| 4. Meine Gedanken zur Zukunft des Vereins |
| Vorgeschichte 2003 |
Nachdem ich im Jahr 2003 Mitglied geworden war, hatte ich auch versucht, mich aktiv in die Vereinsarbeit einzubringen. In einem ersten Anlauf war ich angemeldet in die Geschäftsstelle nach Berlin geeilt, um dort zu erleben, daß die anwesenden Frauen keine Zeit für mich hatten. Meine Angebot, die Verbindungsfrau zum Deutschen Frauenrat zu werden, scheiterte an älteren Ansprüchen einer Mit-Frau. Die Details sind unwichtig, nur soviel: ich hatte hierfür Zeit und Geld investiert, das dann vergeblich war.
Weiteres Engagement hätte auch finanzielle Aufwendungen gebracht, die mir mit Hartz IV nicht mehr möglich waren. Da ich auch den
Mindestjahresbeitrag von 20 Euro nicht aufbringen konnte (Ich glaube, so etwas ist für Außenstehende nicht vorstellbar, doch irgendwann reißt die Decke, die nach allen Seiten gezogen wird), wurde meine Mitgliedschaft auf "ruhend" gestellt. Doch ich habe es die ganze Zeit bedauert, daß diese finanzelle Situation es mir unmöglich machte, unbeschwert im Verein mitzuarbeiten. Mit dem Rundbrief im Januar 2007 sah ich dann eine Möglichkeit, mich wenigstens geistig wieder einbringen zu können. Hier meine Gedanken für die Zukunft des Vereins: |
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| Aus meiner Mail an den Verein (2007), die im nächsten Rundbrief abgedruckt wurde: |
Das Problem, das hinter der gegenwärtigen Krise sichtbar wird, ist zum einen, daß Anfangsziele des Vereins heute auf anderen Ebenen realisiert werden oder einfacher realisierbar sind. Zum anderen gibt es offenbar insgesamt eine Art "Vereinsmüdigkeit" junger Menschen.
Es könnte sein, daß in Zeiten des Internets andere Strukturen als der klassische Verein effektiver sind, gemeinsame Interessen zu realisieren und Gedanken auszutauschen.
So wäre aus meiner Sicht ein Internet-Forum des Vereins längst überfällig, in dem sich Frauen über ihre Probleme in Wissenschaft und Technik austauschen können. Dieses Forum verlangt eine vorsichtig führende Moderation, die bei Streitfragen sachliche und gut fundierte Informationen einbringt oder beschafft, die gezielt Fragen in die Diskussion einbringt usw.
Die Erkenntnisse aus den Diskussionen (das halte ich für besonders wichtig, denn viele Foren ermüden an ständigen Wiederholungen und langatmigen Diskussionen) müßten regelmäßig zusammengefaßt werden und übersichtlich dargestellt werden. Den Foren-Teilnehmerinnen müßte deutlich werden, daß es um mehr geht als nur "Dampf ablassen" - daß ihre Meinungsäußerungen Basis werden für Aktivitäten des Vereins.
Den Mitgliedern des Vereins müßten Formen der Zusammenarbeit angeboten werden, die sozusagen von zu Hause aus und zu beliebiger Zeit Aktivitäten ermöglichen (Proteste, Forderungen an die Politik, Öffentlichkeitsarbeit in den Medien usw.)
Die Aufgabe, in den Medien stärker über Frauen in Naturwissenschaft und Technik zu informieren, halte ich für die allerwichtigste: das muß jedoch spannend, unterhaltend, neugierig-machend erfolgen.
Sorry, vieles, was Verein, Rundbrief und FiNuT-Kongresse bieten ist für potentielle Interessentinnen an Wissenschaft und Technik einfach zu langweilig! |
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Es gibt noch ein Grundsatzproblem, das öffentlich gemacht werden muß und daß leider schon im Namen des Vereins erkennbar ist - er ist nur für "Naturwissenschaft" zuständig. Das war einmal ein wunderbarer Schachzug: erst die Teilung von Religion und Wissenschaft (aus erkenntnistheoretischer Sicht typisch männlich, typisch unweiblich), dann die Teilung der Wissenschaftsgebiete.
Diese Teilung der Wissenschaft in Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft zu überwinden, ist eine grundsätzliche Voraussetzung, die gegenwärtige Stagnation der Wissenschaften zu überwinden. Diese Initiative kann (und muß wahrscheinlich) von Frauen ausgehen. |
Zu diesem Problem hat die "Koryphäe" in ihrer Ausgabe Nr. 45 (Mai 2009) einen Beitrag von mir veröffentlicht - nachzulesen hier in Zukunft |
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Die heute und zukünftig wichtigste Aufgabe der Frauen in Wissenschaft und Technik heißt: politische Einmischung!
Ich kann es auch anders sagen: die philosophische Durchdringung und ethische Hinterfragung der Naturwissenschaften und der Technik ist das objektive Hauptproblem der Wissenschaft heute - es verlangt nach neuen Anstrengungen, dem Mißbrauch zu begegnen und Wissenschaft und Technik mit humanen Zielen zu verknüpfen.
Deshalb wäre eine stärkere politische Einmischung* in wissenschaftspolitische Grundfragen aus meiner Sicht das Hauptbetätigungsfeld für NUT!
Ich erinnere noch einmal daran, daß die Hälfte der Forschungskapazität heute immer noch in die Rüstung gesteckt wird und die gegenwärtigen Ausgaben für Militärtechnik in der Lage wären, innnerhalb von weniger als 10 Jahren alle ökonomischen Probleme der Menschheit (Kindersterblichkeit, Trinkwasserprobleme, Bildungsnotstand, Arbeitslosigkeit usw. ) und einen großen Teil der wachsenden Umweltprobleme zu lösen! |
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* "Politische Einmischung" - das bedeutet: 1. die gemeinsamen Interessen der Frauen IN und AUSSERHALB der Wissenschaft an einer friedlichen Nutzung von Wissenschaft und Technik vertreten
2. Einfluß auf Wissenschaftspolitik nehmen: z. B. öffentlich machen, welche Projekte gefördert werden und welche nicht
3. Frauen unterstützen, die sich einer Arbeit verweigern, die Wissenschaft und Technik mißbraucht |
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| Ergänzung aus einer Nachtrags-Mail |
Ergänzung zu 1., die gemeinsamen Interessen von Frauen in und außerhalb der Wissenschaft zu vertreten:
Wie ich ja immer wieder erlebe, ist den meisten Frauen vieles, was mit Wissenschaft und Technik zu tun hat, egal bis unangenehm. Das Unangenehme ist vor allem die Drohung (diese Drohung / Bedrohung muß ich wohl nicht ausführlich begründen?), die von beiden ausgeht. Doch die meisten müssen passiv mit dieser Angst leben: Angst vor dem, was aus dem Wissenschafts- und Technikwahn einiger Männer noch an Gefahren für die Erde und die Menschheit erwächst. Dieser Gefahr stellt sich die Politik zu wenig entgegen. Ich denke, daß viele verantwortungsvolle Wissenschaftlerinnen und Technikerinnen daran ein großes Interesse haben, sich aber oft allein fühlen und nicht wissen, wie sie etwas Wirksames tun können. Sicher würden sich viele gern öffentlich - und im Namen der Frauen (und Männer), die selbst nicht wirklich etwas tun können, schon gar nicht allein - gegen diese Bedrohung engagieren. Dafür brauchen sie eine Plattform, eine Struktur, ein Gremium, das ihre Aktivitäten bündelt und öffentlich macht. Das könnte NUT sein, denke ich.
Randbemerkung: Ich arbeite gerade zwei Essaybände von Heide Göttner-Abendroth durch, in denen sie allgemein zur Überwindung patriarchaler Strukturen den Gedanken äußert, daß die Frauen den Männern helfen müssen, ihre "Vertierung", ihre "Verwilderung" zu überwinden. Ich denke, dieser Gedanke ist sehr gut auch auf Wissenschaft und Technik übertragbar. In diesen Büchern finden sich übrigens auch sehr kluge Gedanken zum weiblich-matriarchalen Wissenschaftsverständnis, die ebenfalls verdienten, öffentlich (z. B. in einen solchen Internetforum) diskutiert zu werden.
Eine zweite Ergänzung habe ich noch zu dem Thema, daß es Frauen und Männern ziemlich egal ist, daß sich so wenig Frauen und Mädchen für Wissenschaft und Technik interessieren. Das Problem, daß diese einseitig-männlich geprägt sind, zu wenig das "weibliche Denken" einbeziehen, ist nach wie vor ungelöst. Auch das wäre eine mögliche zukünftige Aufgabe des Vereins, öffentlich für Frauen sichtbar und dem "weiblichen Denken" angepaßter über Wissenschaft und Technik und deren Zukunft nachzudenken. Dies könnte z. B. statt in einem Rundbrief für Vereinsmitglieder in einer Zeitschrift für Frauen, die sich für Wissenschaft
und Technik interessieren, realisiert werden.
Vielleicht könnt Ihr ja zusätzlich zum Rundbrief auch auf Eurer Webseite einige Vorstellungen über die Zukunft des Vereins zur Diskussion stellen? Meist bekommt man ja durch die Gedanken anderer erst selbst wieder neue Ideen. |
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