| 2. Ordnung und Mengenlehre |
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In der Mengenlehre geht es im weitesten Sinne darum, bestimmten Elementen einer Menge Eigenschaften (Attribute) zuzuordnen.
Ordnung stellt einen wesentlichen Aspekt der Mengenlehre dar. Doch es ist zu fragen, was in diesem Zusammenhang überhaupt unter Ordnung verstanden wird. |
siehe Mathematik Mengenlehre - das Ordnen der Elemente einer Menge |
| Lernen und Lehren |
Sieht man sich an, wie ein Kind an den Ordnungsbegriff herangeführt wird, kann man interessante Entdeckungen machen:
- Das Lernen von Farben und Formen ist eine erste Bekanntschaft auch mit dem Ordnungsbegriff: das Kind lernt, vorgegebene Bauelemente oder Bilder nach Farbe und Form zu ordnen, zu "sortieren".
Ein nachdenkenswertes Beispiel für Ordnung fand ich in der Bertelsmann-Lexikothek: wenn man alle Bücher alphabetisch nach Autor ins Regal stellt, das wäre - so meinten die Autoren - eine geordnete Ablage der Bücher.
Ebenso ist es mit den "Ordnungszahlen" - der Reihenfolge :
"erster", "zweiter", "dritter" Platz usw. , den z. B. Menschen in Hierarchien einnehmen, nicht nur im Sport oder in der Politik und im Konkurrenzkampf der Wirtschaft. |
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| Ordnungs-Prinzipien |
Farbe, Form, Zahlen oder Alphabet sind also Beispiele für "Ordnungskriterien" oder auch "Ordnungsprinzipien".
Bei den "Ordnungs"-Zahlen und dem Alphabet wird sehr schön deutlich, wie das "In-Reihe-Bringen" von zu ordnenden Dingen einer strengen Eindimensionalität folgt. Ordnung wird hier erzeugt wie in der Armee: die Soldaten stellen sich "in Reih und Glied" auf - und analog müssen sich die Dinge der Physik und Mathematik ordnen. Das Erkennen einer solchen linearen Ordnung ist natürlich der erste Schritt, den Begriff der Ordnung erfassen zu können. Doch es ist nicht nur eine eindimensionale Sicht, es ist auch eine äußerst statische Sicht: Bücher und Soldaten haben einen festen Platz, der unverrückbar ist oder nur unter Aufbringung von Kräften, Anstrengungen, Energien (Kämpfen!) zu verändern geht.
Je komplexerer ein Ordnungsprozeß ist, je mehr verschiedene Elemente eine Menge hat, desto mehr Kriterien müssen gleichzeitig berücksichtigt werden:
Ein einfaches Beispiel aus dem Alltag mag das zeigen: in jeder Kaufhalle (Supermarkt) sind die Gegenstände nach mehreren Kriterien geordnet - im allgemeinen auch in dieser Rangfolge - nach Produktbereich (Weine, Milchprodukte, Schreibwaren), Produktart (Milch, Joghurt, Käse, ...), Hersteller, Produktunterart, oft gleichzeitig auch preislich.
Man kann z. B. in der Produktart "Konfitüre" die Gläser so ordnen, daß alle Produkte der Firma "Schwartau" an einer Stelle stehen und alle Produkte der Firma "Mühlhausen" an anderer Stelle. Dann findet man bei Schwartau Erdbeerkonfitüre und bei Mühlhausen Erdbeerkonfitüre.
Theoretisch wäre auch eine Einordung in der Form möglich, daß alle Sorten Erdbeerkonfitüre an einer Stelle stehen. Diese Form der Einordnung ist äußerst selten. Was wäre aber angenehmer: die Übersicht über alle Schwartau-Konfitüren an einer Stelle zu haben oder die Übersicht aller angebotenen Erdbeer-Konfitüren? |
am Rande angemerkt:
Das Potential der Mengenlehre als Hilfsmittel, den Ordnungsbegriff zu begreifen, habe ich hier noch gar nicht berücksichtigt. |
| Ordnung, Chaos, Zweck und Sinn |
Jetzt wende ich in einem "Ordnungsexperiment" einmal das Ordnungsprinzip "alphabetische Reihenfolge der Namen" auf alle Gegenstände einer Kaufhalle. Es wird sicher ohne viel Erklärung deutlich, daß damit in der Kaufhalle das "blanke Chaos ausbrechen" würde: die Erdbeerkonfitüre stünde zwischen dem Edamer und dem Eßbesteck. Es wäre also völlig sinnlos, dieses Ordnungsprinzip in der Kaufhalle anzuwenden.
Damit ergibt sich ein Problem für die Physik:
Der Ordnungsbegriff muß an den Begriff "Sinn" bzw. "Zweck" gekoppelt werden - doch wie soll man "Sinn" und "Zweck" aus Sicht der Physik definieren?
Mit anderen Worten: die Wahl der Ordnungskriterien ist subjektiv: je nachdem, welchen Zweck ich mit der Herstellung einer bestimmten Ordnung (Struktur) verfolge, ordne ich vorhandene Elemente unterschiedlich an. Es ist subjektive Entscheidung, eine willentliche Entscheidung, oder - wenn man es so nennen will - die hergestellte Ordnung ist "willkürlich".
Doch noch etwas ist interessant:
Gesetz den Fall, für einen bestimmten Zweck genügen die vorgegebenen Elemente nicht, es fehlen Elemente, ohne die ich eine angestrebte Funktion bzw. Struktur nicht realisieren kann. Dann passiert etwas physikalisch völlig unerklärliches: der Mensch ist in der Lage, sich künstlich zusätzliche Elemente zu schaffen, die zu Strukturen angestrebter Funktion zusammengesetzt werden. Der - noch nicht in die Physik eingedrungene - Begriff hierfür ist "Kreativität".
Mit anderen Worten: will man Ordnungsprozesse umfassend in der Sprache der Physik beschreiben, muß man physikalische Definitionen nicht nur für den Begriff des "Zwecks" oder "Sinns" finden, sondern auch für den Begriff der "Kreativität". |
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| äußere Ordnung und funktionale Ordnung |
Wer unter "Ordnung" versteht, daß etwas eine regelmäßige Struktur zeigen muß, der ist - wie auch die Physik inzwischen erkannt hat - auf dem Holzweg: regelmäßig sind Strukturen, die sich in endlichen Dimensionen wiederholen (räumlich und zeitlich): ein Kristallgitter und eine Pendelschwingung z. B. haben diese "äußere" Ordnung, die sehr leicht zu erkennen ist. Eine zeitliche Struktur wird i. a. "Ereignis" oder "Prozeß" genannt und die "Kreisprozesse" sind eine solche Idee, geboren aus dem Bedürfnis nach äußerlich erkennbarer Regelmäßigkeit.
Bei einmaligen Strukturen und Ereignissen sind solche äußeren Regelmäßigkeiten nicht bzw. nur in kleinen Bereichen erkennbar:
Sprache beispielsweise, speziell die Schriftsprache zeigt äußerlich äußerst unregelmäßige Strukturen (gelegentliche Wortwiederholungen in kleinen Bereichen einmal außer acht gelassen). Deren Besonderheit ist, daß sie mit Informationen "überlagert" sind: Information und Ordnung ist an anderer Stelle zu untersuchen. Jetzt bleibe ich nur bei der Struktur der Sprache unter dem Aspekt der Ordnung - und da zeigt sich, daß die Ordnung der Sprache in ihrer Funktionalität besteht.
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| Ordnung und Ästhetik |
Die Ordnung eines Uhrwerkes, einer Maschine, erst recht die "Ordnung" in der Natur sind gegenüber der äußerlichen Ordnung von wesentlich höherer Komplexität, Funktionalität und Ästhetik.
Nun kommt eine wesentliche Erfahrung von mir, ein AHA-Erlebnis von großem Genuß:
Dort, wo die Funktionalität ihre Meisterschaft erreicht hat, ist sie von außerordentlicher Ästhetik. D. h. ich erkenne funktionale Ordnung an ihrer Schönheit!
Was ist "Schönheit" aber für ein Begriff? - Eines ist klar: bisher hatte Schönheit in der Physik nichts verloren. Nun schmuggle ich sie über den Begriff der "funktionalen Ordnung" ein. Lassen Sie sich überraschen, was dabei noch herauskommen wird. Jetzt widme ich mich erst einmal anderen Beziehungen von Ordnung, Harmonie usw. |
Am Rande bemerkt: vielleicht mögen einige Texte von mir jetzt noch wie "chaotisch" zusammengestellt aussehen. Ich versichere Ihnen, Sie werden irgendwann die "funktionale Ordnung" dahinter, vielleicht sogar eine Spur "Harmonie" finden! Versprochen. |
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