieren.
Es dreht sich also letztlich im die Frage, die Bailey - wie viele vor und nach ihr - versucht zu beantworten:
Was ist Bewußtsein (Intelligenz, Empfindung, Geist, ....)?
Auf welcher Stufe der Entwicklung der Materie (der Evolution) tritt es auf in dem Sinne, daß man es „Bewußtsein” nennen kann. Und wenn es (erst) auf einer bestimmten Stufe auftritt, kann man es dann als rudimentär, embryonal oder „angelegt” in den vorhergehenden Stufen ansehen?
Oder ist es nicht logischer, gleich davon auszugehen, daß die Materie auf jeder ihrer Entwicklungsstufen eine dieser materiellen Stufe entsprechende geistige Seite hat, ein „Bewußtsein”: in den physischen Atomen ein atomares Bewußtsein, im Mensch ein menschliches Bewußtsein, in den „höheren Atomen” wie Planeten, Sonnensystemen und Galaxien ein planetares, galaktisches oder gar kosmisches Bewußtsein vorhanden ist.
Das ist jedoch keine physikalische Frage mehr, sondern eine erkenntnistheoretische.
Bailey schreibt:
 
 
"Im Jahre 1895 hielt Sir. W. Crookes, einer [41] unserer grössten Gelehrten, eine interessante Vorlesung vor einem Chemikergremium in Grossbritannien, in der er sich mit der Fähigkeit des Atoms auseinandersetzte, sich den eigenen Weg zu wählen, zu verwerfen oder anzunehmen; und er wies nach, dass natürliche Selektion in allen Lebensformen verfolgt werden kann, vom damals letzten Atom ausgehend durch alle Seinsformen.
In einem anderen Artikel wird das Atom, noch weitergehend, als zur Empfindung fähig angesehen:
«Der kürzlich entstandene Streit, die Natur des Atoms betreffend - das wir in dieser oder anderer Form als letzten Faktor in allen physischen oder chemischen Prozessen ansehen müssen - scheint sich auf höchst einfache Weise lösen zu lassen, nämlich durch die Annahme, dass diese unendlich winzigen Massen - als Zentren von Kraft - eine bleibende Seele besitzen, und dass jedes Atom Empfindung und Bewegungskraft hat.»
Auch Tyndall führte in ähnlicher Weise aus, dass die eigentlichen Atome selbst «mit dem Wunsch zum Leben ausgestattet» zu sein scheinen.
Nimmt man diese unterschiedlichen Qualitäten des Atoms - Energie, Intelligenz, Fähigkeit zu wählen und abzuweisen, anzuziehen und zurückzustossen, Empfindung, Bewegung und Wunsch - zur Kenntnis, dann hat man etwas, was der Psychologie eines Menschenwesens auffallend ähnlich sieht, freilich in begrenztem Umfang und [42] in sehr definiertem Grad."

und:

"Wir können jede Einheit der menschlichen Familie als menschliches Atom betrachten, denn im Menschen ist das Atom lediglich grösser. Er ist ein Zentrum positiver Kraft, das die Zellen seines Körpers innerhalb der Peripherie seiner Einflusssphäre hält; er besitzt Unterscheidungskraft, Intelligenz und Energie. Es ist einzig ein Gradunterschied. Er besitzt ein ausgedehnteres Bewusstsein und vibriert in stärkerem Mass als das kleine Atom des Chemikers.
Die Idee lässt [43] sich noch weiterverfolgen und einen Planeten als Atom betrachten. Vielleicht gibt es ein Leben innerhalb des Planeten, welches die Substanz der Sphäre und alle auf ihm befindlichen Lebensformen als zusammenhängendes Ganzes festhält und das eine spezifische Einflussausdehnung hat. Das mag wie wilde Spekulation klingen, doch von der Analogie her könnte es auch innerhalb der planetarischen Sphäre eine Wesenheit geben, deren Bewusstheit so weit über der des Menschen liegt wie das Menschenbewusstsein über dem des chemischen Atoms.
Und trägt man den Gedanken noch weiter, so weit, dass er das Atom des Sonnensystems einschliesst, dann haben wir dort, im Herzen des Sonnensystems - der Sonne - das positive Zentrum der Energie, das die Planeten in seiner Einflusssphäre hält. Haben wir nun aber im Atom Intelligenz, im menschlichen Wesen Intelligenz, und haben wir im Planeten eine Intelligenz, welche alle seine Funktionen kontrolliert, sollte es dann nicht logisch sein, noch weiterzugehen und eine grössere Intelligenz hinter jenem noch grösseren Atom, dem Sonnensystem, zu vermuten?"
 
5.5.  Kleine Zitate
 
ein kleiner Auszug aus dem dritten Vortrag:
"Die Atome demonstrieren die Fähigkeit zur Unterscheidung, haben selektive Kraft und die Fähigkeit anzuziehen und abzustossen. Es mag kurios erscheinen, das Wort Intelligenz zum Beispiel in Verbindung mit einem Atom der Chemie zu gebrauchen; trotzdem verkörpert die Wurzelbedeutung dieses Wortes genau diesen Gedanken, denn es stammt aus den beiden lateinischen Worten «inter», zwischen [58] und «legere», wählen. Intelligenz ist also die Fähigkeit zu denken oder zu wählen, auszusondern und zu unterscheiden."

und aus dem vierten Vortrag noch eine kleine Bemerkung:

"Bei Betrachtung des Atoms ergab sich, dass dessen neueste Definition besagt, es sei in Wirklichkeit eine Kraft oder Energieeinheit, bestehend aus einer positiven elektrischen Ladung, die eine Anzahl negativer Teilchen mit Energie versorgt."
 
  Vielleicht erweist es sich als sinnvoll, noch weitere Zitate aufzunehmen. Auch ein Kommentar zu ihren Ansichten aus heutiger Sicht müssen noch folgen.  
Eine "weibliche" Physik  / Fremdtexte / Bailey, A.