Ich zitiere noch einmal – wie in der Einleitung - aus dem Märchen von Brüderchen und Schwesterchen:
„ ... aber das Schwesterchen hörte, wie es im Rauschen sprach:...“
Als beide an den Bach kommen, hört Brüderchen nichts, aber Schwesterchen hört „den Bach sprechen“. Sie kann die Informationen, die dem Wasser aufgeprägt sind, hören, aufnehmen, „wahr“-nehmen. Sie hat einen „Sinn“, ein „Ohr“ für diese Informationen. Das Brüderchen ist „taub auf diesem Ohr“.
Der Bach, der von der Hexe verändert wurde, hat diese Veränderung gespeichert und gibt die Information darüber ständig ab (übrigens im „Fridolin-Atommodell“ ein ganz einfacher und ganz leicht vorstellbarer Prozeß). Der Bach sagt, daß er verändert wurde, daß er gefährlich geworden ist. Er warnt die Menschen mit seinen Signalen. Es ist anzunehmen, daß es Signale sind, die nicht in „wörtlicher“ Form gesendet und empfangen werden. Es könnte das sein, was „Intuition“, „unterbewußte Wahrnehmung“, „Gefühl aus dem Bauch“ genannt wird.
Schwesterchen sagt, was es hört, dem Brüderchen.
Die Frau „übersetzt“ aus der wortlosen Sprache
des Baches in die Wort-Sprache des Mannes.
Der glaubt ihr nicht, denn was sie sagt, gefällt ihm nicht, ist seinem Interesse – nämlich zu trinken – hinderlich. Er hört nicht auf sie und wird zum Tier, verwildert. Vielleicht kann auch der Mann „hören“, was in dem Rauschen verborgen ist? In der Sprache der modernen Psychologie heißt das: Der Mann verleugnet seine „weibliche Seite“, er muß sie wieder zulassen. Solange er das nicht tut, bleibt er, menschlich gesehen, nur ein „halber Mensch“. Wenn er „ganz“ werden will, „heil“ werden, muß er sich auf die Suche machen. Diese Suche ist sehr schön beschrieben in dem Buch des Partnerpsychologen Hans Jellouschek: „Die Froschprinzessin – Wie ein Mann zur Liebe findet“, Kreuz Verlag Stuttgart 2001, ISBN 3 7831 1940 5. Das Buch ist auch für Frauen sehr lesenswert, denn es gibt einen tiefen, warmherzigen Einblick in die zerrissene Psyche des Mannes.
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