www.eine-weibliche-physik.de -   Startseite   » Physikerinnen  »  DPT   »  DPT 2008
18. 11. 2008
Grundfragen der Physik,
neu gestellt und beantwortet von einer Frau
Startseite Inhalt Neues Fremdtexte Kinder-Spiel Wittenberg
Struktur Atommodell Mathematik
Physikerinnen
DPT 2008
 
 

Die Physikerinnentagung 2008 in Münster
mein   Blick aus der Ferne auf die Tagung

Die Details des Programms und Ablaufs
dieser Physikerinnentagung sind natürlich am besten auf der Website der Physikerinnentagung (www.physikerinnentagung.de) abrufbar.  Die Tagung fand - wie immer am ersten Wochenende im November, also -  vom Donnerstag abend (6. 11.) bis Sonntag mittag (9. 11.) statt.

Die finanzielle Hürde war in diesem Jahr nicht zu nehmen, so daß ich nur aus der Ferne Anteil nehmen konnte an dieser, wie die Selbstdarstellung der Veranstalter und die Medien es nannten, "größten Tagung dieser Art in Europa". Ca. 300 Physikerinnen haben teilgenommen.

 Hier gibt es
  1. Ein kleiner Informationsextrakt aus anderen Quellen
 
3. Meine Gedanken
1. Ein kleiner Informationsextrakt aus anderen Quellen
Tagungsort
Die "WWU Münster", die Westphälische Wilhelms-Universität Münster, war der diesjährige Tagungsort. Das Organisations-Team stand unter der Leitung von Frau Professor  Cornelia Denz, Leiterin des Instituts für Angewandte Physik der Uni Münster. Sie forscht auf dem Gebiet  der optischen (holographischen) Datenspeicherung. Das meint, daß die Daten nicht auf der Oberfläche eines Speichers, sondern innerhalb eines Kristalls, sozusagen im ganzen Volumen, dreidimensional statt zweidimensional, gespeichert werden.  Das Fachgebiet nennt sich "Photonik", angeleht an den Begriff für die Licht-"Teilchen", die Photonen.
Plakat der DPT 2008

Das Poster der Tagung
Schirm-Herrin
 Auch in diesem Jahr stand die Tagung unter der Schirmherrschaft von Frau Dr. Annette Schavan, der Bundesministerin für Bildung und Forschung.  In diesem Jahr orientierte ihr Grußwort auf folgende Schwerpunkte:  
 
 
Frauen sind in der Physik unterrepräsentiert. Nur 21 Prozent aller  Studienanfänger sind weiblich. In den Reihen der Promovierenden reduziert sich ihr Anteil weiter, obwohl Frauen meist überdurchschnittlich qualifiziert sind. Nicht einmal siebzig Professorinnen gibt es unter den bundesweit rund 1500 Physik-Dozenten.
Um den Anteil von Frauen in den Naturwissenschaften zu erhöhen, hat die Bundesregierung den Nationalen Pakt für mehr Frauen in MINT-Berufen auf den Weg gebracht. Mit dem Girls’ Day oder dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt ”Roberta“ sollen zudem frühzeitig das Interesse der Schülerinnen für Naturwissenschaften und Technik geweckt und Vorurteile abgebaut werden.
Um auch langfristige Perspektiven für hoch qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen zu schaffen und die Attraktivität einer naturwissenschaftlichen Karriere zu steigern, hat die Bundesregierung ein Professorinnenprogramm gestartet.
Die Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Gastgeberin der diesjährigen Physikerinnentagung, engagiert sich besonders in der Frauenförderung. Im vergangenen Jahr ging der Frauenförderpreis der Universität an das Netzwerk der Nachwuchswissenschaftlerinnen. Der Fachbereich Physik beteiligt sich am Girls’ Day und spricht mit seinem Experimentierlabor ” MexLab Physik“ gezielt Schülerinnen und Schüler an, um deren Interesse an Naturwissenschaften und insbesondere an der Physik zu fördern. Dieses Engagement hat Erfolg: Im vergangenen Jahr waren rund 30 Prozent der Münsteraner Erstsemester in Physik weiblich.
Diese Entwicklung gilt es weiter zu fördern. Die 12. Deutsche Physikerinnentagung bringt Physikerinnen vieler Fachgebiete aus dem deutschsprachigen Raum und aus Europa zusammen, ermöglicht einen intensiven Dialog und trägt dazu, bei das Bild der Physik in der Öffentlichkeit zu verbessern.
Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Tagung wünsche ich interessante Vorträge, spannende Diskussionen und viele neue Ideen für ihre wissenschaftliche Arbeit.
vollständiger Text des Grußwortes, entnommen dem als pdf-Datei veröffentlichten Programmheft

fette Hervorhebungen im Text von mir - B. K.
Eröffnung und Grußworte
Die Tagung begann am Donnerstag mit Eröffnungsrede und Grußworten. Das Org-Team erwähnte, daß es 44 Vorträge und 29 Poster geben wird und daß "zahlreiche international bekannte, hochkarätige Rednerinnen" gewonnen werden konnten. Neben dem Vortrag von Luise F. Pusch  über "die Frage einer gendergerechten Muttersprache"  wurde auch die Podiumsdiskussion erwähnt:
"Ein weiteres Highlight der Tagung ist die Podiumsdiskussion am Samstag, bei der wir der Frage nachgehen, ob Alphamädchen noch Gleichstellung brauchen."
Bei diesen beiden Veranstaltungen bedauere ich es ganz besonders, nicht dabei gewesen sein zu können.
Sonstige Informationen
Nicht nur der Eröffnungsvortrag wurde in diesem Jahr in englischer Sprache gehalten (es ging um den "big bang" und den "little bang" - den großen Urknall und den Versuch, ihn sozusagen "im Wasserglas" - das meint im Laboratorium - nachzuvollziehen - also auch um das Experiment im CERN in der Schweiz, wo das größte und teuerste physikalische Experiment aller Zeiten im September gestartet wurde - mit dem LHC, dem 27 km langen Kreisbeschleuniger), ca. ein Drittel aller Vorträge waren in englischer Sprache.  Darf ich erinnern, daß es eine "deutsche" Physikerinnentagung war?
 
Vortragsthemen  - eine kleine Auswahl
 
Die Vielfalt der Themen-Bereiche und der spannenden Vorträge macht es schwer, eine Auswahl zu treffen. Deshalb können die folgenden Informationen nur ein Lockangebot sein, selbst einmal in das Programmheft zu schauen oder ggf. zur nächsten Physikerinnentagung zu fahren.
Meine Auswahl wird also sehr subjektiv sein und vor allem wird sie stärker philosophisch-erkenntnistheoretische und methodische Themen berücksichtigen und Bezug zu meinem Projekt "Physik zum Anfassen" haben.
 
Quanten-Kryptographie
Thema:
Quantenkryptographie: Geheime Botschaften aus Licht

Dieses Thema - die abhörsichere Verschlüsselung von Nachrichten - scheint ein besonders wichtiges Forschungsgebiet der Physik zu sein, denn bereits auf der Physikerinnentagung 2007 wurde darüber ein Vortrag gehalten.
Aus dem abstract:
"... Die Information, die ein Spion über den Schlüssel bestenfalls erhalten kann, ist aufgrund des No-Cloning-Theorems begrenzt. Experimentelle Realisierungen von Quantenkryptographie basieren meist auf polarisierten Photonen. Eine der theoretischen Herausforderungen auf dem Gebiet der Quantenkryptographie ist die Berechnung von sicheren Schlüsselraten. Zunächst wird dazu der Begriff ”Sicherheit” definiert. Dann wird gezeigt, wie man sogenannte ”glatte” Renyi-Entropien für eine endliche Zahl von Signalen berechnet, und welche Schlüsselraten sich daraus ergeben."
Referentin:
Dagmar Bruß — Institut für Theoretische Physik, Heinrich Heine Universität Düsseldorf
Philosophie, Physik und Didaktik
Thema:
Philosophie und Physik. Was kann uns die Philosophie über die Verlässlichkeit physikalischer Modelle sagen?
aus dem abstract:
"... Erst seit Kurzem setzen sich Philosophen vermehrt auch mit eher anwendungsorientierten Feldern der Wissenschaft auseinander. An Hand dieser neuen Forschungen gibt dieser Vortrag Einblick in das Verhältnis von Wissenschaftstheorie und Physik. Die Klimatologie dient dabei als Paradebeispiel einer angewandten physikalischen Disziplin.
Obgleich Klimamodelle im politischen Diskurs das gleiche Vertrauen genießen wie etwa die Newtonschen Gravitationsgesetze, so ist die Verlässlichkeit von Klimaprognosen doch nicht dieselbe wie Prognosen der ”klassischen” Physik. Der Vortrag zeigt auf, inwieweit gegenwärtige Klimamodelle den klassischen Qualitätskriterien von Wissenschaftlichkeit, wie sie im 20. Jahrhundert etwa C. Popper formulierte, nicht zu genügen vermögen. Allerdings impliziert dies nicht, dass gegenwärtige Klimamodelle ”unwisssenschaftlich” sind. Es stellt sich der Wissenschaftstheorie jedoch die drängenden Frage, in welchem Sinne Systeme wie das Klimasystem - hochgradig nichtlinear und fern des Gleichgewichts - überhaupt prognostizierbar sind?"
Referentin:
Rafaela Hillerbrand — Philosophisches Institut, RWTH Aachen

fette Hervorhebungen im Text von mir - B. K.

Nein, nein, ein In-Frage-Stellen von Poppers Wissenschafts-Theorie dürfte damit nicht verbunden sein.
Lehrtätigkeit, allgemeine Fragen
Thema:
Warum brauchen Mädchen (und Jungen), die nicht Physik studieren, trotzdem eine naturwissenschaftliche Grundbildung?


aus dem abstract:
"... werden Fragen rund um den naturwissenschaftlichen Unterricht in Deutschland zurzeit verstärkt diskutiert. Zentral ist dabei auch die Frage nach den Zielen des naturwissenschaftlichen Unterrichts. Während lange Zeit in der Diskussion und Forschung der gymnasiale Unterricht, der auf ein naturwissenschaftlich-technisches Studium vorbereiten sollte, im Vordergrund stand, wird mittlerweile eher ein Bildungskonzept zugrunde gelegt, das auf eine anschlussfähige naturwissenschaftliche Grundbildung abzielt, die die Teilhabe an einer von Naturwissenschaft und Technik stark geprägten Gesellschaft ermöglicht.
In dem Vortrag soll ein Einblick in die aktuelle Diskussion und Forschung bezüglich des naturwissenschaftlichen Unterrichts, dessen Zielsetzung und Realisierung gegeben werden. Ein Schwerpunkt soll dabei auf die nach wie vor relevante Frage nach der Situation von Mädchen in den so genannten harten naturwissenschaftlichen Fächern gelegt werden. Hierzu wird diese Situation kurz skizziert, und es werden Ansätze zur gezielten Förderung von Mädchen vorgestellt. Dabei geht es eben nicht nur um die (wichtige) berufsorientierte Förderung von Mädchen, sondern auch um die Förderung von Interessen und Kompetenzen von Mädchen und auch Jungen, die nicht eine naturwissenschafts-bezogene Ausbildung anstreben."
Referentin:
Mirjam Steffensky, Uni Lüneburg
Handlungs-orientiertes Lernen
Das Thema:
Exploratives Lernen im Physikunterricht
das vollständige abstract:
"Handlungsorientiertes Lernen ist seit längerem in der Pädagogik ein feststehender Begriff, dennoch wird es in der gängigen Schulpraxis insbesondere der Gymnasien kaum umgesetzt. Eingehende Untersuchungen verschiedenster Bildungsforscher über Mädchen im Physikunterricht haben ergeben, dass bestimmte Rahmenbedingungen des Physikunterrichts den Lernerfolg der Schülerinnen erhöhen können.
Weiterhin wurde im Rahmen dieser Untersuchungen festgestellt, dass eine Orientierung des Unterrichts an den Mädchen auch den Jungen zugute kommt, ja sogar eine Qualitätssteigerung des Physikunterrichts spürbar wird. Doch wie muss Physikunterricht gestaltet werden, damit das Interesse von Mädchen an physikalischen Fragestellungen geweckt wird? Einen vielversprechenden Ansatz, der bisher im klassischen Physikunterricht wenig verfolgt wurde, bietet das handlungsorientierte Lernen. Insbesondere der Teilaspekt ”Erkunden und Erforschen” bietet vielfältige Möglichkeiten des selbstentdeckenden Lernens. Im Vortrag werden einige Beispiele aufgezeigt, wie selbstentdeckendes Lernen im Physikunterricht ermöglicht werden kann."
Referentin:
Stefanie Geisbusch

fette Hervorhebungen von mir -  B. K.
2. Das Interview mit Frau Prof. Cornelia Denz
 
Auf der Seite  der Physikerinnentagung gibt es auch ein Information über das Medienecho - 15 Links weisen auf Zeitungs-, Internet- und Rundfunkinformationen hin.
So titelte das Stadtmagazin "Echo Münsterland" in seinem Beitrag vom 18. 10. 2008:
"Oberstufenschülerinnen eingeladen: Karriere als Physikerin starten? "
um dann über das Schülerinnenprogramm der Physikerinnentagung zu informieren, in dem nicht nur Vorträge zur aktuellen Forschung angeboten würden, sondern sich die Schülerinnen auch testen lassen können, ob sie für den Beruf der Physikerin geeignet sind (Zitat):
"Im "Berufsparcours", der von Karin Ressel vom Technikzentrum Minden-Lübbecke entwickelt wurde, können kleinere Experimente und Aufgaben ausgeführt werden. Anhand eines Laufzettels erfolgt anschließend eine persönliche Auswertung zur Eignung für dieses Berufsfeld."

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) überschrieb ihre Pressemitteilung vom 6. 11. 2008:
"Größte europäische Physikerinnentagung in Münster" und schrieb dann u. a.:
"Münster/Westfalen, 6. November 2008 – Die größte europäische Tagung von Physikerinnen wird heute an der Westfälischen Wilhelms-Universität eröffnet. Mehr als 200 Physikerinnen aus Deutschland und dem benachbarten Ausland werden in Münster erwartet, um über neueste Forschungsergebnisse, Karrierechancen und die Verknüpfung von Beruf und Privatleben zu diskutieren."

Es gab auch überregionale Informationen, so im Deutschlandradio Kultur und im Deutschlandfunk, wobei letzter ein Interview mit einem männlichen Wissenschaftsjournalisten, Herrn Frank Grotelüschen, brachte,  der seinerseits mit den Physikerinnen gesprochen hatte. Das ganze  trägt auf der Website des Deutschlandfunks die Überschrift:
" Fortschritt auf niedrigem Niveau
Frauen in der physikalischen Forschung"
Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

Ein kleines Zitat aus der längeren Pressemitteilung der WWU Münster sei noch gestattet:
"Vier Tage lang eroberten mehr als 300 Physikerinnen Münster, um aktuelle Ergebnisse der Forschung in über 50 Vorträgen und mehr als 40 Postern zu präsentieren und zu diskutieren. Die 12. Deutsche Physikerinnentagung an der Westfälischen Wilhelms-Universität, die gemeinsam von Physikerinnen des Fachbereichs Physik und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ausgerichtet wurde, war ein voller Erfolg und machte Mut für die Zukunft. "
 
 
Ein Medien-Beitrag gefiel mir besonders: ein Interview des SWR mit Frau Prof. Cornelia Denz, der Leiterin des Org-Teams der Physikerinnentagung, akustisch abrufbar auf dessen Website. Hier meine Übertragung  einzelner Ausschnitte nach dem Gehör in Schriftsprache:
 
 
Auf die Frage einer Journalistin, worin die Faszination dieser Wissenschaft besteht, antwortete sie:
"Das sind sicher ganz verschiedene Dinge. Einerseits beschäftigt sich die Physik natürlich sehr intensiv mit der Frage, wo wir herkommen, wie ist die Erde entstanden, was ist der Urknall, gab es den und wie ist er vonstatten gegangen. Und da ist die Wissenschaft ja inzwischen sehr weit. Wir haben ein großes Experiment, den Linear Hadronen Collider, den LHC in Genf, der in Kürze wahrscheinlich herausfinden wird, wie es denn so war, kurz nach der Entstehung der Welt, in dieser Ursuppe, in der die Temperatur wie hunderttausend Sonnen war und sich langsam die einzelnen Elemente herausgebildet haben. Und auch die Theorie stellt inzwischen fest, wie das so war kurz nach dem Urknall, wenn sich die Welt gebildet hat. Und das ist natürlich sehr faszinierend. Andererseits kann die Physik aber auch mit allen Erkenntnissen, die sie hat, über die verschiedensten Disziplinen heute sehr viele Anwendungen herausarbeiten.
Unser Gebiet, das mich ja fasziniert, ist die Optik. Und wir beschäftigen uns damit, mit Licht Daten zu speichern und informationsverarbeitende Systeme der Zukunft zu entwerfen. Das ist dann schon ganz handfest und ist natürlich auch sehr schön, die zukünftige Gesellschaft mit zu gestalten."


Zur Frage nach dem geringeren Interesse der Mädchen an der Physik sagte Frau Prof. Denz:
"Dem würde ich gar nicht so sehr zustimmen. Ich glaube, wir müssen da ein bißchen tiefer blicken. Denn tatsächlich ist es so, daß sehr viele Mädchen, auch jüngere Mädchen, sich sehr stark für diese Themen interessieren, wie für Naturwissenschaft und Technik überhaupt. Aber es gibt ein großes , starkes Sozialisations-Entwicklungsproblem, daß irgendwo in der Schule Mädchen gesagt wird: „Das ist gar nicht so sehr was für euch. Ihr seid doch viel mehr soziale Wesen, ihr wollt doch was mit Sprachen oder mit Menschen tun. Und den Jungens wird gesagt, Ihr seid doch so logisch, ihr könnt doch so was sehr gut. Und dann scheiden sich da die Geister, sprich die Geschlechter. Die Mädchen haben in der Pubertät weniger Interesse an diesen Fächern und dann ist es etwas, für das sie sich in der Oberstufe oder auch für das Studium oder auch für den Beruf nicht mehr entscheiden. Aber begeisterungsfähig zu Beginn, vor der Pubertät sind beide Geschlechter gleichermaßen. Das haben viele Untersuchungen herausgfunden."

Ich zitiere sie weiter:
"Diese Tagung ist wirklich eine Erfolgsgeschichte. Viele haben sich auch noch angemeldet vor Ort. Es waren über 300 Physikerinnen, die sich getroffen haben, und die sind wirklich überall in der Welt der Physik vertreten. Es gibt eben Physikerinnen, die sich mit Fragen der Entstehung der Erde, mit Urknall, mit Astrophysik beschäftigen. Es gibt aber genauso welche, die sich damit beschäftigen, wie kann man - ja - neue Systeme entwickeln, z. B. wie kann man Medikamente geschickt einschleusen, sozusagen Trojanische Pferde an gewisse Körperstellen, um dann dort zum Beispiel Krebs zu bekämpfen. Fragen, wie kann man neue Geräte, Mikroskope bauen, um die kleinsten Einheiten zu untersuchen, die sind alle vertreten gewesen. D. h. die Frauen besetzen sozusagen alle aktuellen und hochkarätigen Themen der Physik und haben die auch sehr erfolgreich präsentiert auf der Tagung."
und
"Also, das Potential der Physikerinnen sehe ich eigentlich in allen Bereichen und ich würde sagen, die alte Regel „den Frauen die Hälfte der Welt” würde auch in der Physik sehr gut tun. Denn es gibt so viele Frauen, die so viele hochaktuelle Themen bearbeiten, daß es sehr sehr schade wäre, würde man dieses Wissen verlieren oder diese Frauen nicht motivieren können, in der Forschung zu bleiben. Ansonsten sehe ich wirklich, daß Frauen keine anderen Themen besetzen wie Männer und die großen Themen werden sicherlich sein in der Zukunft der Grundlagenforschung:
wie kann ich erklären, wie der Urknall vonstatten ging, aber auch Fragen, wie kann ich Nanotechnologie oder optische Technologien für neue Anwendungen präparieren. Und diese beiden Äste werden hoffentlichvon Frauen wie Männern in der Zukunft gleichermaßen bestimmt werden."
 
3. Meine Gedanken
 
Natürlich ist es immer wieder faszinierend zu sehen, an welchen Themen Physikerinnen heute  arbeiten, welche phantastische Technik sie für ihre Experimente zur Verfügung haben und  in welche Tiefen der Struktur der Materie sie vordringen können.
 
 
Ein Fakt am Rande: die Liste der Autorinnen und Autoren nannte ca. 190 Namen.  Anfangs war von 200 Teilnehmerinnen die Rede. Im Interview sagte Frau Prof. Denz dann, daß sich "kurzfristig" noch weitere Physikerinnen angemeldet hatten, so daß es zu den mehr als 300 Teilnehmerinnen gekommen war.
Wenn ich jetzt vermute, daß die Physikstudentinnen in Münster kurzfristig gebeten wurden, alle an der Tagung teilzunehmen, dann ist das eine Behauptung, die ich nicht beweisen kann.
 
 
Weder habe ich im Programmheft etwas von der österreichischen Zeitschrift Koryphäe gelesen, noch von Vereinen von Frauen in Naturwissenschaft und Technik, die sich auf der Tagung vorstellten. Vielleicht habe ich es ja nur übersehen. Doch wahrscheinlicher ist, daß sich die bereits im Jahr 2003 erkennbare Tendenz der Vereinzelung der Wissenschaftlerinnen  weiter fortgesetzt hat:  die meisten Physikerinnen sehen in erster Linie ihre Karriere. Ein geschlechtsspezifisches gemeinsames Engagement  für z. B. politische bzw. soziale Fragen der Wissenschaft bzw. für eine Wissenschaftskritik aus weiblicher Sicht ist nicht erkennbar. 

Das Fehlen einer solchen Kritik ist beängstigend, denn sie ist Voraussetzung dafür, daß eine Wissenschaft lebendig bleibt: wenn sie sich auf alle möglichen Fehler und Irrungen abklopfen läßt.  Eine solche Kritikfähigkeit zu trainieren könnte eine Aufgabe der Physikerinnentagungen sein.

Es bleibt also bei meinem Verdacht von 2007: die Physikerinnentagung ist nur ein "Kaderschmiede" für  eine Wissenschaft mit extremen Nachwuchssorgen.
Hoffentlich kann ich im nächsten Jahr bessere, hoffnungsvollere Gedanken über die Physikerinnentagung 2009 denken und aufschreiben.
 
Eine "weibliche" Physik  / Physikerinnen / DPT /DPT 2008