| 1.3. Die Gefahren der Abstraktion |
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Sowohl bei der wissenschaftlichen Abstraktion als auch bei der Quantifizierung des Wissens spielt die Mathematik eine Hauptrolle*. Zählend, messend, in Formeln sich kleidend, „quantifizierend“ (!) hat die Physik zunehmend die Betrachtung der qualitativen Phänomene sowie die anschauliche, konkrete Darstellung ihrer Ergebnisse außer acht gelassen.
Die Abstraktionen der Wissenschaft können heute in der Bevölkerung – vor allem im Schulbildungsbereich – kaum noch nachvollzogen werden. Das zeigt sich z. B. daran, daß SchülerInnen oft nicht verstehen, was sie lernen (sollen). Sie lernen das Unverstandene auswendig, stopfen sich mit leeren Worthülsen voll, reproduzieren möglichst wortgenau das vom Lehrer verlangte Wissen. Selbst zu denken, wird kaum verlangt.
* Ausführlichere Gedanken hierzu habe ich in meiner Mathematik-Arbeit formuliert.
Sie entstand im Jahr 1997 unter dem Titel „Eins plus eins gleich eins?
Dumme Gedanken eines dummen Weibes über die Krone der Wissenschaft, die Mathematik |
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Wie die Gefahren, die von dieser Abstraktion und „Ver-Mathematisierung“ ausgehen, bereits erkannt werden, will ich anhand einiger Zitate zeigen:
Joel Kramer & Diana Alstad:
Die Guru Papers - Masken der Macht
1. Auflage , April 1995, Zweitausendeins, S. 18
Aus dem Vorwort - Bemerkungen zum 6. Kapitel :
Die Macht der Abstraktion : Das Heilige Wort und die Evolution der Moral
„ .... wollen wir zeigen, wie aus gedanklichen Konzepten Herrschaftsmechanismen werden. Jede Weltanschauung ist durch eine nur ihr eigene, einzigartige Abstraktion definiert. ... Welche Kraft von naturwissenschaftlichen Abstraktionen ausgeht, ist offensichtlich. ...“
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Gisela Graichen
Die neuen Hexen - Gespräche mit Hexen
Vollständige Taschenbuchausgabe 1989, Knaur Nachf. München , S. 314:
„Uns ist bewußt geworden, daß das männliche abstrakte Denken sich so weit von der Natur entfernt hat, daß wir kurz vor einer Katastrophe stehen, wenn wir nicht das weibliche, naturbeinhaltende Sein als ganz wichtige Ergänzung dazunehmen.“ |
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Brigitte Muth
Mathematik - Eine Einführung
Orbis - Verlag, Sonderausgabe 1990
Verlagsgruppe Bertesmann GmbH, Gütersloh 1983, 1990
aus dem Vorwort
„Mit wirtschaftlichen Kalkulationen, Hochrechnungen und Statistiken gewappnet, beeinflussen in zunehmendem Maß Fachleute die Entscheidungen in Wirtschaft und Politik; ihre mathematische Sprache wird dabei oft zum Zaubermittel, das Einwände des mündigen Bürgers rasch verstummen läßt.“
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Ein „wissenschaftliches Experiment“ möchte ich vorstellen, das die Gefahren des heutigen wissenschaftlichen Denkens und der heutigen Wissenschaftsgläubigkeit in einer Weise gezeigt hat, die beängstigend ist.
In dem Buch von Stanley Milgram „Das Milgram-Experiment“ (Stanley Milgram: Das Milgram-Experiment, Rowohlt Taschenbuch Verlag Reinbeck 1982, 12. Auflage Oktober 2001, ISBN 3 499 17479 - 01) beschreibt er seine Experimente aus den 60er Jahren über die Gehorsamkeit von Menschen Autoritäten gegenüber: Die Versuchspersonen mußten den Anweisungen einer autorisierten Person, des Experimentators folgen, und einen „Schüler“ mit elektrischen Stromstößen wachsender Stärke „bestrafen“, wenn dieser „Fehler“ machte. Die Stromstöße waren nur vorgetäuscht, der Schüler spielte die Schmerzen nur.
Auf der Rückseite des Taschenbuches heißt es:
„Drei Viertel der Durchschnittsbevölkerung können durch eine pseudo-wissenschaftliche Autorität dazu gebracht werden, in bedingungslosem Gehorsam einen ihnen völlig unbekannten, unschuldigen Menschen zu quälen, zu foltern, ja zu liquidieren.“
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Inzwischen erhebt die Wissenschaft im öffentlichen Leben einen Autoritätsanspruch, dem der normale Mensch nicht gewachsen ist. Es scheint, als wären die außerwissenschaftlichen Interessen in diesem Prozeß, im Machtbereich von Politik und Wirtschaft zu suchen – und es scheint, als ginge es hier dann doch wieder um die Frage nach dem Geschlecht,
um den Platz der Wissenschaft als Teil
der Macht- und Gewaltmittel patriarchaler Strukturen*.
* siehe Anhang: Frauenwissen: die Literatur der Matriarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth |
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Diese wenigen Beispiele lassen bereits erkennen, daß es dringend erforderlich ist, öffentlich darüber nachzudenken, welchen Platz die Wissenschaft heute in der Gesellschaft hat und welchen sie in Zukunft einnehmen soll, wie die weitere Wissenschaftsentwicklung verlaufen soll:
Soll sie sich zunehmend als bedrohliches Herrschaftsinstrument weniger über andere entwickeln oder soll sie ein wunderbares, vergnügliches Hilfsmittel für alle beim Denken und Erkennen, bei der Erleichterung unseres Alltags sein?
Diese Frage geht meiner Meinung nach über das Anliegen der „feministischen Wissenschaftskritik“ hinaus. Denn es wird offensichtlich, daß die Gefahr, die von der heutigen einseitigen „Verwissenschaftlichung“ ausgeht, sowohl für Frauen als auch für Männer existiert – und daß diese Gefahr nicht von Frauen allein abgewendet werden kann.
Meiner Meinung nach besteht die einzige Möglichkeit, den Autoritätsanspruch der Wissenschaft zu überwinden, darin, die Menschen zum selbständigen Denken zu befähigen.
Es geht also letztlich heute um die gleiche Frage wie vor 400 Jahren, am Beginn des "wissenschaftlichen Zeitalters" (siehe G. Bruno):
WIE denken wir?
Sind wir z. B. in der Lage, „Neues zu denken, neues Denken zu lernen?“ In Abschnitt 3 lade ich Sie ein zu einem Versuch, zu einem Gedankenexperiment, „Neues zu denken“. Folgen Sie mir?
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