Auch erkenntnistheoretisch ist der Regenbogen spannend: Er ist ein sehr anschauliches Beispiel für die Frage, was "Sein" ist. Was bedeutet es, wenn man sagt "Es gibt ..." ? Die Dinge des Alltags - da sind wir uns sicher - die "gibt es".
Gibt es Schatten oder Wasserwirbel? Ein Wasserwirbel ist Wasser, das sich in besonderer Weise bewegt und dadurch den Eindruck erweckt, er besäße eine relative Eigenständigkeit und relativer Stabilität wie ein normaler Körper. Doch der Körper bleibt stabil aus sich heraus, während der Wasserwirbel verschwindet, wenn kein Wasser bzw. keine Kraft mehr zugeführt wird. Das Wort "Wasserwirbel" ist nur die Verdinglichung der Tätigkeit, daß Wasser sich kreisförmig bewegt. Ein Schatten ist nur ein Stück Oberfläche, auf das kein Licht fällt, während in der Umgebung Licht auf die angrenzende Oberfläche fällt. Die Illusion des "Seins" entsteht durch die Tatsache, daß diese Fläche zusammenhängend ist und sich mitbewegt wie eine zweidimensionale Figur. Er verschwindet bei trübem Licht oder Dunkelheit.
Mit dem Begriff "Regenbogen" erfolgt in diesem Sinne ebenfalls nur die Verdinglichung eines Vorgangs - der Tatsache, daß Licht an Regentropfen reflektiert wird. Er ist also ebensowenig ein "Ding" wie der Wasserwirbel oder der Schatten. Worte wie "Phänomen", "Ereignis" oder "Erscheinung" sind zur Beschreibung besser geeignet als das Alltagswort "Ding".
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