| 3. Körper - Raum - Materie und die abgeleiteten Begriffe |
Einige Fragen sollen auf Widersprüchlichkeiten und Probleme bei der Verwendung des Materie- bzw. Substanz- Begriffes aufmerksam machen: |
| |
Gibt es Materie ohne Raum oder Raum ohne Materie?
Der abstrakte Raumbegriff, der den Raum auch "leer", materiefrei annimmt, ist viel kritisiert worden, die Gleichsetzung von Raum und Materie auf der anderen Seite ebenfalls. Die "Geometrisierung" der Materie in der Allgemeinen Relativitätstheorie hat dieses Problem auf die Spitze getrieben.
Daß Materie das "im Raum Ausgedehnte" meint, dürfte die einfachste Verknüpfung beider Begriffe sein. |
|
| |
Welche Formen der Materie gibt es?
Im allgemeinen geht man von den vier Aggregatzuständen (fest, flüssig, gasförmig, "feuer"-förmig bzw. ionisiert als Plasma) der massetragenden Körper aus, deren "Formen" unterschiedlich stabil sind: von formbeständig über oberflächenbildend-fließend bis raumfüllend-behälterform-annehmend bzw. als freie Atmosphäre um einen Festkörper (Planeten) herum sich nach außen immer mehr "verdünnend" sowie als Plasma schließlich sich jeder "Form-Beschreibung" entziehend ist alles möglich, einschließlich von Zwischenformen vor allem im Bereich zwischen fest und flüssig.
Es ist unüblich, die im Ergebnis von menschlicher Kreativität erzeugten Formen (Kunstwerke, Bauten, Gebrauchsgegenstände, Werkzeuge ) als Teil der natürlichen Formenvielfalt zu sehen. Andererseits werfen gerade sie die Frage auf, welchen Anteil der "Geist" auf die Formung der Materie insgesamt hat. Manche sprechen direkt von der "Materialisierung des Geistes".
Auch die biologischen Formen (Formen der Lebewesen) werden wenig beachtet, wenn es um das Verhältnis von Form und Materie geht. Doch gerade diese zeigen eine äußerst bemerkenswerte Eigenschaft der Materie: ihre "Evolution", ihren dynamischen Aspekt - Materie ist in ständigem Wandel begriffen, bringt immer wieder neue Formen und immer komplexere (!) Systeme hervor. Die Vielfalt der Möglichkeiten geht selbst bei der Annahme einer endlichen Menge an Materie ins Grenzenlos-Unendliche. In diesem Sinne können wir uns wohl kaum vorstellen, welches Kreativitätspotential noch in der Materie schlummert, welche Formen sie in Zukunft noch hervorbringen kann, so in den nächsten 5 - 10 Milliarden Jahren. Manche sprechen direkt von der "Vergeistigung der Materie". |
|
| |
Gibt es eine "Lichtsubstanz"?
Mit dieser Frage will ich lediglich auf die Kompliziertheit des Substanz-Begriffes hinweisen: einerseits wird Licht gern als "Korpuskel", als Photon beschrieben, andererseits ist es nicht üblich, Licht als "materiell", als "Substanz" zu sehen.
|
|
| |
Was bedeuten die Begriffe "Realität", "Sein", "Wirklichkeit"?
Es gibt ein anschauliches Beispiel, an dem die Problematik dieser Begriffe deutlich gemacht werden kann: der Wasserwirbel:
1. Sichtweise:
Ich erkenne das Wasser und seine Bewegungen "von außen". Wenn ich Wasser sehe als See, Fluß, Regen, dann sehe ich: das ist alles Wasser, nur manchmal bewegt es sich, manchmal ist es in Ruhe. Es kann Tropfen bilden oder Oberflächenwellen, es kann sich als Regen von oben nach unten und als Fluß im Ganzen bewegen. Aus dieser Sicht heraus ist auch ein Wirbel im Wasser nichts anderes als bewegtes Wasser. Man kann sagen: es gibt keine Wirbel, es gibt nur bewegtes Wasser. Man kann aber auch sagen: der Wirbel ist ein "Ding", ein Gegenstand, ein Körper. Bewegung oder Körper - Energie oder Masse - man kann es nicht unterscheiden. Diese beiden Deutungsmöglichkeiten führen wahrscheinlich zum Streit zwischen den Vertretern beider Richtungen. ....
2. Sichtweise:
Wenn ich "im Wasser" bin, werde ich Probleme haben, es überhaupt wahrzunehmen. Es ist ja "überall" und es macht sich nur bemerkbar als Strömung, als Widerstand, wenn ich mich darin bewege, oder eben als Wirbel bzw. Strudel. Ich werde also auf meinem Weg, das Wasser zu erkennen, zuerst den Strudel, den Druck bzw. Widerstand, die Strömung erkennen, noch ohne zu wissen, was das ist, das da strömt, sich bewegt, mir widersteht. Erst mit der Zeit werde ich erkennen können, daß all diesen verschiedenen Erscheinungen eine einzige Realität zugrunde liegt, das Wasser. In dieser Sichtweise wird beispielsweise zuerst das "Ding" Wirbel wahrgenommen, ehe ich erkennen kann, daß das "nur" bewegtes Wasser ist. Zu dieser Erkenntnis bin ich jedoch nur fähig, wenn ich die allen Wahrnehmungen gemeinsame eine Ursache suche. Wenn ich mich zufrieden gebe, den Wirbel als "Teilchen" zu beschreiben, bleibe ich auf halbem Weg der Erkenntnis des Wassers stecken.
Gut, das Beispiel hinkt ein wenig. Doch vielleicht kann es anschaulich machen, wieso die Menschen schon vor langer Zeit die Idee von einem ungeformten Urstoff hatten, aus dem alle geformten
Erscheinungen der Wirklichkeit hervorgehen.
|
|
|