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31.10. 2007
Grundfragen der Physik,
neu gestellt und beantwortet von einer Frau
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Geschichte der Physik - ein Abriß
Textauszüge zur Geschichte des Atomismus in Asien


Geschichte der Physik - Ein Abriß

Hg. Wolfgang Schreiner
VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften
DDR, Berlin 1988
ISBN 3-326-00094-4

Der Textauszug  ist dem Kapitel
„Physik“ im alten China und Indien (bis etwa 1600), Abschnitt "Atomismus"
entnommen.

Die Vorstellung der "Dyaden":
Auf der Seite "Struktur der Materie / Vielfalt"  gehe ich nur kurz auf diese asiatische Vorstellung von der Struktur der Materie ein. Da  sie jedoch weitestgehend unbekannt ist,  stelle ich hier die Original-Textstelle ausführlich vor. Die Seitenzahlen sind in Klammern eingefügt. Fette Hervorhebungen im Text sind von mir. - B. K.

Der forlaufende Textauszug ist von mir nach folgenden Aspekten untergliedert:
  1. Atomismus allgemein
  2. Die Dyade
 
  4. Der Atomismus des Dschinismus
5. Vorstellungen im Buddhismus
1. Atomismus, allgemein
Da vielfach sogar „eine präzise Beschreibung der Problemsituation“ fehlt, wirken   einige Auffassungen (S. 84) (Zitatanfang):
unverständlich, z. B. die über die ausdehnungslose, kugelförmige Gestalt der Atome und die Entstehung der Einzeldinge aus der Zusammenlagerung solcher Atome. Dahinter verbergen sich in der Regel tieferliegende Probleme, beispielsweise die Frage, welche Punktmengen, als die sich die aneinandergelagerten ausdehnungslosen Atome interpretieren lassen, ein positives Maß, d. h. Ausdehnung, die ein Attribut der Einzeldinge ist, besitzen. Speziell diese Frage nach den Punktmengen mit positivem Maß konnten erst die Mathematiker des ausgehenden 19. Jh. befriedigend beantworten. Der Nyaya-Vaischeshika lehrt, daß die vier materiellen Elemente von Atomen repräsentiert werden, denen verschiedene Eigenschaften oder Qualitäten beigeordnet sind. Diese Attribute waren ursprünglich auf die fünf Sinne beschränkt, wurden aber später um eine Vielzahl weiterer bereichert, die physikalische, chemische und mathematische Phänomene widerspiegeln. Zu denjenigen, die physikalische Eigenschaften beschreiben, gehören der Ton, die Farbe, die Schwere, die Zähigkeit, die Elastizität, der flüssige Zustand. An der Grenze zwischen physikalischen und chemischen Eigenschaften steht die Fähigkeit, Verbindungen einzugehen und sich aus Verbindungen zu lösen. Im Myaya-Vaischeshika sind beide reine physikalische Eigenschaften und bezeichnen die Entstehung und den Zerfall von Körpern durch Anlagerung von Atomen aneinander bzw. ihr Auseinanderfallen. Wesentliche Qualitäten der Atome in diesem System sind des weiteren die Ewigkeit, Unteilbarkeit, permanente Bewegtheit und die bereits erwähnte ausdehnungslose, kugelförmige Gestalt.
 
2. Dyade
Die Schwierigkeit des Übergangs von den ausdehnungslosen Atomen zu den ausdehnungsbehafteten Einzeldingen wurde erkannt und sollte dadurch überwunden werden, daß die Einzeldinge nicht unmittelbar durch die Aneinanderlagerung von Atomen enstehen, sondern in zwei oder mehr Stufen erfolgen sollte. Zunächst müssen und können sich nur je zwei Atome zu einer Dyade verbinden, die ihrerseits noch kein Einzelding ist. Die Atome werden als materielle Ursache für das Entstehen solcher Dyaden erklärt. Ihr Zusammenschluß wird von einer Wirkursache, genannt „adrishta“ (das Unsichtbare), bedingt. Die Dyaden bilden eine Zweiheit, wodurch sie mehr sein sollen als das Nichts, die ursprünglich einzelnen Atome. Sie sind die Ursache für die Entstehung der Einzeldinge, die aufgrund der Zusammenlagerung von wenigstens drei Dyaden, d. h. einer Triade, die die erste Vielheit darstellt, eintritt. Eine Vielheit aber, die nicht direkt aus den einzelnen Atomen, sondern aus mehreren Zweiheiten hervorgeht, stellt eine andere Größenordnung dar, der die Eigenschaft, ausdehnungsbehaftet zu sein, zuerkannt werden kann.
 
 
3. Sprache
Die Schwierigkeit des Übergangs von der Ausdehnungslosigkeit zur Ausdehnung scheint so durch einen Rückgriff auf die benutzte Sprache, das Sanskrit, bewältigt zu werden, in der zwischen dem Singular und dem Plural ein voll ausgebildeter Dual existiert. Zugleich werden durch diese Stufung zwei weitere Probleme bewältigt. Den einzelnen Atomen kommen, wie erwähnt, die Attribute Ewigkeit und permanente Bewegtheit zu. Die realen Dinge besitzen nach Ansicht des Nyaya-Vaischeshika diese Eigenschaften aber nicht. Durch eine direkte Zusammenlagerung der Atome müßten sie jedoch erhalten bleiben. Die Bildung der realen Dinge durch die Aneinanderlagerung von drei oder mehr Dyaden dagegen soll den Verlust beider Eigenschaften hervorrufen.
 
4. Dschinismus
Im Atomismus des Dschinismus sind die Atome ebenfalls ewig und in ständiger Bewegung begriffen. Im Vergleich mit der Zeit sind sie momentan, und sie nehmen (S. 85) einen Raum ein, der im Verhältnis zum umgebenden Raum punktuell ist. Sie besitzen wenigstens drei inhärente Attribute – die Anziehung, Abstoßung sowie Anziehung und Abstoßung. Weitere Eigenschaften wie Geruch, Geschmack, Farbe und Berührung kommen ihnen zumindest potentiell zu, da die sinnlich wahrnehmbaren Dinge derartige Eigenschaften ausweisen. Zwei und mehr Atome lagern sich aufgrund eines Unterschiedes von wenigstens zwei Einheiten der Anziehung aneinander zu einem Aggregat. Aggregate können auch aus unendlich vielen Atomen bestehen. Der Begriff des Unendlichen tritt dabei in mehreren Variaten auf: abzählbar, unzählbar, enendlich-unendlich. Die Aggregate besitzen ebenfalls die Attribute Anziehung, Abstoßung sowie Anziehung und Abstoßung. Infolge der Abstoßung können Aggregate zerfallen und neue Aggregate hervorbringen. Im Unterschied zum Nyaya-Vaischeshika-Atomismus unterscheiden sich die Atome des Dschinismus nicht qualitativ voneinander. Deshalb gibt es keine dschinistische Elementelehre. Außerdem sind die Atome im Dschinismus ohne Gestalt oder Form und werden als die leichteste existierende Materie beschrieben [ein Literatur-Hinweis ist eingefügt, den ich hier weglasse ].
 
 
5. Buddhismus
Nach der Lehre der beiden buddhistischen Schulen sind Atome kleinste Einheiten von Kräften und Wirkungen. Die Atome repräsentieren dabei sowohl je eines der vier Elemente als auch jeweils eine spezifische Kraft, z. B. sind die Erdatome kleinste Einheiten der Abstoßung. Es ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, daß in der damaligen Identifizierung von Materie mit Stofflichkeit diese Kräfteeinheiten als immateriell galten. Ein konkreter stofflicher Körper wird aus wenigstens 16 Primäratomen, d. h. den Kräfteeinheiten, und vier Sekundäratomen, die die Qualitäten Farbe, (S. 86) Geruch, Geschmack und Berührung darstellen, gebildet. Tönende Dinge erfordern zu ihrer Entstehung wenigstens ein weiteres Sekundäratom sowie vier Primäratome. Alle realen Dinge enthalten die Kräfteeinheiten in gleicher Qualität. Die Unterschiede zwischen ihnen entstehen aufgrund der verschiedenen Intensitäten der Kräfte der Elemente. Dabei kommt den realen Dingen aber keine stabile Existenz zu, sondern sie zerfallen ständig, um neu zu entstehen.
 
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