| 1. Informationen über einige der Vorträge |
| Donnerstag, der 1. 11. |
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| Eröffnung und Grußworte |
Die Tagung begann am Donnerstag mit Eröffnungsrede, Grußworten des Präsidenten der Uni Augsburg und einer Vertreterin der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. |
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Die Schirmherrin der diesjährigen Physikerinnentagung, Frau Dr. Annette Schavan, MdB, Bundesministerin für Bildung und Forschung, hatte ein Grußwort an die Teilnehmerinnen gerichtet, das im Programmheft abgedruckt ist. Ich zitiere daraus nur die folgende Stelle:
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Dieses Zitat
beziehe ich
auf der Seite Krise im Thema Wissensch.-Theorie in die Analyse ein |
| Eröffnungs- Vortrag |
zum Thema "Tumortherapie mit Ionenstrahlen" .
Nüchtern hieß es in der Ankündigung:
"Seit 10 Jahren werden mit dem Teilchenbeschleuniger bei der GSI in Darmstadt Tumorpatienten mit Kohlenstoffionen bestrahlt. .."
Was sich dahinter verbarg, war - gelinde gesagt - eine Sensation.
Die Vorteile der Kohlenstoffatome für die Strahlentherapie sind vor allem die genauere Dosierung, die ortsgenaue Positionierung der Wirkung des Strahles, die geringeren Nebenwirkungen gegenüber herkömmlicher Strahlentherapien, schnellerer Rückgang des Tumors usw.
Die physikalischen Details waren sehr spannend (ich lasse die wenigen Informationen darüber hier weg), noch spannender war die Information darüber, daß Deutschland auf diesem Gebiet führend in Europa und mit in der Welt ist, daß angesichts der bisherigen Erfolge mehrere klinik-orientierte Therapieeinheiten in Deutschland und Europa in Vorbereitung sind.
Diese Therapie scheint eine große Hoffnung und Chance für Krebspatienten zu werden. |
Referentin Wilma Kraft-Weyrather von der GSI in Darmstadt |
| Sektempfang |
Der Abend klang aus mit einem Stehimbiss, zu dem Sekt gereicht wurde. Ich schaute mich um, ob ich bekannte Gesichter entdeckte. Mit zwei "älteren" Physikerinnen, die wie ich etwas allein herumstanden, schloß ich Bekanntschaft. Auch sie wollten einfach mal wieder "Physik-Geist" spüren. |
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| Freitag, der 2. 11. |
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| Quanten-Kryptographie |
Barabara Kraus vom Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Institut für Theoretische Physik kündigte ihren Vortrag so an:
"Das Ziel der Kryptographie ist es, zwei Personen die Möglichkeit zu geben, völlig sicher miteinander zu kommunizieren. Das heißt, dass die Kommunikation nicht von einer dritten Person mit angehört werden kann. Während die Sicherheit klassischer Kommunikationsprotokolle meist auf unbewiesenen Annahmen beruht, konnte gezeigt werden, dass die Quantenkryptographie uneingeschränkt sicher ist. ..."
Es ging dann aber nicht um das "Anhören", sondern das Entschlüsseln einer verschlüsselten Nachricht. Heutige Verschlüsselungssysteme sind angesichts der fortschreitenden Möglichkeiten der Computertechnik nur noch ein Problem der Rechenzeit. Der "Feind" (dieses Wort fiel) soll diese erst einmal nur theoretisch ausgedachte Möglichkeit der Verschlüsselung dann nicht mehr knacken können, er soll die Nachricht nicht mehr "verstehen". Für mich als Laie erschien das ganze ziemlich weit hergeholt und die Vorbereitung des Nachrichtenaustausches viel zu aufwendig und kompliziert. Natürlich ist das ein vorerst ganz und gar theoretisches Thema, bei dem noch nichts über mögliche praktische Umsetzung gesagt wird. Natürlich hat dieses Thema mit Militärforschung nicht das geringste zu tun. |
Am Rande - der "Feind" hatte einen Namen: "Eve" |
| Licht-Materie-Wechselwirkung |
Licht-Materie-Wechselwirkungen in Quantenstrukturen: Optik auf der Nanoskala
Dieser Vortrag von Frau Prof. Ulrike Woggen (Uni Dortmund) zeigte mir - ohne daß ich hier auf Details eingehen will - daß die Quantenphysik eine ausgesprochen "weibliche" Komponente hat: Die Verschränkung zweier diskreter Zustände ist auf eine Art und Weise möglich, daß man jeden beliebigen Zustand dazwischen in einem Kontinuumsfeld erzeugen kann. |
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| Inflation in Quanten-Kosmologie |
Dieser Vortrag verdient eine sehr ausführliche Vorstellung:
Cecelie Hector - DAMTP Cambridge, UK - hatte ihn im Programmheft so angekündigt:
"Kosmologische Experimente zeigen, dass
unser Universum nahezu flach sowie homogen und isotrop ist. Im Rahmen der
einfachen Urknallvorstellung erfordern diese Eigenschaften sehr spezielle Anfangsbedingungen, die
unser Universum extrem unwahrscheinlich erscheinen lassen. Dieses Problem ("Finetuning") wird
ueblicherweise durch die Idee der Inflation - einer Phase extrem schneller Ausdehnung direkt nach
dem Urknall - gelöst. Die Inflation benötigt jedoch ihrerseits bestimmte Anfangsbedingungen. Sind
diese zu speziell, kann Inflation nicht als Lösung des Finetuning-Problems angesehen werden. Die
nun zu beantwortende Frage ist also: Wie wahrscheinlich ist Inflation?
In diesem Vortrag werde ich vorstellen, wie diese Frage im Rahmen der Quanten-Kosmologie zu
beantworten ist."
Im Vortrag selbst zeigte sie, was dabei herauskommt, wenn man aus den "möglichen Anfangssituationen" die Wahrscheinlichkeiten für die inflationäre Ausbreitung des Universums berechnet - bei einer Annahme der Gleichverteilung der Wahrscheinlichkeiten der möglichen Zustände.
Dann stellte sie fest, daß die Berechnungen zu Divergenzen führen, die man dadurch beseitigen kann, daß man annimmt , daß das Universum flach ist - so können die divergierenden Bestandteile aus dem Integral geworfen werden.
Doch auch die Auswertung dieses Ansatzes war unbefriedigend, denn sie ergab nur, daß für die Anfangszeit die Wahrscheinlichkeit inflationärer Expansion höher ist als für spätere Zeiten.
Leider kann man auch vom Universum nur erfahren, entweder wie groß es ist oder wie schnell es sich ausdehnt, aber nicht beides.
Komischerweise beeinflussen in der Rechnung die Wege mit der geringsten Wirkung am stärksten das Ergebnis - das war auch so eine Erkenntnis, die sie verblüffte.
Als sie dann noch davon sprach, daß sie die "unphysikalischen Freiheitsgrade loswerden" wollte (damit meinte sie die rein mathematischen Freiheitsgrade in der Berechnung), indem sie bestimmte Eichbedingungen einführt - sie sprach in diesem Zusammenhang von "Geistfeldern" - war die Zeit fast um und sie konnte nur noch erwähnen, daß bei einer klassischen Berechnung der Inflation "Divergenzprobleme" auftreten.
Die Frage in der Diskussion, was man denn von einer solchen Wahrscheinlichkeitsangabe hätte, blieb unbeantwortet. |
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| Didaktik der Physik |
Gleich zwei Vorträge konnte ich miterleben:
Prof. Rita Wodzinski (Uni Kassel) sprach über
"Naturwissenschaftliche Bildung vom Sachunterricht zum Fachunterricht"
und Dr. Silke Roehter von der Versuchsschule des Landes NRW in Bielefeld über
"Fächerübergreifender Grundkurs: Energiegewinnung für die Erdbevölkerung - Ein Unterrichtsbeispiel aus der Sekundarstufe II"
Thema Nr. 1 wird angekündigt:
In den letzten Jahren wurden zahlreiche
Anstrengungen unternommen, die naturwissenschaftliche Bildung (insbesondere im Hinblick auf die "harten" Naturwissenschaften Physik und Chemie) vom Kindergarten
bis zur gymnasialen Oberstufe zu stärken. In der Grundschule und in der Sekundarstufe I ist
bereits vieles in Bewegung geraten. Einige Bundesländer haben darüber hinaus in Klasse 5 und
6 das Fach Naturwissenschaften eingeführt, um einen bruchlosen Übergang vom Sachunterricht
zum Fachunterricht zu realisieren. Wichtige Voraussetzung für ein fruchtbares Ineinandergreifen
der Bemühungen um eine Stärkung der Naturwissenschaften in der Schule ist jedoch, dass die
Schnittstellen klar definiert sind und alle Beteiligten eine Vorstellung von den Zielen und Arbeitsweisen der verschiedenen Stufen haben. Der Vortrag gibt einen Überblick darüber, inwieweit die
Abstimmung der Bildungsziele für den Bereich Physik bisher gelungen ist, zeigt Problemfelder auf
und schlägt Ansatzpunkte für Lösungen vor."
Was ich dann in diesem Vortrag erlebte, erschütterte mich zutiefst. Unter Verwendung modernster Modewörter bestach er durch eine sehr hohe Abstraktionsebene, hinter der die uralten Probleme ungelöst vorschauten wie vor 40 oder 50 Jahren, z. B. der Feststellung, daß das Interesse an Physik und Chemie in der Mittelstufe "besonders stark abnimmt, vor allem bei Mädchen".
Sie weist darauf hin, daß man das Ansehen der Naturwissenschaften "retten" wollte, indem man es zum Hauptfach macht , so daß es "damit Bedeutung für die gesamte Schulkarriere hat".
Sie erzählt von den Hoffnungen auf "Steigerung naturwissenschaftlicher Leistungen durch die Kontinuität des Lernprozesses", von den "Erwartungen der Industrie-Verbände", die viel Geld reinstecken, um das Interesse an Naturwissenschaften in der Gesellschaft zu erhöhen und mehr Studierende und Fachkräfte zu bekommen.
Sie erzählte auch davon, daß man hofft, aus der Aufwertung des Fachunterrichts rückwirkend eine stärkere Anerkennung des Sachunterrichts zu erreichen.
Dann führte sie Statistiken vor, in welchen Bundesländern welche Regelungen beim Sachunterricht gelten.
Ich kann mir vorstellen, daß es sehr zeitaufwendig ist, "zeitnah" aussagen zu können, in wie vielen Bundesländer Physik ab Klasse 5 oder 6 und in wie vielen Bundesländer Physik ab Klasse 7 unterrichtet wird.
Sie plädierte für Standards bzw. Verbindlichkeiten für den Sachunterricht und stellte mögliche Verfahren dafür vor.
Ja, auch der Satz fiel, daß man von der Lebenswelt der Kinder ausgehen müsse.
Sie betonte, daß die Abstimmung zwischen Sach- und Fachunterricht nicht nur praktisch, sondern auch in der Theorie schwierig sei.
Die Diskussion wandte sich dann sehr praktischen Fragen zu, z. B. der nach der Kompetenz des Fachlehrers und der Ausbildung der Lehrer.
Eines der Probleme sei, daß es aus der Fachunterrichts-Didaktik her Probleme gäbe, sich in die Sachunterrichts-Problematik hineinzudenken.
Jemand sprach in der Diskussion an, daß die Geschichte der Physik zu kurz komme, jemand anderes sprach von der Einführung des Modelldenkens in der 5. und 6. Klasse anhand des Teilchenmodells.
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Silke Roethers Thema wird im Programmheft angekündigt:
"Die Autorin unterrichtet am Oberstufenkolleg Bielefeld diesen selbstentwickelten, jahrgangsübergreifenden
Grundkurs, der sich über zwei Semester an Schülerinnen und Schüler richtet, die weder Physik noch in den meisten Fällen eine andere Naturwissenschaft als Leistungskurs belegt haben.
Der physikalische Inhalt des Grundkurses bezieht sich hauptsächlich auf die Themen *Arbeit*
und *Energie*. Nachdem ein möglichst genauer Begriff von diesen Größen erarbeitet sein wird, geht es um die verschiedenen Formen von Energie und wie man sie ineinander umwandeln kann.
Hierbei spielen der Energieerhaltungssatz und auch die Hauptsätze der Wärmelehre eine wichtige
Rolle. Folgende Teilgebiete der Physik werden angeschnitten: Mechanik, Elektrodynamik, Optik,
Thermodynamik, Relativitätstheorie, Quantenphysik, Atom- und Kernphysik.
Um die Energie für die Menschheit nutzbar zu machen, benötigt man Kraftwerke aller Art, wobei der Schwerpunkt des Kurses vor allem auf alternative Formen der Energiegewinnung liegen
wird. Weitere Fachdisziplinen, die im Kurs herangezogen werden, sind: Wirtschaft, Politik, Soziologie, Geographie, Ökologie und Ethik.
Im Vortrag werden nach einem kurzen Überblick über den gesamten Aufbau des Kurses vor allem
die Methoden diskutiert und welche Kompetenzen der "gebildete Laien" erwerben kann. Insbesondere soll auf die Adressaten dieses Kurses eingegangen werden und wie er einen Beitrag leisten
kann, "Außenstehende" für Naturwissenschaften zu interessieren. Erste Beobachtungen zu Stärken
und Schwachpunkten des zurzeit sich in Erprobung befindlichen Unterrichtskonzepts werden vorgestellt." |
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| Samstag, der 3. 11. |
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Auf die am Vormittag besuchten Fachvorträge und die Postersitzung gehe ich hier nicht ein, lieber erwähne ich die beiden Vorträge, die sich unmittelbar an meinen anschlossen: |
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| Philosophie für Physikerinnen |
Der Dozent, Professor
Heinz-Jürgen Schmidt von der Universität Osnabrück, hatte ihn im Programmheft so angekündigt:
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"Trotz Komprimierung der Studieninhalte in den Bachelor- und Masterstudiengängen gibt es immer noch - oder
schon wieder - Physikstudentinnen, die sich für philosophische Fragen interessieren. Wie kommt
das? In dem Vortrag werden dazu drei Thesen diskutiert, die sich durch die Stichworte Naturphilosophische Motivation, Überschreitung von Grenzen der Fachdisziplin und wissenschaftstheoretische Selbstreflektion charakterisieren lassen. Dennoch besteht die Gefahr, dass die interessierte
Physikstudentin durch die Lektüre von Fachphilosophen enttäuscht wird. Am Schluss des Vortrags
werden deshalb Tips zu geeigneter Literatur gegeben." |
Dieser Vortrag wurde sehr wichtig für mich:
Eine Folge ist z. B. das neue Kapitel in der Wiss.-Theorie: weibl. Philosopie Auf dieser Seite gibt es ausführlichere Informationen über den Vortrags-Inhalt. |
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Prof. Schmidt gab erwartungsgemäß eine Vorstellung von Physik zum besten, wie sie heute allgemein üblich ist - ich kann sie nur sinngemäß wiedergeben - Physik ist die mathematische Bearbeitung von aus Experimenten gewonnenen Daten. |
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| Carl Friedrich von Weizsäcker und die Atomwaffen |
Der genaue Titel des nächsten Vortrages war:
"Atomwaffen für die Bundeswehr? Carl Friedrich von Weizsäcker und die Göttinger Erklärung"
Die Referentin, Elisabeth Kraus aus Frankfurt am Main gab im Jahr 2001 eine Studie heraus:
Von der Uranspaltung zur Göttinger Erklärung
Otto Hahn, Werner Heisenberg, Carl Friedrich von Weizsäcker und die Verantwortung des Wissenschaftlers
Ein Geleitwort von Carl Friedrich von Weizsäcker ist dieser Studie vonrangestellt, das läßt annehmen, er habe den Aussagen darin zugestimmt.
Ihr Vortrag auf der Physikerinnentagung wurde angekündigt mit:
"Carl Friedrich von Weizsäcker ist am
28. April dieses Jahres verstorben. Am
28. Juni wäre er 95 Jahre alt geworden.
Weizsäcker war der Initiator und Organisator der Göttinger Erklärung und der politische Kopf der
Unterzeichner. Vor 50 Jahren, am 12. April 1957, veröffentlichten Weizsäcker und seine siebzehn
Kollegen ihre Erklärung zur Atombewaffnungspolitik der Adenauer-Strauß-Regierung. Sie sprachen sich für einen deutschen Atomwaffenverzicht aus, lehnten jegliche Mitarbeit an Atomwaffen
ab und erklärten ihre Bereitschaft, weiterhin bei der friedlichen Verwendung der Atomenergie
mitzuwirken. Wie kam die Göttinger Erklärung zustande? Was bewirkte sie?"
Die Göttinger Erklärung wurde am 12. 4. 1957 verabschiedet. Mitten in Zeiten atomarer Aufrüstung auf beiden Seiten der feindlichen Lager rechneten die deutschen Physiker damit, aufgefordert zu werden, Atomwaffen für Deutschland zu bauen. C. F. v. Weizsäcker sagte sinngemäß: Hätte man uns aufgefordert, hätten wir uns weigern können.
Frau Dr. Kraus sagt "Die Deutschen strebten nach Atomwaffen." Es gab die Meinung, wenn die Franzosen Atomwaffen haben, dann stünde das auch den Deutschen zu. Wer "die Deutschen" waren, die diese Atomwaffen haben wollten, sagte sie nicht. Franz Josef Strauß - das geht aus ihren Worten hervor - war einer dieser Atomwaffen-Interessenten. Sie schilderte einige historische Details dieser Zeit, um dann die Ungeheuerlichkeit zu berichten:
Die Göttinger Erklärung, in der die 18 deutschen Wissenschaftler sich gegen eine atomare Bewaffnung Deutschlands aussprachen, wurde am 12. April 1957 verabschiedet. Danach lud Adenauer die Wissenschaftler zu einem Gespräch ein, in dem er ihnen versicherte, daß sie nicht aufgefordert würden, Atomwaffenforschung zu betreiben. Im Mai 1957 erhielt die Bundesrepublik atomare Waffen, Atomsprengköpfe der USA auf ihrem Territorium. Sie gehörten nicht der Bundesrepublik, unterstanden weiter dem US-Präsidenten. Aber Deutschland "hatte" Atomwaffen.
Ein Kommentar von mir:
Eigentlich war dieser Schachzug von Adenauer ziemlich raffiniert: bis zum letzten Augenblick hielt er die Wissenschaftler im Glauben, sie könnten zur Atomwaffen-Forschung aufgefordert werden. Als diese die Göttinger Erklärung verabschiedeten, müssen die Verhandlungen mit den USA (dem "Feind" Deutschland noch 12 Jahren zuvor!) doch schon so weit geführt haben, daß die Stationierung längst beschlossen war. Hier liegt also ein historisches Beispiel ohnegleichen vor, wie verantwortungsbewußte Wissenschaftler von der Politik ausgestrickst werden können. |
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